Musikpreis Echo wird abgeschafft

Nach 27 Jahren, wurde der Echo 2018 zum letzten Mal vergeben. (Foto: Matthias Balk/dpa)

Wie der Bundesverband Musikindustrie am Mittwoch in Berlin mitteilte, wird der Musikpreis Echo nach dem Anitsemitismus-Skandal um die Rapper Farid Bang und Kollegah ganz abgeschafft. Ursprünglich war lediglich eine Reform des Preises angekündigt worden.

In einer öffentlichen Erklärung begründete der Bundesverband seine Entscheidung:

“Der ECHO sei viele Jahre ein großartiger Preis und zugleich zentrales Branchenevent mit vielen bewegenden Momenten und herausragenden Künstlerinnen und Künstlern gewesen. Auch steht für den Vorstand außer Frage, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern weiterhin Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter braucht. Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird.”

Und weiter:

“Die Marke ECHO sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, der auch eine Neuaufstellung bei ECHO KLASSIK und ECHO JAZZ nach sich ziehe.”

Der Vorstand nannte auch bereits erste Schritte: Die drei Preise werden eine neue Struktur bekommen, die bisherigen Gremien werden nicht länger involviert sein. Gleichzeitig sollen die Kriterien für Nominierung und Preisvergabe vollständig verändert werden.

Die Rapper Farid Bang und Kollegah hatten zwei Wochen zuvor bei der 27. Echo-Verleihung in Berlin einen vorprogrammierten Eklat ausgelöst. Grund dafür: Ein geschmackloser Vergleich mit Auschwitzinsassen in ihrem Song “0815”. Die Rapper gewannen trotz der Kritik im Vorfeld einen Echo in der Kategorie “Hip-Hop” für ihr Album “JBG 3” und somit auch für den darauf enthaltenen Song “0815”. Die anschließende Performance der Rapper auf der Bühne der Preisverleihung erhitzte die Gemüter im Saal und vor den TV-Geräten nur noch mehr.

Beim Echo 2018 sorgten Kollegah und Farid Bang für einen Skandal (Bild: Getty Images)

Tote-Hosen-Sänger Campino hatte sich noch vor der Auszeichnung der beiden Musiker auf der Echo-Bühne geäußert. Er erklärte, dass Provokation ein Stilmittel sei, betonte dabei aber: “Für mich ist diese Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht – und auch um die Diskriminierung jeder anderen Religionsform.”

Die Empörung ebbte auch nach der Preisverleihung nicht ab: Nachdem sich zahlreiche Künstler, Prominente und Politiker kritisch geäußert hatten, gaben mehrere Musiker bekannt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen – darunter der deutsche Rockstar Marius Müller-Westernhagen und Klaus Voormann. Letzterer war beim Echo 2018 mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. 

Selbst Helene Fischer sah sich im Fall des Echo-Eklats durch öffentlichen Druck mehr oder weniger gezwungen ein Statement abzugeben, in dem die 17-fache Echo-Gewinnerin den Auftritt der beiden Rapper als “bedrückend und beschämend” bezeichnete.