Moin aus Hamburg: Der Hund von heute – schick in Strick

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Die MOPO-Redaktion sagt Moin! Es ist der Platz in der Zeitung, in der die Redakteurinnen und Redakteure der „Hamburger Morgenpost“ seit vielen Jahren die Leserinnen und Leser begrüßen. Mal geht's um den HVV, mal um den HSV, manchmal auch ums Wetter oder um Promis, die sich an Alster und Elbe tummeln. Meistens aber darum, was wir Kollegen in unserem Alltag in Hamburg erleben und beobachten. Die Moins der vergangenen Tage finden Sie ab sofort auch hier auf MOPO.de: Der Hund von heute – schick in Strick Vielleicht sind sie Ihnen bei Spaziergängen auch schon aufgefallen: die vielen gut gekleideten Hunde. Waren Mäntel früher „Schoßhündchen“ vorbehalten, laufen heute auch die Großen mit wärmender Kutte durch die Gegend. Da sieht man den stolzen Weimaraner in edlem Zwirn, farblich aufs Fell abgestimmt, der Sheltie trägt ein rotes Regencape und die quirlige Beagle-Pinscher-Dame einen grauen Grobstrickpulli. Das macht im Winter bei manchen Hunden durchaus Sinn, sagen Experten. Doch vielleicht haben Frauchen oder Herrchen auch ein ganz anderes Motiv: Ihre eigenen neuen Kleider können sie im Lockdown schließlich niemandem präsentieren. Ute Gebauer Drei, zwei, eins – und immer noch meins Online-Marktplätze sind eine gute Sache. Altes findet noch einen Käufer, muss nicht auf den Müll. In der „Freizeit“ der Pandemie entrümple ich seit Monaten Schränke und Regale. In Gedanken läuft die Urlaubskasse über. Doch es gibt ein Problem. Bilder knipsen, Gegenstände beschreiben, dann alles verpacken und abschicken – der Aufwand schreckt mich oft ab. Und wenn ich mich überwinde, will ich das Zeug auch nicht verramschen – vieles bleibt deshalb ein Ladenhüter. So stapeln sich die Sachen jetzt nicht mehr im Regal und den Schränken, sondern hübsch aufgereiht im Wohnzimmer. Michael Reis Die Schnecken in meinem Eintopf Einen großen Pott Steckrübeneintopf hatte ich gekocht. Zu viel für den kleinen Kühlschrank. Ich stellte den verschlossenen Topf über Nacht auf die Dachterrasse – und freute mich schon auf mein Lieblings-Mittagessen für morgen! Am nächsten Tag eine unschöne Überraschung. Mit meiner Vorliebe für Steckrübeneintopf war ich offenbar nicht allein. Drei schleimige Nacktschnecken hatten sich, angezogen vom Essensgeruch, in dem Deckel verkrochen. Schneckrübeneintopf statt Steckrübeneintopf. Dieses Mittagessen musste ausfallen. Und nie wieder werde ich Kochtöpfe auf die Terrasse stellen! Sabine Korzuschek Haushaltsgeräte im Lockdown Runterfahren, Begegnungen einstellen, Ruhemodus – es sieht so aus, als sei der Lockdown auch bei meinen elektronischen Geräten angekommen. Erst gab der Router spontan seinen Geist auf (kein Internet im Homeoffice, super!), dann beschloss der Drucker, alle Dienste herunterzufahren und auf null zu stellen. Das Bügeleisen macht vermutlich aus Solidarität komische Geräusche und scheint auf Distanz gehen zu wollen, während der Fernseher noch unentschlossen im Teillockdown verharrt. Mal wackelt das Bild, mal fehlt der Ton. Ich bin sicher, demnächst wird er die Kontaktaufnahme ganz einstellen. Anke Geffers Propaganda aus dem Parkscheinautomaten Vorschriftsmäßig haben die MOPO-Reporter am Montag am Valentinskamp ein Park-Ticket gezogen. Im Auswurfschacht des Automaten fanden wir ein Kärtchen mit dem Text: „Unglaublich, was uns die meisten Medien verschweigen – nichts für schwache Nerven.