Mindestens acht Tote bei Raketenangriffen auf Kabul

Mushtaq MOJADDIDI
·Lesedauer: 2 Min.
Schäden nach Raketenangriffen auf Kabul
Schäden nach Raketenangriffen auf Kabul

Bei groß angelegten Raketenangriffen auf die afghanische Hauptstadt Kabul sind nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet worden. Die Angriffe am Samstagmorgen richteten sich gegen mehrere dicht besiedelte Wohngebiete im Zentrum und im Norden der Stadt. Auch in der stark gesicherten Grünen Zone mit zahlreichen Botschaften und Niederlassungen internationaler Unternehmen schlugen Geschosse ein. Die Regierung machte die radikalislamischen Taliban für die Angriffe verantwortlich.

Nach Angaben der iranischen Botschaft wurde ihr Gebäude von Raketenfragmenten getroffen. Auf dem Botschaftsgelände nahe der Grünen Zone sei jedoch niemand verletzt worden, berichtete die Botschaft im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums machte die Taliban für den Angriff verantwortlich: "Terroristen" hätten insgesamt 23 Raketen auf verschiedene Ziele in der Stadt abgefeuert. Dabei seien nach ersten Erkenntnissen mindestens acht Menschen getötet und 31 weitere verletzt worden. Die Taliban wiesen jegliche Verantwortung zurück und erklärten, sie feuerten "nicht blind auf öffentliche Orte".

Auch ein großer Krankenhauskomplex wurde getroffen, dort wurden Mauern beschädigt, Fenster gingen zu Bruch. Die Wucht des Raketeneinschlags habe sie zu Boden geworfen, sagte die Krankenschwester Mariam Rahimi der Nachrichtenagentur AFP. "Ich habe um Hilfe geschrien und andere Mitarbeiter gerufen, damit sie die ins Krankenhaus eingelieferten Kinder in Sicherheit bringen. Diese Angreifer müssen sterben, sie machen nicht einmal vor Krankenhäusern Halt."

In jüngster Zeit war Kabul von mehreren schweren Angriffen erschüttert worden, darunter zwei Attacken auf Bildungseinrichtungen, bei denen fast 50 Menschen getötet wurden. Jedes Mal wiesen die Taliban jede Verstrickung zurück, während die Regierung sie oder ihre Verbündeten verantwortlich machten.

Afghanistan kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. Im Zuge eines Abzugsabkommens mit den USA hatten sich die Taliban im Februar verpflichtet, keine Angriffe mehr in städtischen Gebieten zu verüben.

Vertreter der Taliban und der afghanischen Regierung nahmen im September in Katar Friedensgespräche auf, die jedoch bisher keine greifbaren Ergebnisse brachten, die Gewalt dauert an: Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums verübten die Taliban in den vergangenen sechs Monaten 53 Selbstmordanschläge und 1250 weitere Bombenanschläge, bei denen 1210 Zivilisten getötet und 2500 weitere verletzt wurden.

US-Außenminister Mike Pompeo hatte angekündigt, am Samstag bei einem Besuch in Katar mit der Verhandlungsdelegation der Taliban sprechen zu wollen.

US-Präsident Donald Trump will kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt den Abzug aus Afghanistan vorantreiben. Bis zum 15. Januar sollen weitere rund 2000 der derzeit noch rund 4500 US-Soldaten das Land verlassen. Kritiker warnen, ein übereilter Abzug der US-Armee stärke die Taliban in Afghanistan.

gt/ju