Mindestlohn in den USA: Für ein paar Dollar mehr

Jörg Wimalasena
·Lesedauer: 2 Min.

Die neue US-Regierung will den Mindestlohn drastisch erhöhen. Doch nicht nur von den Republikanern, sondern auch aus der eigenen Partei kommt Widerstand.

Kamala Harris im Juni 2019 bei streikenden McDonalds-Mitarbeitern in Las Vegas, die einen Mindestlohn von 15 Dollar proStunde fordern: Damals wollte sie Präsidentin werden, heute ist sie Vizepräsidentin. © Mike Segar/​Reuters
Kamala Harris im Juni 2019 bei streikenden McDonalds-Mitarbeitern in Las Vegas, die einen Mindestlohn von 15 Dollar proStunde fordern: Damals wollte sie Präsidentin werden, heute ist sie Vizepräsidentin. © Mike Segar/​Reuters

Der Frust trieb sie zu einem Hupkonzert: In Durham, North Carolina, wollten Mitarbeiter von Fast-Food-Restaurants in der vergangenen Woche noch einmal lautstark auf ihre Situation aufmerksam machen. Riesige Schilder hielten sie dazu hoch, die auch im Vorbeifahren nicht zu übersehen waren: "Zahlt uns sofort 15 Dollar pro Stunde." Eine Botschaft, die nicht nur an die eigenen Arbeitgeber gerichtet war, sondern auch an die Politik in Washington und vor allem an Joe Biden.

In 15 US-Städten demonstrierten Niedriglohnbeschäftigte für eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns, die der neue Präsident im Wahlkampf versprochen hatte. Er soll nun endlich dafür sorgen, dass Millionen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner besser bezahlt werden. "Das würde mir ermöglichen, von meinem Gehalt etwas Geld übrig zu haben, um meine Familie besser mit Lebensmitteln versorgen und mir ein Auto kaufen zu können, damit ich nicht immer mit dem Bus fahren muss ", sagte etwa Ieishia Franceis, die bei einer Steakburger-Kette in Durham arbeitet, dem Guardian. Bislang bekomme sie 9,20 Dollar die Stunde.

Biden hat die Mindestlohnerhöhung zu einem seiner wichtigsten Regierungsprojekte erklärt und scheint es ernst zu meinen. Erst am vergangenen Dienstag bekräftigte der 78-Jährige in einem Wählergespräch bei CNN: "Niemand, der 40 Stunden arbeitet, sollte in Armut leben." In Bidens geplantem Corona-Hilfspaket ist eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde bis 2025 vorgesehen – ganz so, wie Arbeitnehmerinitiativen es seit Jahren fordern.

Denn beim Mindestlohn hat sich in den USA schon seit mehr als einem Jahrzehnt nichts mehr getan. Die letzte Erhöhung wurde 2009 unter Präsident George W. Bush verabschiedet. Seitdem beträgt der Mindestlohn auf Bundesebene gerade einmal 7,25 Dollar die Stunde – bei den hohen Lebenshaltungskosten in den USA bedeutet das für viele Armut trotz Arbeit. Laut einer Musterberechnung des linken Thinktanks Center on Budget and Policy Priorities kommen Mindestlohnbezieher mit einer Vollzeitstelle gerade einmal auf 1.256 Dollar im Monat. Der Betrag ist so gering, dass demnach etwa mit zwei Kindern immer noch ein Anspruch auf Lebensmittelgutscheine im Wert von 482 Dollar besteht. Effektiv subventioniert der Staat also Hungerlöhne.

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