“ Dazu der Verweis auf eine Website. Neugierig gingen wir auf die Seite und erfuhren, dass als Trump-Anhänger verkleidete Antifa-Aktivisten das Kapitol gestürmt haben. Dazu eine Sammlung von Polizeimeldungen aus ganz Deutschland über Straftaten mit Ausländer-Beteiligung. Und wo waren die her? Aus den Medien ... Thomas Hirschbiegel Unwiderstehlicher Duft am Glascontainer Der Gang zum Glascontainer ist eine eher unangenehme Angelegenheit: Unter den Füßen knirschen Scherben, man fasst beim Reinwerfen in restklebrige Marmeladengläser und aus dem Inneren des Containers kommt ein übler Geruch, irgendwo zwischen vergorenem Wein und schimmeligem Wurstwasser. Aber zurzeit, da duftet es dort herrlich! Der Geruch von Wald, Weihnachten und Gemütlichkeit umweht die alten Flaschen. Denn: Ein paar Meter weiter ist ein Sammelplatz für ausrangierte Tannenbäume. Schade, dass das natürliche Glascontainer-Deo bald im Müllwagen landen wird. Simone Pauls Mein liebster Freund in der Krise: die Couch Nach Wochen der Vorfreude auf die neue Couch rückte der Tag des Abschieds von der alten näher. Den Abend davor dämmerte dem kleinen Sohn die Konsequenz: die Trennung von fünf großen Sofa-Kissen. Er nahm sie in den Arm, Krokodilstränen flossen – die Welt kann so gemein sein. Doch am Tag der Lieferung des neuen Möbelstücks berichtete mir mein großer Sohn per Audionachricht von einem Jubelsprung und einem Jauchzer des Kleinen. Und siehe da: Bei meiner Rückkehr lag der Lütte – verträumt und selig – auf dem neuen Mitbewohner. „Papa, ich liebe diese Couch“. Michael Reis Ein Wattebausch als Schlittenhund Der Hund ist winzig, weiß und wuschelig und trabt geschäftig den Fußweg entlang. Hinter ihm: ein kleiner Junge in einer Kinderkarre, der mit stolzem Blick die Leine des Mini-Bellos hält. Eine Frau schiebt die Karre. Irgendwann setzt der (vierbeinige) Winzling einen Haufen in den Matsch, die Frau lässt die Karre zum Aufsammeln kurz los – und tatsächlich schafft der kleine Hund es, das Gefährt in Bewegung zu setzen, zum Entzücken des Jungen. Merke: Du kannst aussehen wie ein Wattebausch auf vier Pfoten und im Herzen ein Schlittenhund sein, stark und furchtlos. Stephanie Lamprecht Der Balkon als Kühlschrank Die kalte Jahreszeit sorgt bei vielen Hamburgern für schlechte Laune – besonders im grauen Hamburg sehen viele Menschen im Winter wohl eher Nachteile als Vorteile. Mein Mitbewohner zieht allerdings etwas Positives aus der Sache: Wenn es draußen kalt ist, kann der Balkon direkt neben dem Zimmer auch schnell mal zum Kühlschrank umfunktioniert werden. So wird der lange Weg in die Küche gespart und die natürliche Frische der Hamburger Luft ausgenutzt. Nur bei Minusgraden ist Vorsicht geboten – nicht, dass noch die Milch einfriert. Svea Eßer Für Bedürftige ein sehr harter Winter Winter sind für Obdachlose immer schlimm – aber seit Menschengedenken ist kein Winter so furchtbar für sie gewesen wie dieser. Die Corona-Pandemie ist daran schuld: Die Geschäftsleute und Restaurantbesitzer, die es gut mit ihnen meinen und ihnen sonst immer mal was zustecken, befinden sich im Lockdown, sind nicht da. Und ohne deren Hilfe ist es doppelt so schwer zu überleben. Viele von uns, die achtlos oder – noch schlimmer – gar voller Verachtung an Obdachlosen vorübergehen, sollten an eins denken: Auf der Straße zu landen, kann jedem passieren, das geht schneller, als Sie glauben. Olaf Wunder Das Hamburger Cabrio-Feeling Sie war schon wieder fällig, die Autoinspektion. In aller Frühe stehe ich vor der Werkstatt, warte ungeduldig aufs Ersatzauto. Eigentlich egal welches, Hauptsache eines mit vier Rädern, Lenker - na gut, Bremsen und Dach wohl auch noch... denn ich muss schnell in die Redaktion! Plötzlich