Mindestens neun Tote bei Bombenanschlag auf Abgeordneten in Kabul

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Trotz laufender Friedensverhandlungen ebbt die Gewalt in Afghanistan nicht ab: Bei einem Bombenanschlag auf einen Parlamentsabgeordneten in der Hauptstadt Kabul sind am Sonntag mindestens neun Menschen getötet worden. Die Autobombe habe 20 weitere Menschen verletzt, sagte Innenminister Masud Andrabi. Aus Regierungskreisen hieß es, der Abgeordnete Khan Mohammad Wardak sei bei dem Angriff verletzt worden. Bis Sonntagmittag hatte sich keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt.

In den vergangenen Wochen war es zu einer Reihe von Anschlägen in Kabul gekommen, die teils von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht wurden. Obwohl die afghanische Regierung seit September in Doha Friedensgespräche mit Vertretern der radikalislamische Taliban führt, erlebt das Land derzeit eine Welle der Gewalt.

"Es war eine gewaltige Explosion, die schwere Schäden an Häusern in der Umgebung verursacht hat", sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte über den jüngsten Anschlag von Sonntag. Demnach ereignete sich der Angriff im Westen der Stadt. Laut dem Innenministerium sind alle Opfer Zivilisten; auch Frauen und Kinder wurden verletzt.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani verurteilte die Tat in einer Erklärung: "Die Feinde Afghanistans haben einen Terroranschlag auf Khan Mohammad Wardak verübt." Solche Anschläge "auf zivile Ziele und Einrichtungen werden die Möglichkeit für Frieden gefährden", teilte Ghani weiter mit.

Im afghanischen Fernsehen waren mindestens zwei brennende Autos sowie dichter schwarzer Rauch zu sehen. Fünf Personenschützer des Abgeordneten Wardak seien unter den Verletzten, sagte ein Mitarbeiter des Parlamentariers. Demnach ereignete sich der Anschlag, als Wardak in einem Konvoi unterwegs war.

Erst am Freitag waren im Osten Afghanistans mindestens 15 Kinder während einer religiösen Versammlung durch eine Bombenexplosion getötet worden. Die Regierung machte die Taliban für die Attacke verantwortlich. Die Islamistengruppe wies dies zurück und erklärte, ein Blindgänger habe die Explosion verursacht.

Am Folgetag wurde der wichtige US-Luftwaffenstützpunkt Bagram nördlich von Kabul mit fünf Raketen angegriffen. Den Angriff, bei dem niemand verletzt und der Stützpunkt nicht beschädigt wurde, beanspruchte die Dschihadistenmiliz IS für sich.

Anfang November hatten drei Attentäter den Campus der Universität Kabul gestürmt und 22 Menschen getötet. Zu der Attacke bekannte sich ebenfalls die IS-Miliz, die auch mehrere Raketenangriffe auf Kabul in den vergangenen Monaten für sich beanspruchte.

Auch in mehreren afghanischen Provinzen nahm die Gewalt in diesem Jahr zu. Zwischen Januar und September wurden nach UN-Angaben landesweit mehr als 2100 Zivilisten getötet und mehr als 3800 weitere verletzt. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Taliban sind derzeit unterbrochen und sollen Anfang Januar wieder aufgenommen werden.

sip/cp