Monatelang unentdeckt: Kryptobörse überweist nicht 100, sondern 10,5 Millionen

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Überweisungsfehler: Eine Kryptobörse hat einer Nutzerin versehentlich über 10 Millionen australische Dollar gutgeschrieben. Die hat von einem Teil des Geldes eine Wohnung für ihre Schwester gekauft.

Die Nutzerin einer Kryptobörse fand sich am Ende eines Überweisungsfehlers
Die Nutzerin einer Kryptobörse profitierte von einem Überweisungsfehler: Ihr wurden nicht 100 australische Dollar gutgeschrieben, sondern über 10 Millionen. Foto: Symbolbild / gettyimages

Unverhoffter Geldregen: Eine Kryptobörse hat einer Nutzerin anstatt 100 australische Dollar fälschlicherweise 10,5 Millionen australische Dollar auf ihr Konto überwiesen.

Die hat den Fehler nicht nur nicht gemeldet, sondern mit einem Teil des Geldes eine Wohnung für ihre Schwester gekauft. Rund sieben Monate später fiel der Plattform allerdings doch noch der Irrtum auf. Jetzt wird der Fall vor Gericht verhandelt.

Vorfall ereignete sich schon 2021

Auf der Kryptobörse crypto.com können Nutzer*innen, das sind laut der Webseite rund 50 Millionen aus 90 Ländern, mit über 250 Kryptowährungen wie Bitcoin handeln.

Dass sich bei den vielen Zahlungsabwicklungen zwischen konventionellem und Krypto-Geld Fehler einschleichen können, zeigt jetzt der Fall einer Australierin. Der stand laut der australischen Nachrichtenseite 7News eine Rückerstattung durch crypto.com zu – in Höhe von 100 australischen Dollar (rund 68 Euro).

Doch beim Ausfüllen der Überweisung hat sich ein Fehler eingeschlichen. Offenbar hat ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin versehentlich die Kontonummer in die Zeile des Betrags eingegeben. Ergebnis: Statt der 100 wurden 10,5 Millionen australische Dollar (etwa 7,1 Millionen Euro) überwiesen. Der Vorfall ereignete sich bereits Mitte 2021.

Millionen-Wohnung gekauft

Die Begünstigte meldete den Irrtum nicht und auch bei der Kryptobörse wurde er sieben Monate lang nicht bemerkt. Bis zum Dezember vergangenen Jahres. Prompt reichte crypto.com gegen ihre Nutzerin Klage ein. Nur: Die Frau hatte bereits das gesamte Geld auf ein anderes Konto überwiesen und einen Teil davon ausgegeben.

Und zwar für ihre Schwester, der sie eine Fünfzimmerwohnung im Wert von rund 1,35 Millionen Dollar gekauft hat. Die Wohnung soll nach einem Gerichtsurteil des Obersten Gerichts im australischen Bundesstaat Victoria nun wieder verkauft werden, um das Geld zurückzuzahlen. Noch ist der Fall aber nicht abgeschlossen. Im Oktober wird weiterverhandelt.

Wer muss was melden?

7News hat zu dem Fall einen Anwalt befragt. Der sagt: "Wenn Sie so viel Geld auf Ihrem Konto entdecken, wissen Sie zweifelsfrei, dass es nicht Ihnen gehört. Es ist daher Ihre Pflicht, die Eigentümer anzurufen und den Fehler zu melden."

Anders heißt es auf Zahlungsverkehrsfragen.de: "Bei einer solchen Fehlbuchung hat der irrtümlich bedachte Kontoinhaber nicht die Verpflichtung, die Bank davon zu informieren, es ist das Problem der Bank respektive der Person, welche die Zahlung veranlasst hat und möglicherweise durch die Angabe einer falschen Kontonummer die Fehlbuchung verursachte."

Das bedeutet aber nicht, dass das Geld auch ausgegeben werden darf, wie es die Australierin getan hat: "Der Kontoinhaber darf das Geld durchaus behalten, wenn sich niemand meldet. Er darf den Betrag jedoch weder ausgeben noch auf ein anderes Konto umbuchen, da er sich in diesem Fall der unrechtmäßigen Bereicherung schuldig machen würde."

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