steht er da, der krasse Cabrio-PS-Bolide. Heute muss wohl mein Glückstag sein, denke ich mir. Doch kaum schaue ich gen Himmel, trifft mich eine dicke Schneeflocke mitten im Gesicht... Verdeck zu und los! So fühlt sich also das Hamburger Cabrio-Feeling an. Ivan De Vincenzi Helga ist der schönste Hund der Welt Unverschämtheit, was Kollegin Sandra Schäfer da gestern gesagt hat! Erst fragte sie mich: Na, wie geht’s denn Helga? Und ohne eine Antwort abzuwarten, murmelte sie dann was von: „Wie ich die faulen Möpse kenne, möchte sie bei diesem Sauwetter bestimmt nicht vor die Tür.“ Empörend! Helga ist ein sogenannter Retro- oder Sportmops. sie hat kein Ringelschwänzchen, sondern einen richtigen Schwanz. Sie hat lange Beine, eine schlanken Körper, ist total agil und sportlich, sozusagen die Miniatur-Ausgabe eines Windhundes. Und abgesehen davon ist Helga der schönste Hund der Welt. So. Olaf Wunder Mensch, ärgere dich nicht! Ein ganz entspannter Abend im engsten Familienkreis, gutes Essen, die kleine Tochter schläft dank Böllerverbot durch – so hatte ich mir das Corona-Silvester ausgemalt. Doch ich wohne nicht in Hamburg, sondern im sonst so extrem ruhigen Norderstedt. Und da durfte man am 31. Dezember wie eh und je böllern, was das Zeug hielt. Die Kleine wurde wach, das Tiramisu war zu trocken, und als wäre das noch nicht genug, wurden wir Eltern noch zu einem nicht enden wollenden Brettspiel überredet, dessen Name perfekt zu diesem Abend passte: „Mensch, ärgere dich nicht!“ Till Stoppenhagen Foltern? Nein! Nicht mal ausnahmsweise Der Schirach-Zweiteiler in der ARD vom Sonntag hat viele zum Nachdenken gebracht: Dürfen Polizisten foltern, wenigstens unter bestimmten Umständen? Gestern habe ich an dieser Stelle die Frage an die Leser weitergegeben. Es gab einige wirklich erschreckende Mails seitdem. Tenor: „Polizisten dürfen nicht nur foltern, sie müssen! Die Straftäter in Deutschland werden doch nur noch mit Samthandschuhen angefasst!“ Unfassbar. Die allermeisten – und das beruhigt mich – teilen dagegen meine Position: Bei allem Verständnis für die Notlage und bei noch mehr Verständnis für die Not der Angehörigen (etwa von Entführungsopfern) gilt: Foltern? Unter gar keinen Umständen. Olaf Wunder Darf ein Polizist foltern, um Leben zu retten? Es gibt Filme, die gefallen mir gut, aber spätestens am übernächsten Tag kann ich mich kaum mehr erinnern. Beim Schirach-TV-Zweiteiler am Sonntag ist das definitiv anders. Es ging um die Frage: Darf ein Polizist einen Verdächtigen foltern, wenn er die Chance sieht, dadurch das Leben eines Entführungsopfers zu retten? Während der Sendung ging es in meiner WhatsApp-„Tatort“-Gruppe (die Sendung lief auf dem „Tatort“-Sendeplatz) richtig rund. Schwer diskutiert haben wir. Danach habe ich die ganze Nacht gegrübelt. Folter – ja oder nein? Wie ist Ihre Haltung dazu? Schreiben Sie mir! Olaf Wunder olaf.wunder@mopo.de Meine Nichte, eine künftige Agentin? Ich glaube, meine kleine Nichte wird mal Geheimagentin. Ein weiblicher James Bond. Tätig in Aufklärungsmissionen. Zumindest deuteten ihre neuesten Gehversuche darauf hin – zunächst: Ich halte sie an ihren Patschehändchen – und sie scheint sich jeden Schritt genau zu überlegen, tapst vorsichtig Schritt für Schritt vorwärts, rückwärts, hält inne … als müsste sie unentdeckt an einem Abgrund entlang balancieren. Doch plötzlich schnellere Schritte. Chaos. Lachen ... Na ja, vielleicht wird sie auch nur Ausdruckstänzerin. Daniel Gözübüyük Böllerverbot auch nach Corona beibehalten Kaum ein Viertel, in dem in der Silvesternacht nicht Raketen