Mit dieser Browser-Erweiterung erkennen Sie Wahlwerbung

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

„Who targets me“ ist eine Browser-App, die Wahlwerbung auf Facebook erkennt und transparent macht. Das kann vor allem aufgrund der bevorstehenden Bundestagswahl im September hilfreich sein, manipulative Botschaften zu identifizieren.

A man poses with a magnifier in front of a Facebook logo on display in this illustration taken in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina, December 16, 2015. Facebook Inc said on Wednesday it is testing a service that will allow users of its Messenger app to hail Uber rides directly from the app, without leaving a conversation or downloading the ride-hailing app.  .  REUTERS/Dado Ruvic      TPX IMAGES OF THE DAY
Genau hinschauen: Mit einer Browser-Erweiterung lässt sich Wahlwerbung auf Facebook leicht erkennen. Foto: REUTERS / Dado Ruvic

Nach dem US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016 wurde das fragwürdige Unternehmen Cambridge Analytica weltbekannt. Der Grund: Es verfügte illegal über 50 Millionen Facebook-Profile. Diesen Datensatz hat es dazu genutzt, besonders präzise Wahlwerbung für den republikanischen Kandidaten Donald Trump via Facebook zu schalten – das sogenannte Mikrotargeting.

Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt das Wahlmanipulation. Denn: „Die mit politischen Anzeigen anvisierten Personen bekommen maßgeschneiderte Botschaften, die zu ihren persönlichen Umständen passen.“ Wer sich etwa bei bestimmten Nachrichtenseiten informiere, in gewissen Gegenden wohne, Einkommensgrenzen über- oder unterschreite oder als Kund*in verschiedener Verkaufsketten identifiziert worden sei, erhalte darauf abgestimmte Einspielungen.

Lügen erlaubt

Das Problem: Das kann jede Partei auf Facebook ganz einfach nachmachen. Dazu kommt, dass Facebook die Absender*innen der Werbung weder transparent darstellt noch müssen die politischen Aussagen wahr sein. Politiker*innen können auf Facebook lügen und mit ihren Botschaften besonders dafür empfängliche Menschen erreichen.

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Das soll sich auch nicht ändern. Der Spiegel zitierte dazu im vergangenen Jahr Facebook-Chef Mark Zuckerberg wie folgt: „Wir haben schon früher klargemacht, dass wir die Aussagen von Politikern nicht überprüfen“, sagt Zuckerberg. „Generell sollten private Unternehmen, insbesondere Plattformen, nicht in der Position sein, das zu tun.“

Browsererweiterung macht Werbung transparent

Deshalb hat jetzt das ZDF Magazin Royale den Einsatz der Transparenz-Software „who targets me?“ im Vorfeld wichtiger Wahlen vorgeschlagen. Neben weitreichenstarken internationalen Medien, wie der US-amerikanischen New York Times oder der britischen BBC, hat nun auch das TV-Magazin die kostenlose Browsererweiterung vorgestellt.

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Auf dem Twitter-Account des ZDF Magazin Royale heißt es: „Im Wahlkampf investieren Parteien viel Geld in maßgeschneiderte Facebook-Werbung. Politiker*innen bewerben auf diese Weise sehr unterschiedliche Wählergruppen mit sehr unterschiedlichen Botschaften. Das ermöglicht Wähler*innen-Manipulation, die niemand sieht.“

Who targets me“ soll das ändern: Einmal installiert, erfasst die Erweiterung ausschließlich „die auf Sie abzielenden Facebook-Anzeigen“. Diese werden mit aufwendig recherchierten Listen von politischen Werbetreibenden abgeglichen. Alle „who targets me“-Nutzer*innen erhalten dann personalisierte Daten darüber, „auf welche Weise Sie von wem angesprochen werden“.

Ergebnisse vergleichen

Die Ergebnisse können auch verglichen werden: Wer bekommt welche Werbebotschaften ausgespielt und wie unterscheiden sie sich von den Inhalten, die Freunde und Bekannte sehen? Vor allem vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bundestagswahl am 26. September kann die App so dabei helfen, zwischen Wahlwerbung und gewöhnlichen Anzeigen zu unterscheiden.

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Aktuell hat die App 4.474 verschiedene Werbetreibende für politische Inhalte in Deutschland gespeichert und analysiert. Davon haben im April 1.010 auch tatsächlich Wahlwerbung auf Facebook geschaltet. An erster Stelle stehen dabei Inhalte der SPD, die von insgesamt 233 verschiedenen Werbetreibenden gekauft und veröffentlicht wurden. Danach kommen CDU/CSU, dann die AfD, FDP und Die Grünen. Am wenigsten Werbung hat bislang Die Linke gemacht. Insgesamt haben die Parteien dafür 257.000 Euro ausgegeben. Doch „who targets me“ erwartet, dass diese Zahl bis zur Bundestagswahl noch stark ansteigen wird.

Im Video: Bundestagswahl: Diese Koalitionen wären denkbar