Womöglich erneut Raketenangriff vom Jemen aus auf US-Kriegsschiffe im Roten Meer

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Der Zerstörer "USS Mason"

Wenige Tage nach mutmaßlichen Raketenangriffen der jemenitischen Huthi-Rebellen sind nach Pentagon-Angaben möglicherweise erneut US-Kriegsschiffe im Roten Meer beschossen worden. Die US-Armee teilte am Sonntag mit, der Vorfall vom Vorabend werde noch geprüft. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition räumte unterdessen ein, dass der Angriff eines ihrer Kampfflugzeuge am 8. Oktober auf eine Trauerfeier in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa mit mindestens 140 Toten "irrtümlich" erfolgte.

Wegen der Missachtung der Einsatzregeln und -prozeduren der Koalition sowie der Herausgabe falscher Informationen hat ein Flugzeug der Koalition irrtümlicherweise den Ort angegriffen und damit zivile Tote und Verletzte verursacht", erklärte der von der Koalition eingesetzte Untersuchungsausschuss am Samstag in Riad.

Der Luftangriff hatte international für scharfe Kritik gesorgt und auch die USA in Bedrängnis gebracht. Washington unterstützt die Militärkoalition mit Informationen, Munition und logistischer Hilfe. Unter den Opfern waren hochrangige Offiziere der mit den Huthi-Rebellen verbündeten Militäreinheiten. Die schiitischen Aufständischen machten umgehend die Koalition verantwortlich, die seit März 2015 Luftangriffe auf die Huthis und ihre Verbündeten in der Armee fliegt.

Die Koalition stand unter Druck, den Angriff rasch zu untersuchen. Der eingesetzte Ausschuss erklärte nun, es müssten "angemessene Maßnahmen" gegen die Verantwortlichen getroffen werde und eine Entschädigung an die Familien der Opfer gezahlt werden. Der Ausschuss beschuldigte das Umfeld des jemenitischen Generalstabs, einen sofortigen Angriff angefordert zu haben, weil bewaffnete Huthi-Kämpfer versammelt seien.

Bei Luftangriffen des Militärbündnisses werden im Jemen immer wieder zivile Ziele bombardiert, darunter auch wiederholt Krankenhäuser. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete den Angriff auf den Saal der Trauerfeier angesichts der Anwesenheit hunderter Zivilisten als mutmaßliches "Kriegsverbrechen". Bei dem Angriff wurden nach UN-Angaben auch 525 Menschen verletzt, 300 von ihnen schwer.

Mehr als hundert Schwerverletzte wurden am Samstag in das Sultanat Oman ausgeflogen. An Bord des Flugzeugs befanden sich auch zwei US-Bürger. Wie Medien im Oman berichteten, ließen Huthi-Rebellen sie zuvor nach Vermittlung des Sultanats im Jemen frei. Oman ist der einzige arabische Golfstaat, der nicht an der Militärkoalition beteiligt ist.

Maskat unterhält Kontakte sowohl zum sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi als auch zu den ihn bekämpfenden Huthi-Rebellen. Diese halten zusammen mit anderen Gruppen und abtrünnigen Truppenteilen dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh die Treue. Das US-Außenministerium begrüßte die "humanitäre Geste" der Huthi-Rebellen und forderte diese auf, andere möglicherweise in ihrer Gewalt befindliche Amerikaner "umgehend" freizulassen.

Zum Angriff vom Samstagabend vor der jemenitischen Küste erklärte das Pentagon, in Richtung der Schiffe "USS Mason", "USS Ponce" und "USS Nitze" im Roten Meer seien mehrere Raketen abgeschossen worden. Schaden sei nicht entstanden. Später relativierte das US-Verteidigungsministerium seine Angaben. Die Schiffe hätten etwas registriert, bei dem es sich um Raketen gehandelt haben könnte, sagte ein Pentagon-Vertreter nun. Die Prüfung des Vorfalls dauere an.

Als Reaktion auf frühere Raketenangriffe in Richtung von US-Kriegsschiffen im Roten Meer, die ihr Ziel verfehlten, hatte der Zerstörer "USS Nitze" am Donnerstag nach Pentagon-Angaben drei Radaranlagen in einem von den Rebellen kontrollierten Gebiet an der jemenitischen Küste mit Marschflugkörpern beschossen. Es habe sich um einen Akt der Selbstverteidigung gehandelt, der Einsatz bedeute keine stärkere Einmischung in den Konflikt im Jemen, hieß es. Die jemenitischen Rebellen dementierten die Raketenangriffe auf die Kriegsschiffe.