gestartet wurden. Es gibt Zeitgenossen, bei denen der Regelverstoß die einzige Regel ist, an die sie sich halten. Immerhin: Eine ruhigere Silvesternacht hat es lange nicht gegeben. Und ich hoffe, nach Corona geht es so weiter. Vielleicht hat ja die Pandemie wenigstens ein Gutes: Dass wir diese Knallerei, die die Umwelt schädigt, Tiere erschreckt und Menschen verletzt, dauerhaft verbieten – und sie ersetzen durch ein professionelles Feuerwerk in jeder Stadt. Das ist für alle besser und außerdem sehr viel schöner anzusehen. Olaf Wunder Schwierig, aber darf ich Corona danken? Das Coronavirus hatte mir, als Sportreporter, im Frühjahr von jetzt auf gleich alle Aufträge gekippt. Keine EM, kein Olympia. So kam ich per Zufall zur MOPO. Und bin bis jetzt geblieben. In meinen schon fast 20 Berufsjahren habe ich einige Redaktionen erlebt. Aber diese bunt gemischte „Bande“ in Hamburg-Ottensen macht richtig Spaß. Klar, auch hier gibt es ab und an Reibung, aber das gehört zur Entwicklung dazu. Ich fühle mich pudelwohl und müsste Corona eigentlich danken. Aber das tue ich nicht. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen für ein erstes tolles (halbes) Jahr bei der MOPO. Michael Reis Diese Sprüche will niemand mehr hören Nein, witzig sind sie nicht. Aber trotzdem geistern sie durch jedes Büro. Diese gar nicht lustigen Sprüche will niemand mehr hören: 1. Zum Bleistift. 2. Schlepptop. 3. Das ist ja Wunderbärchen. 4. Bin voll im Stretch. 5. In diesem Sinne: Ab in die Rinne. 6. Alles roger in Kambodscha? 7. Das Leben ist kein Ponyhof. 8. Da steckt man nicht drin. 9. Satz mit x, das war wohl nix. 10. Erst schwach anfangen, dann stark nachlassen. 11. Du hier und nicht in Hollywood? 12. Ich bin ganz meiner Meinung. 13. Alles klärchen? 14. Das kann ja Eiter werden. 15. Herzlichen Glühstrumpf. 16. Schankedön – Schittebön. Simone Pauls Ein Lächeln entschädigt für alles Es gibt Tage, an denen läuft’s nicht so. Ich fuhr im Dienstwagen zu einem Termin. Verkehrskontrolle auf der Reeperbahn: Es stellte sich heraus, dass weder Warndreieck noch Fahrzeugschein in meinem Wagen lagen. Nach der Ermahnung, beides so bald wie möglich auf einer Polizeiwache vorzulegen, durfte ich weiterfahren. Später am Tag machte ich mich mit Schein und Dreieck auf den Weg zur Davidwache, immer noch genervt. Doch eine überaus freundliche Polizistin sorgte dafür, dass sich meine Laune schnell besserte. Es gibt Tage, an denen ein Lächeln für alles entschädigt. Patrick Sun Beschwingte Weihnachtszeit Die Musik dröhnte aus den Lautsprechern, der Bass ließ den Sitz vibrieren. Party in Corona-Zeiten? Ja! Nur nicht im Club, sondern in der S-Bahn. Es war spät, alle Fahrgäste wollten ihre Ruhe haben. Alle bis auf einen: Der Mann im Vierer vor mir fand die Stimmung im Waggon anscheinend viel zu trist. Er schloss sein Handy an, schob den Lautstärke-Regler hoch, tanzte und sang. Alle sollten mitmachen. Alle ignorierten ihn. Doch als ich anschließend die Straße entlang schlenderte, ertappte ich mich beim Summen des letzten Songs. Seine gute Laune war trotz allem ansteckend. Viola Dengler Sieben neue und ein uralter Satz Sieben Sätze, die man an all den normalen Weihnachtsfesten nicht gesagt hat: 1. Nein, Schatz, der Weihnachtsmann gehört nicht zur Risikogruppe. Der ist magisch. 2. Oh, neue Masken, danke! Selbst genäht? 3. Das sind die Gurken, die ich im ersten Lockdown eingelegt habe. Langt zu! 4. Räum mal das Homeoffice weg, da kommt der Baum hin. 5. Wie ist denn der Inzidenzwert bei euch? 6. Über 200? Mein lieber Schwan. 