"Die Musik wird bleiben": Zum Tod von Musikmanager Hans R. Beierlein

Die Stars aus Volksmusik und Unterhaltungsfernsehen waren  mit ihm alle auf Du und Du: Hans R. Beierlein, der große Entdecker und Förderer der Unterhaltungsbranche, ist tot. Er wurde 93 Jahre alt. (Bild: Armin Brosch / co Objectiv Photographen)
Die Stars aus Volksmusik und Unterhaltungsfernsehen waren mit ihm alle auf Du und Du: Hans R. Beierlein, der große Entdecker und Förderer der Unterhaltungsbranche, ist tot. Er wurde 93 Jahre alt. (Bild: Armin Brosch / co Objectiv Photographen)

Der Musikmanager Hans R. Beierlein ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

"Die Unterhaltung", sagte Hans R. Beierlein einmal, "ist immer noch das sicherste Geschäft auf dieser Welt. Es kann alles zusammenbrechen: Banken, Automobilhersteller, Parteien ... - Die Musik wird bleiben, aber kaum einer kümmert sich intensiv darum." - Es war genau dieser Blick auf die Branche, in der er sowohl das große Geschäft als auch die gewaltige Herausforderung sah, der den gelernten Journalisten Beierlein einst zum erfolgreichsten Entdecker und Förderer in der deutschsprachigen Unterhaltungsindustrie werden ließ. Jetzt ist der Musikmanager, der vor allem in Schlager- und Volksmusikkreisen immer noch sehr prominent war, tot. Hans R. Beierlein starb im Alter von 93 Jahren. Das teilte Beierleins Firma Montana Musik am Dienstag in München mit.

Beierlein hatte einst Udo Jürgens zum Star gemacht und unter anderem die Karrieren von Stefanie Hertel und Stefan Mross gefördert. Laut einem auf der Website des von ihm gegründeten Musikverlags Montana veröffentlichten Nachruf starb Beierlein bereits am 5. August in seiner Münchner Wohnung. An seiner Seite sei Bizzi Nießlein gewesen, Beierleins Adoptivtochter und Montana-Geschäftsführerin.

In berührenden Worten ist im Nachruf auf www.montanamedia.de einiges über das Leben und das Sterben des einst so umtriebigen Musikmoguls zu erfahren: "Den Vormittag des 5. August 2022 hatte der 93-Jährige im Dämmerschlaf verbracht, genau wie die vier Tage zuvor", steht da zu lesen. "Gegen Mittag stieß der Patient einen ohrenbetäubenden Nieser hervor, gefolgt von einem dumpfen Knall. Die fast neue luftgefederte Spezialmatratze war geplatzt. Mit diesem Finale fortissimo endete stilgerecht das schillernde Leben von Hans Rudolf Beierlein."

In den letzten sechs Jahren, so hieß es weiter, sei "es still geworden um den Mann, den die Medien einst den 'König des Showgeschäfts' nannten". Und: "Er konnte weder singen, noch tanzen, noch moderieren, aber er zog sechs Jahrzehnte lang die Strippen des deutschen Showgeschäfts."

Wie er das geschafft hat? - Man musste ihn kennenlernen, die Wucht seiner Persönlichkeit erleben, ihm in die fest entschlossenen Augen blicken, um das zu begreifen. Wer Hans R. Beierlein dann so sah, ihn beim Sinnieren, Dozieren und beim Lospoltern erlebte, mochte dem würdig ergrauten Gentleman sehr lange sein hohes Alter kaum abnehmen. In Interviews gab der große Star-Macher und Strippenzieher des deutschen Unterhaltungsfernsehens stets Vollgas. Das gebührenfinanzierte Fernsehen? Ein Auslaufmodell für Beierlein, den Mann der einst den "Grand Prix der Volksmusik" ins Fernsehen brachte. Die Unterhaltungsbranche? Noch immer voller Chancen - wenn es nur dir Richtigen machen!

"Ja, soll ich denn plötzlich anfangen, Golf zu spielen?"

In einem großen Interview, das Beierlein vor gut einem Jahrzehnt der Nachrichtenagentur teleschau gab, sprach er am edlen Konferenztisch im Chef-Büro des Montana Musikverlags offen über sein Wirken und sein Erbe, über Mross und Hertel - und auch über die vielen Liebschaften, die ihm stets nachgesagt wurden. Auf die Frage, was er für junge Künstler, die er einmal zu Stars gemacht, heute ist, also für einen Florian Silbereisen, einen Stefan Mross, eine Stefanie Hertel, antwortete er: "Ein Mentor, vielleicht auch eine Art Vaterfigur. Ich bin aber auch ihr schärfster Kritiker. Ich verpasse keine Sendung. Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich es deutlich." Lange hielt sich gar das Gerücht, Beierlein hätte einst Stefanie Stefanie Hertel und Stefan Mross, das damalige "Traumpaar der Volksmusik" zusammengebracht. Beierlein dementierte auf seine Art: "Ich habe sie im Fernsehen zusammengebracht. Den Rest schafften sie alleine. Damals waren die beiden halt die einzigen Jungen in dem Zirkus."

