Mitarbeiter der US-Botschaft in Berlin wurden möglicherweise angegriffen

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Mitarbeiter der US-Botschaft in Berlin haben plötzlich Krankheitssymptome entwickelt. Was sie verursacht hat, kann bislang nicht gesagt werden. Sie würden aber zu zahlreichen Vorfällen auf der ganzen Welt passen, hinter denen die Regierung in Washington den russischen Geheimdienst vermutet.

Die US-Botschaft in Berlin, im Fenster spiegelt sich das Brandenburger Tor. Foto: Reuters / Tobias Schwarz
Die US-Botschaft in Berlin, im Fenster spiegelt sich das Brandenburger Tor. Foto: Reuters / Tobias Schwarz

Mindestens zwei Delegierte der US-Botschaft in Berlin mussten sich kürzlich in medizinische Behandlung begeben. Der Grund: Akute Symptome, die mit dem sogenannten Havanna-Syndrom übereinstimmen.

Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern eine Ansammlung von Beschwerden wie Übelkeit, Ohrenschmerzen, Sehstörungen oder Schlaflosigkeit. Teilweise tragen die Betroffenen bleibende Schäden davon. Verursacht wird das Syndrom – das ist zumindest der Verdacht – durch Radiowellen, die Feinde der USA einsetzen.

Havanna-Syndrom: US-Behörden sind besorgt

Erstmals sind Symptome des Havanna-Syndroms im Jahr 2016 auf Kuba aufgetreten, bei Mitarbeitenden des dortigen diplomatischen Dienstes der USA. Seither wurden Dutzende ähnliche Fälle auf der ganzen Welt bekannt – zuletzt im April bei der US-Vertretung in Wien und im Weißen Haus in Washington.

Wer steckt hinter den Angriffen?

Bei dem Vorfall in Berlin nun sollen die Diplomaten, das berichtete zuerst das Wall Street Journal, arbeitsunfähig geworden sein. Auch der Spiegel hat das Thema zwischenzeitlich aufgegriffen und eine Stellungnahme der US-Botschaft erbeten – diese wollte aber nichts bestätigen oder kommentieren. Ein Sprecher sagte lediglich, man lasse nichts unversucht, die Unversehrtheit der Diplomaten sicherzustellen.

Wer wirklich hinter den den Angriffen, die das Havanna-Syndrom auslösen, steckt und wie diese gezielt hevorgerufen werden, ist bis heute ungeklärt. Einer Theorie zufolge, die laut einer Recherche der New York Times in US-Regierungskreisen als wahrscheinlich gilt, steckt der russische Geheimdienst dahinter. Beweise wurden aber trotz monatelangen Ermittlungen bislang nicht vorgebracht.

Betroffener: eine Form von Terrorismus

Laut Spiegel und der Rechercheplattform Bellingcat gibt es ein geheimes russisches Forschungsprogramm, das dazu aber passen würde: Demnach entwickelt der dortige Geheimdienst eine Methode, „gefährliche Wellen über das Mobiltelefon einer Zielperson auszusenden“.

Ein anonymer Betroffener eines früheren Vorfalls berichtete jetzt im Interview mit dem Wall Street Journal, wie er diesen erlebt hat. Demnach spürte er plötzlich stechende Schmerzen und ein heftiges Druckgefühl in den Ohren, außerdem vernahm er ein hohes elektronisches Kreischen. Danach folgten weitere Symptome.

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„Es gibt keine Hinweise darauf, was mit uns genau passiert ist, aber es ist verdächtig, dass wir alle an Themen gearbeitet haben, die mit Russland verknüpft sind“, sagte er. „Was immer es war, es handelt sich dabei um eine Form von Terrorismus, die ernsthafte Verletzungen zur Folge hat und unser Leben für immer verändert.“

Verfassungsschutz: Ruppige Methoden und brutale Mittel

Offiziell hat die US-Botschaft die Bundesregierung noch nicht von dem Vorfall in Berlin in Kenntnis gesetzt, da noch ermittelt wird. Er würde aber zu einer Reihe von Einmischungen Russlands passen, die auch in Deutschland zuletzt zugenommen haben. 

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So sagte Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang kürzlich der Welt: „Wir nehmen wahr, dass Russland seine Aktivitäten erheblich gesteigert hat. Das inzwischen erreichte Niveau kannten wir bislang nur aus Zeiten des Kalten Kriegs.“ Die eingesetzten Methoden würden dabei immer ruppiger und die Mittel brutaler.

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