7. Boah, ich vermiss die bucklige Verwandtschaft. Und ein uralter Satz, der für immer bleibt: Frohe Weihnachten allerseits. Stephanie Lamprecht Der erste Spaziergang zurück in Freiheit Wenn ich im Moment auf eine Sache so gar keine Lust hätte, dann ist es häusliche Quarantäne. Dementsprechend leid tat mir mein bewegungssüchtiger Bruder (9), als ihn als Corona-Erstkontakt diese Maßnahme erwischte. Ich war überrascht, wie geduldig er es hinnahm. Richtig süß wurde es, als er zum ersten Mal das Grundstück wieder verlassen durfte. Plötzlich war jedes Haus und jede Pflanze im Park interessant und er freute sich über Schneebeeren, die er auf dem Boden knallen ließ. Dieser Spaziergang erinnerte mich daran, dass ich die kleinen Dinge im Leben viel mehr wertschätzen sollte. Pauline Reibe Kampf dem Brillen-Beschlagen! Seit es Corona gibt, ärgere ich mich mit beschlagenen Brillen beim Maske-Tragen herum. Meine ersten Masken waren vom Schneider, dann kaufte ich den Fünfer-Pack einer Hemdenmarke bei Budni. Schließlich landete ich bei Schlauchschals. Gegen Beschlag probierte ich Sprays und Tücher. Ohne Erfolg. Die Masken schlossen am Gesicht nicht dicht genug ab. Jetzt hat mir mein Apotheker eine dreilagige, antivirale Maske verkauft. Die hat einen Nasenbügel, liegt eng an. Problem gelöst! Kleiner Nachteil: Das Ding kostet 20 Euro. Aber das ist mir meine Gesundheit wert. Thomas Hirschbiegel Wenn Eltern mal die Sau rauslassen Am Karussell auf dem Spielplatz ist richtig was los, zwei kichernde Besucher haben mächtig Spaß. „Mehr Anschwung!“, johlt sie. Und er rennt und schiebt, so schnell er kann – und prustet dabei vor Lachen. „Ich will jetzt aber auch!“, ruft er. Nun sitzt er, sie schiebt. „Mir wird ganz schlecht. Aufhören!“, brüllt er. Sie stoppt ihn abrupt – und er plumpst raus. Beide lachen Tränen. Neben dem Karussell stehen zwei verwirrt aussehende Knirpse – ihre Kinder. Was ist denn mit Mama und Papa los? Ja, ihr Kleinen, so sieht es aus, wenn Erwachsene auf dem Spielplatz mal die Sau rauslassen. Simone Pauls Wenn die Deutsche Bahn zu früh kommt Eigentlich wird der Deutschen Bahn ja nachgesagt, sie würde eher zu spät als zu früh kommen. Mir wäre das diesmal lieber gewesen. Meine heutige Fahrt mit dem ICE habe ich vor etwa fünf Wochen gebucht und gestern rein gefühlsmäßig noch mal überprüft. Dabei stellte ich überrascht fest: Die Abfahrt in Hamburg wurde um eine Stunde vorverlegt. Informiert hat man mich darüber nicht. „Die Verbindung hat sich ja nicht geändert“, hieß es, als ich nachfragte. Nur hätte ich den Tag beinahe im Bahnhof verbracht. Ohne mein Bauchgefühl wäre ich vier Stunden später abgefahren. Robin Meyer Missverständnis zu Weihnachten „Ach“, sagte meine Schwiegermutter vor Jahren zu ihrer Großtante, „zu Weihnachten hätte ich gern einen Schaukelstuhl.“ Am Heiligen Abend stand ein seltsam geformtes Paket unter dem Weihnachtsbaum. Ein Stuhl? Nie und nimmer! Beim Auspacken kam ein Schaukelpferd zutage. Die Verwunderung war größer als die Freude – die schwerhörige Tante hatte nicht richtig verstanden. Jahrelang stand das Pferdchen im Keller und fand jetzt einen Käufer bei Ebay. Vermutlich freut sich bald ein Kind darüber – und die Schwiegermutter bekommt endlich ihren Schaukelstuhl. Anke Geffers Was sind Ihre guten Vorsätze für 2021? Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Und darüber wird kaum einer traurig sein. Es kann ja nur besser werden im nächsten Jahr. Mich hat diese Statistik begeistert: Demnach nimmt sich jeder Fünfte vor, etwas in seinem Leben zu ändern. Mehr Sport treiben (50 Prozent), sich gesünder ernähren (47 Prozent) oder abnehmen (46 Prozent) beispielsweise. Immerhin 23 Prozent schaffen das dann auch wirklich. Und Sie? Was sind Ihre guten Vorsätze für 2021? Schreiben Sie mir doch einfach mal – und vielleicht schicken Sie auch ein schönes Foto von sich mit. Olaf Wunder olaf.wunder@mopo.de Zuwachs in meiner Patchwork-Familie Durchs Homeoffice verbringe ich mehr Zeit zu Hause und kann meine Zöglinge wachsen sehen. Um einige von ihnen kümmere ich mich, seit sie sich in dieser Welt verwurzelt haben und sich dem Licht der Sonne entgegenstrecken. Erst letzten Monat bekamen wir Familienzuwachs: Meiner kleinen Familie gehört jetzt neben drei Grünlilien, einem Schiefblatt und zwei Arten von Brutblättern auch ein Avocado-Spross an. Zuerst hatte es den Anschein, als sei er etwas schüchtern, doch mittlerweile streckt er sich schon sechs Zentimeter weit aus der Erde! Tikva Schmidt Gottes Segen für meine hässlichen Pullis Lustige Bärchen im Weihnachtsmann-Kostüm, verrückte Elche die „HoHoHo“ rufen oder grüne Trabis, die einen Tannenbaum geladen haben. Ich liebe diese Motive und trage in der Vorweihnachtszeit nur „Hässliche Weihnachtspullis”. Nun hatte ich Termine in Hauptkirchen, war unsicher, wie die Pröpstinnen und Hauptpastoren die Klamotten finden. Die fanden die aber total knorke und wünschten mir und der MOPO Gottes Segen. Da bin ich doch gleich mal zu Karstadt – und hab mir die neue Kollektion dieser geschmackvollen Pullis gekauft. Thomas Hirschbiegel Selbst ausgetrickst – und zwar spazierend Homeoffice ist eine der notwendigen Maßnahmen, um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu senken. Anstrengend ist aber manchmal trotzdem, keinerlei Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben zu haben – besonders wenn weder Wohnzimmer noch Bürozimmer zur Verfügung stehen. Eine Freundin riet mir, meinen Arbeitsweg zu simulieren, indem ich vor der Schicht und danach immer einmal um den Block laufe. Gesagt, getan – und es hilft tatsächlich! Sollten Sie mich also mit Rucksack durch die Straßen wandern sehen: Ich habe es eilig! Ich muss zur Arbeit! Annalena Barnickel Corona? Für Kinder gibt es Schlimmeres Als Vater bricht es einem das Herz, die Kinder traurig zu sehen. Seit Wochen war der Große nachdenklicher als sonst. Doch es waren nicht Corona-Maßnahmen an der Schule, die in den Pausen kaum Spielraum zum klassenübergreifenden Toben lassen. Auch nicht die verschlossenen Tore der Sportanlage an der Brucknerstraße, die das geliebte Fußballspielen unmöglich machen. Und schon gar nicht die täglich steigenden Infektionszahlen. Es ist viel schlimmer: Nach über vier Jahren inniger „Männerfreundschaft“ seit der Vorschule zieht der beste Freund nun nach Hannover. Michael Reis Faltstern-Shoppen und Adventsgeknusper Ist ja im Moment alles anders. Und wie immer hätte ich gerne genau das, was es nicht gibt. Jahrelang bin ich auf Weihnachtsmärkten achtlos an den Ständen mit den großen, leuchtenden Papiersternen vorbeigeschlendert, weil: Ich hatte ja einen, und mehr braucht kein Mensch. Dachte ich. Bis Faltstern-Shoppen samt Glühweinumtrunk plötzlich zu einem fernen Traum wurde. Jetzt will ich plötzlich viele Sterne. Hm. Tröstlich, wenn anderes gleich bleibt. Mamas Kekse schmecken wie in der Kindheit. Auch, wenn die Dose voll Adventsgeknusper diesmal per Post kam. Stephanie Lamprecht Weihnachtsgeschenke in Flammen Glänzende Kinderaugen beim Geschenkeauspacken? Mütter, die vor Glück über die gelungenen Gaben strahlen? Schön wär’s. Oft ist das Gegenteil der Fall. Bei uns macht seit Jahren die Geschichte eines Freundes die Runde. „Schenkt mir alles, nur keine Krawatten“, hatte er sich gewünscht. Was bekam er von seiner Schwiegermutter? Eine Krawatte. Und weil der Ofen neben dem Weihnachtsbaum gerade so schön brannte und die Schwiegermutter so zufrieden danebensaß (das Verhältnis war ohnehin nicht das beste), warf er die Krawatte direkt nach dem Auspacken ins Feuer. Fröhliche Weihnachten! Anke Geffers Hilfe, Hilfe! Unsere Mikrowelle ist kaputt Ich komme mit dem Essen in die Teeküche und steuere auf die Mikrowelle zu. „Die ist kaputt. Das Essen wird und wird nicht warm“, rufen mir zwei Kolleginnen zu. Traurig sitzen sie vor ihren kalten Suppen. Och nee, ich hab doch solchen Hunger! Was ist denn bloß los mit dem Ding? Ich werfe den Blick einer Techniksuperheldin drauf. Ha! Problem gelöst. Der Temperaturregler steht auf kleinster Stufe – ein Atemhauch ist wärmer. Die Kolleginnen hüsteln verlegen, kurz danach können sie doch noch eine heiße Suppe löffeln. Und ich kann die gute Tat des Tages als erledigt abhaken. Simone Pauls Sorry, lieber Paketbote, alles richtig gemacht Im Homeoffice brauchte das Heimnetzwerk ein Upgrade mit einem zuverlässigeren Router. Ausgesucht, bestellt. Per E-Mail wurde ich über die Auslieferung informiert. Aber wie das? Ich war zu Hause, doch kein Klingeln, keine Benachrichtigung im Briefkasten, kein Bote weit und breit. Also Hilfe-Chat des Händlers aufgerufen und Frust abgelassen. Die verständnisvollen Worte des Mitarbeiters halfen mir nicht. Während des Schriftwechsels klopfte es an der Tür. Die Nachbarin war’s mit dem vermissten Paket. „Hallo Michi, ich wollte den Paketboten entlasten, der hatte so viele Lieferungen.“ Michael Reis Wir erleben hier gerade Geschichte 2020 ist ein Jahr, das die meisten gerne aus ihrem Gedächtnis streichen würden. Und gerade deshalb wird es ihnen nicht gelingen. Zu tief der Eindruck, den die Einschränkungen unserer bürgerlichen Freiheiten hinterlassen haben. Was mich angeht, versuche ich die Dinge positiv zu sehen. Bald ist der Impfstoff da – dann zeigen wir diesem hundsgemeinen Virus den Stinkefinger. Was mich außerdem tröstet: Eines Tages wird das Corona-Jahr 2020 im Geschichtsbuch stehen – und wir können von uns behaupten, dabei gewesen zu sein, hautnah, als Zeitzeugen sozusagen. Olaf Wunder Der Club der Mittags-Spaziergänger Das Schöne am Homeoffice ist ja, dass man sein Viertel ganz neu kennenlernt. Normalerweise würde ich in der Mittagspause mit den Kolleginnen zusammenhocken und über Essen („Ui, das sieht aber gut aus!“) oder das anstehende Wochenende ( „Und? Was vor?“) plaudern. Stattdessen spazier ich durchs Quartier, und gucke Leuten in die Fenster. Hab Sackgassen entdeckt, die ich noch gar nicht kannte, und stellte irgendwann fest, dass ich als einzige Person auf den Fußwegen keinen Hund an der Leine hatte. Tja. Der örtliche Club der Mittagsspaziergänger hat ein neues Mitglied. Stephanie Lamprecht Danke, Mama, du bist großartig Ich habe ein Paket bekommen. Ein ganz dickes. Schon an der Schrift auf dem Paketschein habe ich erkannt, wer es geschickt hat. Und da Dezember ist, weiß ich auch ganz genau, was drin ist: selbstgemachte Pralinen, selbst gebackene Plätzchen – vor allem die mit dem Schoko-Überzug, die ich so liebe. Der Höhepunkt: der Christstollen. Es gibt keinen besseren als den von meiner Mutter, die es sich trotz ihrer 90 Jahre nicht nehmen lässt, jedes Jahr 25 Stück dieser Köstlichkeit zu backen – für alle Freunde und Verwandte. Danke, Mama, du bist großartig. Jetzt kann Weihnachten kommen. Olaf Wunder Ein Konzert, das Hoffnung macht Live-Events wie vor der Pandemie, mit dicht gedrängten jubelnden