Mückenplage in Deutschland: Wie schlimm ist es – und was kannst du tun?

Larissa Kellerer
Freie Autorin

Blutsauger-Offensive in Deutschland: Am Ammersee in Bayern vermiesen unzählige Stechmücken den Anwohnern, Touristen und Gastronomen den Sommer. Auch entlang des Rheins droht eine Plage. Wir klären Mücken-Mythen und beantworten, was gegen das lästige Jucken hilft und dank welcher Tipps erst gar kein Stich zustande kommt.

Ein Mückenspray solltest du gerade immer griffbereit haben. (Bild: Getty Images)

Mücken, Schnacken, Moskito, Stanzen, Schneider, Gelsen - es gibt viele Namen für das surrende Insekt, das weit über dreitausend Arten umfasst und zu den Zweiflüglern gezählt wird. Und sie können durchaus nützlich sein, die kleinen Biester. So dienen sie etwa Vögeln, Fröschen und Spinnen als Nahrung.

Warum gibt es dieses Jahr so viele Mücken?

Mücken lieben es feucht und warm. Die jüngsten Temperaturen in Deutschland waren also optimal für die Insekten. Auch die häufigen Regenfälle, die in Seen und Flüssen teilweise zu Überschwemmungen geführt haben, haben zur zahlreichen Vermehrung der Mücken beigetragen. Denn: Die Mücken legen ihre Eier nicht im Wasser, sondern in an Seen und Teichen angrenzenden Wiesen ab. Bis zu zehn Jahre können sie dort überleben und auf das nächste Hochwasser warten. "Das betrifft den Rhein, die Donau, vor allem aber auch den Ammersee, Chiemsee und die bayerischen Seen", erklärt Martin Geier, Vorstand bei Biogents, gegenüber der "Tagesschau".

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Durch Hochwasser und Überschwemmungen käme es alle paar Jahre zu einem Massenschlüpfen der Stechmücken. "Manchmal erreicht das dramatische Ausmaße." Die gute Nachricht: Die aktuelle Mückenplage wird bald schon wieder vorbei sein. Denn Stechmücken haben eine maximale Lebenserwartung von zwei Monaten.

Dass es nach einem harten Winter weniger Mücken gibt, ist übrigens ein Irrglaube. Die Tierchen können nämlich dank einem körpereigenen Frostschutzmittel im Blut überleben und die kalte Jahreszeit einfach im Tiefschlaf an sich vorbeiziehen lassen.

Ein harter Winter kann Mücken nichts anhaben. (Bild: Getty Images)

5 weitere Mücken-Mythen im Fakten-Check

1. Mücken werden von Licht angezogen

Falsch! Viele Insekten orientieren sich am Licht, Mücken allerdings nicht. Sie werden vielmehr vom Geruch der Haut und über das ausgeatmete Kohlendioxid (CO2) angelockt.

2. Mücken stechen am liebsten Leute mit „süßem Blut“

Falsch! Nicht das Blut ist entscheidend, sondern – wie oben erwähnt – der Körpergeruch. Allerdings verändert sich dieser je nach Zusammensetzung des Blutes.

3. Wer Alkohol trinkt, wird öfter gestochen

Richtig! Der Grund: Bier, Wein und Co. weiten die Blutbahn. Das sorgt für mehr Schweiß und folglich für einen „attraktiven“ Geruch.

4. Mücken trinken unser Blut

Falsch! Mücken saugen das Blut zwar aus, aber nur, um mit dem darin befindlichen Eiweiß ihre Eier zu produzieren. Deswegen stechen auch nur die weiblichen Mücken. Mücken ernähren sich von Blütennektar und zuckerhaltigen Blüten- oder Fruchtsäften.

5. Zitronenkerzen, Lavendel und Knoblauch sind gute Anti-Mücken-Mittel

Falsch! Leider hat keiner dieser Düfte einen erwiesenen Effekt in Sachen Mückenschutz. Ebenso unwirksam ist übrigens der Rauch eines Lagerfeuers. Und schlechte Nachricht an alle Raucher: Der Qualm von Zigaretten hilft ebenfalls nicht.

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Lange Kleidung, Spray und Fliegengitter helfen, sich vor Mückenstichen zu schützen. (Bild: Getty Images)

Tipps gegen Mücken: Drinnen und Draußen

Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut - sogenannte Repellentien - und die richtige Kleidung sind die effektivsten Mittel, um sich im Freien gegen Mücken zu schützen. Repellentien sorgen dafür, dass Mücken den Körpergeruch nicht mehr wahrnehmen und sich folglich fernhalten. Am besten untersucht ist der Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid), der auch in tropischen Gebieten ausreichend Schutz bietet. Fernab der Mückenplagen reicht hierzulande meist schon der Wirkstoff Icaridin aus.

Es bietet sich an, den Mücken von vornherein möglichst wenig Angriffsfläche für Stiche zu bieten. In der Fachsprache wird dieses Vorgehen mit dem schönen Wort „Expositionsprophylaxe“ beschrieben. Bedeutet: Du solltest möglichst lange und lockere Kleidung anziehen und am besten helle Farben wählen, da Mücken sich am liebsten auf dunklen Flächen niederlassen.

Zudem sollten im Garten und auf dem Balkon Wasseransammlungen entfernt oder wenigstens regelmäßig ausgewechselt werden, denn sie dienen den kleinen Insekten als Brutstätte. Fliegengitter an Fenster und Türen helfen dabei, die Mücken aus den Wohnungen und Häusern fernzuhalten. Teure Ultraschallgeräte dagegen sind mehreren Studien zufolge wirkungslos.

Was passiert eigentlich bei einem Mückenstich?

Bei einem Mückenstich injizieren die Insekten ein Sekret in die Haut, um die Gerinnung des Blutes zu verhindern. Dieses Sekret löst beim Menschen die Ausschüttung von körpereigenem Histamin aus, so entsteht eine Art allergische Reaktion, die in der Regel mit Juckreiz verbunden ist.

Und was hilft gegen das Jucken der Stiche?

Zunächst kann die betroffene Stelle mit kaltem Wasser oder einer Kühlkompresse versorgt werden. Spezielle Salben und Gele aus der Apotheke lindern den Juckreiz. Doch es gibt auch Hausmittel und der älteste Trick ist sogar kostenlos: Den Stich mit der eigenen Spucke behandeln. Das kühlt und die darin enthaltenen Enzyme wirken desinfizierend.

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Ebenfalls wirksam gegen Juckreiz, Schwellungen und Entzündungen ist eine halbe Zwiebel, die mit der Schnittstelle auf den Mückenstich gedrückt wird. Der Saft der Zwiebel wirkt entzündungshemmend und desinfizierend. Auch eine Zwiebelscheibe eignet sich, ebenso wie Apfelessig oder Quark. Darüber hinaus hat sich die Mückenstichbehandlung mit Hitze bewährt, beispielsweise mit einem elektronischen Mückenstich-Stift, einer heißen Münze oder einem heißen Löffel. Wichtig ist es, die betroffen Stelle nicht zu kratzen, weil dadurch Krankheitserreger in den Körper gelangen und sich der Stich der Mücke entzünden kann.