Seitenbacher-Müsli ist Mogelpackung des Jahres

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Die Verbraucher haben gewählt: Ein Müsli von Seitenbacher ist die Mogelpackung des Jahres 2020. Die Gründe und welche Produkte auf Platz 2 und 3 landeten.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Versteckte Preiserhöhungen sind ein ständiges Ärgernis für Konsumenten. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, die Tricks der Hersteller aufzudecken und öffentlich zu machen.

Traditionell wird im Januar die Mogelpackung des Jahres gewählt. Der unrühmliche Titel geht an das Produkt, bei dem nach Meinung der Verbraucher besonders dreist zugelangt wurde.

21.409 Stimmen kamen bei der diesjährigen Online-Wahl zusammen.

Eindeutiges Votum

Das Ergebnis war eindeutig. 54,5 Prozent der Stimmen gingen an das Frucht Müsli von Seitenbacher. Grund: „Seitenbacher hatte die Füllmenge der betroffenen Müsli-Packung von 1000 auf 750 Gramm geschrumpft. Gleichzeitig stieg der Preis pro Tüte im Einzelhandel, sodass das Müsli um 75 Prozent teurer wurde. Der Hersteller behauptete gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg, mit dem Frucht Müsli ein neues Produkt eingeführt zu haben. Doch die Zutatenliste der Frühstücksflocken war quasi identisch mit der des günstigeren Vorgängerprodukts Vollkorn-Früchte-Müsli“, so die Verbraucherzentrale Hamburg.

Offensichtlich hat Seitenbacher schon reagiert. Nach Aussagen der Verbraucherschützer soll das Frucht Müsli mittlerweile nicht mehr hergestellt werden, sei aber in einigen Supermärkten noch erhältlich.

Schokoladen auf Platz 2 und 3

Auf dem zweiten Platz landeten mit 18,8 Prozent der Stimmen Milka Osterhase & Weihnachtsmann von Mondelez. Die Saison-Schokofiguren wurden geschrumpft und je nach Ausführung bis zu 36 Prozent teurer. Dabei sahen sie durch eine neuartige Verpackung trotz des geringeren Gewichts größer aus als die Vorgänger.

Platz 3 kann in der aktuellen Wahl Ferrero für sich verbuchen. Die Kinder Schokolade liegt im Ergebnis mit 18,5 Prozent der Stimmen fast gleichauf mit den Zweitplatzierten. Der Preis für das Ferrero-Produkt wurde stufenweise angehoben. Seit Sommer 2020 zahlen Kunden 30 Prozent mehr für die Schokolade, als noch vor fünf Jahren.

Zur Wahl standen in diesem Jahr außerdem der Katzensnack Whiskas Knuspertaschen und Bifi Minisalami, die aber mit 4,3 Prozent, beziehungsweise 3,9 Prozent der Stimmen weit hinter den anderen Produkten lagen.

Politik muss mehr Klarheit schaffen

„Verbraucherinnen und Verbraucher können sich gegen die Weniger-drin-Preis-gleich-Masche nicht wehren, denn die Tricksereien sind beim normalen Einkauf kaum zu bemerken. Umso wichtiger wäre es, die Konsumenten von Seiten der Politik nicht länger im Stich zu lassen“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Obwohl Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht im letzten Jahr angekündigt hatte, bei versteckten Preiserhöhungen für mehr Klarheit zu sorgen, sei seither nichts passiert. Eine Transparenzplattform, bei der vorab Füllmengenreduzierungen von den Herstellern verpflichtend gemeldet werden müssten, könne laut Valet helfen, die sich stetig reduzierenden Inhalte und die damit einhergehende Müllflut einzudämmen.

Mogelpackung melden

Ihnen ist auch eine Mogelpackung aufgefallen? Dann freut sich die Verbraucherzentrale Hamburg über eine kurze Meldung per E-Mail an ernaehrung@vzhh.de oder über das Kontaktformular auf ihrer Internetseite.

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