Menschen ohne Masken: Das wird es wohl mindestens bis zum Herbst 2021 nicht geben (siehe Artikel auf S. 8). Wie bitter das Leben für Konzertgänger derzeit ist, macht das neue Live-Album samt Film von Songwriter Nick Cave schmerzhaft deutlich: ein Mensch, allein am Flügel in einer riesigen leeren Halle. Großartige neue Versionen seiner Songs. Dazwischen: gespenstische Stille. Und doch macht dieses Dokument der Einsamkeit Hoffnung: wie man trotz allem weitermachen – und daraus etwas Großartiges schaffen kann. Till Stoppenhagen Meine unverhoffte Karriere als Bleifuß Autofahren? Mag ich nicht. Als Stadtkind fahre ich Rad und wenn ich doch ins Auto steige, gurke ich defensiv durch die Straßen. Weil alles andere gefährlicher Quatsch wäre. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht weiter überraschend, dass sich meine Verstöße in den vergangenen Jahren an einer Hand abzählen lassen. Umso erstaunter bin ich, als ein Strafzettel eintrudelt. Zu schnell gefahren! In Frankreich! Als ich noch immer baff bin, sehe ich es: Ich war mit 131 auf der Autobahn unterwegs. Erlaubt waren 130. Vielleicht doch der Beginn einer Karriere als Bleifuß? So oder so: kostet 45 Euro. Ja, echt. Geli Tangermann Diese Winzerin hat eine echte Spürnase Neulich klingelte daheim mein Telefon. Eine nette Dame vom Weingut Franz-Josef Eifel in Trittenheim fragte, ob ich bei ihnen zufällig eine Kiste Riesling Spätlese bestellt habe. Ich bejahte und sie lachte und freute sich diebisch. Ich Trottel hatte nämlich auf der Postkarte Name und Adresse vergessen. Doch da ich bei dem Mosel-Winzer schon öfter bestellt hatte, hat mich die plietsche Winzerin doch tatsächlich an meiner krakeligen Schrift erkannt! Fast wie eine Schrift-Sachverständige der Kripo. Erstaunlich, was es doch für verborgene Talente an der schönen Mosel gibt ... Thomas Hirschbiegel Kleiner Snack für die Eichhörnchen Da momentan Blaumeise, Rotkehlchen und manchmal sogar ein Eichelhäher ständig auf meinem Balkon nach Futter suchen und dabei in meine Bank hacken, habe ich beschlossen eine Futterstelle aufzubauen. Jetzt steht auf besagter Bank ein schlichtes Holzhäuschen mit Sonnenblumenkernen bestückt. Anstatt der Vögel genießen allerdings eher die Eichhörnchen den neuen Snack. Genüsslich setzen sie sich auf die Hinterbeine, beobachten mich beim Arbeiten und knabbern die Kerne. Die kleinen schwarzen Hüllen lassen sie natürlich einfach fallen – die darf ich dann wegfegen. Sina Riebe Trotz Corona: „Good vibes“ in der Schule Maskenpflicht, Hybridunterricht, Luftfilter: Im Elternforum der Schule meiner Söhne wird teilweise kontrovers diskutiert. Viele Mamas und Papas kennen sich. Und dennoch kann es auch mal ziemlich heiß hergehen. Nur gut, dass am Ende immer die Besonnenheit und Netiquette gewinnt. Besser noch. Daraus ist ein ganz eigener Bereich entstanden: „Good vibes“ („Gute Stimmung“). Dort schreiben Eltern darüber, warum unsere Schule in und trotz der Corona-Pandemie ein Glücksfall ist – weil unsere Kinder immer noch mit einem Lachen morgens gehen und mittags wiederkommen. Michael Reis Strandspaziergang und Krabbenbrötchen Wie starten Sie in den Tag? Ich fast immer mit einem Besuch am Strand von Bassenfleth im Alten Land – für mich einer der schönsten Orte bei uns im Norden. Und wenn ich mal auf Strand keine Lust habe, spaziere ich über den Lühedeich zum Lüheanleger in Grünendeich. Morgens Körper und Geist durchpusten zu lassen, das tut mir gut, das muss sein. Dann noch frühstücken – frische Brötchen von Bäcker Pfeiffer in Steinkirchen und...Lesen Sie den ganzen Artikel bei mopo