Drei Tote bei Bombenanschlag auf Einkaufszentrum in Kolumbien

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Polizisten vor dem Tatort in Bogotá

Bei einem Bombenanschlag auf ein Einkaufszentrum in Kolumbien ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Mindestens elf weitere wurden am Samstag bei dem Anschlag in der Hauptstadt Bogotá verletzt, wie Bürgermeister Enrique Peñalosa mitteilte

Bei einem Bombenanschlag in einem bei Ausländern beliebten Einkaufszentrum in Bogotá sind drei Menschen getötet und neun weitere verletzt worden. Unter den Toten ist auch eine 23-jährige Französin, wie Bürgermeister Enrique Peñalosa bekanntgab. Unklar war zunächst, wer für den Anschlag in der kolumbianischen Hauptstadt verantwortlich war. Die letzte noch aktive Guerillaorganisation des Landes, ELN, verurteilte den Anschlag.

Das bei Ausländern beliebte Einkaufszentrum Centro Andino in einem wohlhabenden Stadtteil war wegen des Vatertags gut besucht, der in Kolumbien am Sonntag gefeiert wurde. Nach Polizeiangaben ereignete sich die Explosion am Nachmittag in der Damentoilette des Shopping Centers. Polizeichef Jorge Nieto erklärte, der Sprengsatz sei hinter einer WC-Schüssel versteckt gewesen.

Unter den Toten sind auch zwei kolumbianische Frauen im Alter von 27 und 31 Jahren, die im Krankenhaus ihren Verletzungen erlagen. Vier der Verletzten schwebten nach Angaben der Klinik in Lebensgefahr. Unter den Verletzten ist auch eine 48-jährige Französin.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen nach der Bombenexplosion. Ein Augenzeuge sprach von dichtem schwarzen Rauch und starkem Gummigeruch; die Menschen seien in alle möglichen Richtungen gerannt. "Ich bin am Leben, es ist ein Wunder", sagte ein anderer Zeuge, Andres Bermudez, mit zitternden Händen kurz nach der Explosion der Nachrichtenagentur AFP.

"Es gab einen lauten Knall und der Boden wackelte", berichtete die Verkäuferin Milena Carcenas. Menschen seien mit Asche bedeckt gewesen. "Wir sahen blutende Menschen, die weinten", sagte der Angestellte Michael Montoya.

Bogotás Bürgermeister Peñalosa sprach von einem "feigen terroristischen Angriff". Noch sei unklar, "welche Gruppe hinter diesem Attentat steckt". Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Die getötete 23-jährige Französin hielt sich nach Angaben des Bürgermeisters von Bogotá zu einem sechsmonatigen Sozialdienst in Kolumbien auf. Der französische Botschafter in Kolumbien, Gautier Mignot, sagte einem örtlichen Radiosender, die junge Frau sei offenbar in Begleitung ihrer Mutter in dem Einkaufszentrum gewesen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter erschüttert über den Tod der 23-Jährigen und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Die Anti-Terroreinheit der Staatsanwaltschaft in Paris leitete Ermittlungen ein wegen Mordes und Mordversuchs.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der am Abend am Anschlagsort eintraf, verurteilte das Attentat. Bislang gebe es noch "keine klaren Indizien" dafür, wer für den Anschlag verantwortlich sei, sagte er. "Die Terroristen werden unsere Lebensweise nicht verändern", versicherte Santos. Er rief die Bevölkerung auf, weiterhin ein "normales Leben zu leben". Das Einkaufszentrum werde am Sonntag wieder regulär geöffnet sein.

Die Guerillaorganisation ELN verurteilte den Anschlag auf Twitter als "abscheulich". Die ELN ist die letzte noch aktive Guerillagruppe in Kolumbien. Sie verhandelt derzeit mit der Regierung über einen Friedensvertrag nach dem Beispiel des Friedensschlusses mit der Farc-Guerilla, welcher den jahrzehntelangen Konflikt zwischen den linksgerichteten Rebellen und der Regierung mit mehr als 260.000 Toten beendete.

Farc-Chef Rodrigo Londoño, besser bekannt als "Timoschenko", verurteilte den Anschlag ebenfalls und sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. Die Tat könne "nur von denen begangen worden sein, die sich dem Weg von Frieden und Aussöhnung verschließen wollen", schrieb er auf Twitter.

Das Attentat vom Samstag war bereits der zweite große Anschlag in Bogotá in diesem Jahr. Im Februar hatte sich die ELN zu einem Bombenanschlag nahe einer Arena bekannt, bei dem ein Polizist getötet und 20 weitere Menschen verletzt wurden.

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