Moscovici kritisiert britische Pläne für Steuersenkung

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici hat Pläne der britischen Regierung für eine drastische Unternehmenssteuersenkung nach dem Brexit-Votum kritisiert. Der Vorstoß des britischen Finanzministers George Osborne sei "keine gute Initiative", sagte der französische Kommissar am Dienstag im Sender Radio Classique. Er warnte vor "übersteigertem Steuerwettbewerb oder Steuerdumping".

Osborne hatte angekündigt, die Körperschaftsteuer auf unter 15 Prozent senken zu wollen. Die britische Regierung will damit nach dem Brexit-Votum Unternehmen im Land halten.

Moscovici warnte, ein so niedriger Satz würde zu großen Steuerausfällen für Großbritannien führen - und das zu einer Zeit, zu der das Haushaltsdefizit des Landes ohnehin "viel zu hoch" sei. Der Wirtschaftskommissar äußerte zugleich Zweifel daran, dass Osbornes Pläne umgesetzt werden: Wenn die britischen Konservativen einen neuen Parteichef hätten, werde nicht mehr Osborne "den nächsten britischen Haushalt vorbereiten".

Die Briten hatten bei dem Referendum am 23. Juni mit knapper Mehrheit für einen Austritt ihres Landes aus der EU gestimmt. Das Votum stürzte die EU und Großbritannien selbst in eine schwere Krise.