Mindestens 26 Tote nach verheerendem Taifun "Hagibis" in Japan

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Einsatzkräfte retten Bewohner eines Seniorenheims

In Japan hat der verheerende Taifun "Hagibis" eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich am Sonntag auf über 25. Japanischen Medien zufolge wurden zudem noch mindestens 15 Menschen vermisst. Zehntausende suchten Zuflucht in Notunterkünften.

Während die Bewohner Tokios glimpflich davon kamen, war die Situation in einigen Vororten der Hauptstadt verheerend. Erdrutsche brachten Häuser zum Einsturz, zahlreiche Flüsse traten über die Ufer. Starkregen und heftige Sturmböen führten unter anderem in der zentralen Provinz Nagano zu Überflutungen und Schlammlawinen. Mehr als 110.000 Häuser waren am Sonntagabend (Ortszeit) noch von der Stromversorgung abgeschnitten.

Japanischen Medien zufolge kamen mindestens 26 Menschen ums Leben, 15 weitere wurden noch vermisst. Die Regierung gab die Zahl der Toten mit 14 und die Zahl der Vermissten mit elf an. Mehr als 140 Menschen wurden demnach verletzt.

Der Wirbelsturm war am Samstagabend (Ortszeit) auf der südwestlich von Tokio gelegenen Izu-Halbinsel auf Land getroffen. Zuvor hatte er Windgeschwindigkeiten von bis zu 216 Stundenkilometern erreicht. Im Laufe der Nacht schwächte sich "Hagibis" zwar ab. Doch erst am Sonntag beruhigte sich die Lage allmählich, an Flughäfen und Bahnhöfen wurde der Betrieb teilweise wieder aufgenommen.

Mehr als 100.000 Einsatzkräfte waren die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag im Einsatz gewesen. Besonders dramatisch verlief eine Rettungsaktion in der Präfektur Fukushima, wo Militär und Feuerwehr die Bewohner von überfluteten Häusern mit Hubschraubern in Sicherheit brachten. In Iwaki City stürzte eine Frau noch während der Rettungsaktion in den Tod.

Stundenlang waren Rettungskräfte mit Booten vor einem bis zum obersten Stockwerk überfluteten Seniorenheim in Kawagoe im Einsatz. Einige der mehreren hundert Bewohner mussten in Rollstühlen aus dem Gebäude getragen werden.

Unter den Todesopfern waren zwei chinesische Passagiere eines Frachters, der in der Nacht vor der Küste Tokios gesunken war. Sechs Besatzungsmitglieder wurden weiter vermisst, vier konnten nach Angaben der Küstenwache gerettet werden.

"Die Regierung wird ihr Möglichstes tun", betonte Regierungschef Shinzo Abe. Die Rettungsaktionen würden die ganze Nacht über fortgesetzt, versprach er.

Die Wetterbehörde hatte vor einer "schweren Katastrophe" durch "Hagibis" und vor "beispiellosen Regenfällen" gewarnt. Für den Großraum Tokio galt am Wochenende die höchste Alarmstufe. 7,3 Millionen Menschen waren dazu aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Mehr als 135.000 Menschen befanden sich am Sonntagabend (Ortszeit) noch in Notunterkünften.

"Das Wasser in meinem Haus stand bis über meinen Kopf", sagte der Finanzexperte Hajime Tokuda aus Kawasaki der Nachrichtenagentur AFP. Er brachte sich zunächst in ein Haus seiner Familie in der Nähe in Sicherheit, musste jedoch mit einem Boot gerettet werden, als dieses ebenfalls überflutet wurde.

Verzweifelte Reisbauern und Blumenzüchter in der nördlich von Tokio gelegenen Präfektur Saitama versuchten am Sonntag, ihren Ernteverlust zu beziffern. "Wir hatten nie zuvor eine derartige Überflutung in dieser Gegend", sagte ein Bauer. "Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen."