Mehr als hundert Tote und Verletzte bei Taliban-Angriff in Afghanistan

Sicherheitskräfte an dem Stützpunkt nahe Masar-i-Scharif

Bei einem Taliban-Angriff auf einen Militärstützpunkt nahe Masar-i-Scharif sind nach Angaben der afghanischen Regierung mehr als einhundert Soldaten getötet oder verletzt worden. Die meisten Opfer seien gerade beim Freitagsgebet gewesen, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag in Kabul mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den "hinterlistigen, brutalen Angriff".

Augenzeugen zufolge trugen die Angreifer afghanische Armeeuniformen. "Sie kamen mit zwei Militärfahrzeugen mit Maschinengewehren auf dem Dach auf das Gelände", berichtete der Armeeangehörige Mohammed Hussain, der bei dem Angriff verletzt wurde, der Nachrichtenagentur AFP. "Dann haben sie auf jeden geschossen." Danach seien die Angreifer in die Moschee und den Speisesaal des Militärstützpunkts eingedrungen und hätten dort "alle wahllos getötet".

Zwei der Angreifer sprengten sich bei dem Angriff, für den die radikalislamischen Taliban am Freitag die Verantwortung übernahmen, in die Luft. Dem afghanischen Verteidigungsministerium zufolge wurden alle Angreifer getötet. Wie viele Angreifer insgesamt beteiligt waren, teilte das Ministerium nicht mit. Zunächst hatte es geheißen, ein Täter sei festgenommen worden.

Wie viele Menschen bei dem Angriff getötet wurden, war auch am Samstag unklar. Ein Militärvertreter, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Basis befand, sagte AFP, 150 Soldaten seien getötet und dutzende weitere verletzt worden. Das US-Militär hatte am Freitag von mehr als 50 getöteten Soldaten berichtet. Die Attacke auf den Stützpunkt im Norden des Landes dauerte demnach mehrere Stunden.

Ein weiterer afghanischer Militärangehöriger äußerte die Vermutung, dass die Angreifer "Hilfe von Innen" gehabt haben könnten. Sie hätten mindestens sieben Kontrollposten passieren müssen, um auf das Gelände zu gelangen.

Merkel kondolierte dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. Die Nachricht von dem "hinterlistigen, brutalen Angriff der Taliban" habe sie mit "großem Entsetzen" aufgenommen. Ihr Mitgefühl gelte den vielen Verletzten und den Angehörigen der zahlreichen Opfer. Deutschland stehe an der Seite der Menschen in Afghanistan, "die sich gegen den Terror wenden und für eine friedliche, demokratische Zukunft ihres Landes einsetzen".

In Masar-i-Scharif ist die deutsche Bundeswehr im Rahmen des Nato-geführten Einsatzes "Resolute Support" im Einsatz, bei dem es vor allem um Ausbildung, Beratung und Unterstützung einheimischer Sicherheitskräfte geht. Die Sicherheitslage in dem Land ist angespannt. Es wird erwartet, dass die radikalislamischen Taliban bald ihre Frühjahrsoffensive ankündigen.

Mehrere Anläufe der afghanischen Regierung für Friedensgespräche mit den Taliban waren in der Vergangenheit gescheitert. Mehr als ein Drittel des Landes steht nicht unter Regierungskontrolle, viele Regionen sind umkämpft. Die Nato-Staaten, die ihren Kampfeinsatz in dem Land Ende 2014 offiziell beendet hatten, haben derzeit mehr als 13.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Rund 8400 von ihnen stellt das US-Militär.

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