Angesprochen auf sein schon damals hohes Alter sagte Beierlein: "Ja, soll ich denn plötzlich anfangen, Golf zu spielen? Dazu habe ich keine Lust." Sein Elixier sei der Erfolg. "An dem Tag, an dem ich keinen Erfolg mehr habe, falle ich tot um. Davon bin ich überzeugt", formulierte er es dereinst im teleschau-Interview. Erfolg sei "die einzige Medizin, die ich je brauche. Ich liebe den Erfolg, ich lebe von ihm."

Frauen? "Na ja, ich habe irgendwann mit dem Zählen aufgehört."

Die "FAZ" schrieb einmal, Hans R. Beierlein hätte 5.000 Frauen gehabt. Gerüchte, die einer wie er mit der Gelassenheit des Gentlemans zur Kenntnis nahm. "Ich habe irgendwann mit dem Zählen aufgehört", gab er gegenüber teleschau zu Protokoll und verwies mit Stolz darauf, dass angeblich das größte Interview, das je im "Playboy" stand, das mit ihm gewesen sei: "23 Seiten! Und einen Monat später zog das 'Penthouse'-Magazin nach. An so etwas habe ich als alter Journalist meine Freude."

Beierleins Wirken mag nach außen hin durchaus eitel gewirkt haben, tatsächlich war sein Engagement aber vor allem von großer Empathie getragen. Sein größtes Talent, so beschrieb er es selbst, sei "die Fähigkeit, mich in die Menschen zu versetzen - also vor allem in Fernsehzuschauer, die ja beim Öffentlich-Rechtlichen auch Teilhaber sind".

Überhaupt das Fernsehen. Da konnte er sich auch mit über 80 noch in langen Monologen in Rage reden. Den Untergang des massenkompatiblen Familienfernsehens wollte er partout nicht erkennen. "Fußball interessiert auch Alte und Junge", dozierte Beierlein. "Ich glaube daran, dass das auch im Unterhaltungsbereich geht. Wie, das sieht man beim 'Eurovision Song Contest', der nach wie vor für alte und jüngere Zuschauer interessant ist." Dem Schlager- und Schunkellager sagte er vor über zehn Jahren ein gewaltiges Comeback voraus, weil alsbald neue, große Protagonisten mit einer ganz anderen Ausstrahlung als die althergebrachten Schlagerlegenden die Bühne betreten würden. Und er sollte wieder einmal Recht behalten. "Die Verjüngung tut den Sendungen gut", sagte Beierlein. "Es fühlen sich auch Gleichaltrige angesprochen, wenn man die Musik mit zeitgemäßen Inhalten auflädt und nicht nur von großer Liebe singt - so wird das Ganze auch fürs Fernsehen wieder ein Thema."

"Gemischtwarenhändler der Unterhaltung"

Auf der Montana-Homepage ist nun vieles Weitere nachzulesen über diesen Mann, einen Typen, wie er heute in der ganzen Branche nicht mehr zu finden ist. Der frühere Kanzler Helmut Schmidt titulierte Beierlein demnach treffend als "Gemischtwarenhändler der Unterhaltung". Sein Lieblingscredo habe gelautet: "Es gibt ein Menschenrecht auf Unterhaltung!"

Für seinen letzten Weg habe sich Beierlein eine stille Inszenierung gewünscht: "Keine Trauerfeier, keine Rede, keine Öffentlichkeit", so hätte er es handschriftlich verfügt und beteuert: "Ich war in meinem Leben auf keiner Beerdigung. Meine wird die erste und einzige sein, zu der ich gehe." Laut Montana ließ Bizzi Nießlein "seine Asche in aller Stille auf dem Friedhof in Schliersee bestatten. In dem bayerischen Dorf war Beierleins private Residenz. Die Hangvilla ist inzwischen verkauft."

Stefanie Hertel: "Werde dich niemals vergessen."

Stefanie Hertel schrieb auf Facebook und Instagram: "Eine Legende ist tot." Und in persönlichen Worten schob sie nach: "Lieber Hans! Ich werde den Moment nie vergessen, als ich Dich 1990 zum ersten Mal persönlich treffen durfte. Das war der Beginn einer langen, großartigen Zusammenarbeit und Freundschaft. Du warst Mentor, Kritiker und Freund. Gourmet, Charmeur, Griesgram. Realist, Erfinder, Macher. DANKE FÜR ALLES. Ich werde Dich niemals vergessen. Ruhe in Frieden! Deine Stefanie."