"Mitbringsel' aus St. Petersburg": ARD-Russland-Korrespondentin mit Corona infiziert

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Hörfunk-Korrespondentin Martha Wilczynski steckte sich offenbar im Zuge ihrer Berichterstattung aus St. Petersburg mit dem Coronavirus an - und leidet auch eine Woche nach mehreren negativen Tests noch unter den Folgen. (Bild: WDR / Annika Fußwinkel)
Hörfunk-Korrespondentin Martha Wilczynski steckte sich offenbar im Zuge ihrer Berichterstattung aus St. Petersburg mit dem Coronavirus an - und leidet auch eine Woche nach mehreren negativen Tests noch unter den Folgen. (Bild: WDR / Annika Fußwinkel)

Martha Wilczynski ist als Hörfunk-Korrespondentin für die ARD in Russland tätig. In St. Petersburg konnte sie sich vor Ort ein Bild von den EM-Spielen - und fehlenden Corona-Hygieneregeln - machen. Dabei infizierte sie sich offenbar selbst und machte nun auf Instagram ihrem Ärger Luft.

Sonnenschein und warme Temperaturen in Moskau, doch die Stimmung von Martha Wilczynski, Hörfunk-Korrespondentin im ARD-Studio Moskau, schwankt derzeit zwischen Bedrückung und Wut: "Da sitze ich also an einem Montagnachmittag bei schönstem Sommerwetter im Park - und bin maximal angefressen", schreibt die gebürtige Polin zu einem Foto auf Instagram. Normalerweise kommuniziere sie Dinge an denen sie zu knapsen habe, erst hinterher, wenn alles wieder gut sei, lässt Wilczynski wissen. "Hieran werde ich aber leider noch eine ganze Weile zu knapsen haben - an meinem 'Mitbringsel' aus St. Petersburg: SARS-CoV-2 - Variante Delta" - beziehungsweise an deren Folgen. In St. Petersburg fanden auch Spiele der EURO 2020 statt.

Die Krankheit selbst sei schon "nicht lustig" gewesen, schreibt die Korrespondentin, die diesen Job seit Februar 2019 innehat. Doch Covid-19 sei laut Tests seit einer Woche durchgestanden, und ihre jetzigen Beschwerden klingen weiterhin heftig: "Sitze ich nun länger als eine Stunde am Bildschirm, platzt mir gefühlt der Schädel. Strenge ich mich körperlich an - und damit meine ich so was wie 'etwas länger spazieren gehen' -, fahre ich für einige Stunden in den Knock-Out-Modus." Ihr Fazit: "Ich bin noch immer nicht arbeitsfähig. Perspektive ungewiss (aber hoffnungsvoll)." Sie habe sich trotz vollständiger Impfung, dem konsequenten Tragen einer FFP2-Maske und weiterer Vorsichtsmaßnahmen infiziert.

"Fußball-Feeling" vor "Sicherheit"

Seit Anfang Juni stiegen die Corona-Neuinfektionen in Russland wieder stark an, die Todeszahlen erreichten am 13. Juli gar ein Rekordhoch. Dennoch wurden in St. Petersburg EM-Spiele ausgetragen - und Martha Wilczynski war vor Ort. "Ich habe von einem Groß-Event aus einer Stadt berichtet, in der sich nahezu alle anderen so verhalten haben, als gäbe es gar keine Pandemie", schreibt sie auf Instagram. Im Vorfeld sei beteuert worden, dass die EURO unter Berücksichtigung der Hygieneregeln stattfinden würde. "Doch wurde vor Ort sehr schnell klar: 'Fußball-Feeling' und 'Gastfreundschaft' kommen ganz weit vor 'Sicherheit."

Dass insbesondere in St. Petersburg die Zahl der Neuinfektionen in die Höhe schoss, läge nicht nur an der EURO, betont Wilczynski. Schließlich seien auch abseits der Spiele "tausende Tourist:innen in der Stadt". Der EM sei es aber anzulasten, "dass während in Moskau Maßnahmen wieder verschärft wurden, man in Petersburg noch nichts davon wissen wollte - zumindest nicht, solange die Vorrundenspiele der russischen Mannschaft noch liefen". Die wenigen Zusatzregeln im Anschluss seien nicht durchgesetzt worden. "Und auch die neuesten Anti-Corona-Maßnahmen gelten erst ab morgen. Also jetzt, wo die Fanzonen ohnehin wieder abgebaut werden."

Neben den Folgen ihrer Krankheit, sind es die Umstände, die die ARD-Mitarbeiterin erzürnen. "Es ist eben nicht nur Corona, sondern auch dieser Zynismus der mich anfrisst. Und zwar nicht nur auf Russland bezogen, sondern auf die gesamte Ausrichtung dieser EM", macht die Journalistin ihrem Ärger Luft.

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