Mutmaßlichem Bomber von Boston droht Terroranklage

Hinweise auf islamistischen Hintergrund verdichten sich

Nach der Festnahme des mutmaßlichen zweiten Attentäters von Boston hat die strafrechtliche Aufarbeitung des Anschlags begonnen. US-Medienberichten zufolge bereitet das US-Justizministerium gegen den bei seiner Flucht schwer verletzten Dschochar Zarnajew eine Anklage wegen Terrorismus vor. Außerdem könnte der junge Mann vom Bundesstaat Massachusetts wegen Mordes angeklagt werden.

Die Anklageerhebung könnte eingeleitet werden, noch bevor Zarnajew aus dem Krankenhaus entlassen wird. Den Angaben zufolge befinden sich Staatsanwälte in der Klinik im Bostoner Vorort Cambridge, in dem der Verdächtige behandelt wird.

Der 19-jährige Dschochar Zarnajew soll am Montag gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan einen Doppelanschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben. Dabei wurden drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt. Mehrere Opfer verloren durch die Explosionen Arme und Beine. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder einen Polizisten erschossen und einen weiteren Beamten schwer verletzt haben. Tamerlan Zarnajew starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei.

Die republikanische Senatoren John McCain und Lindsay Graham forderten, Dschochar Zarnajew als "feindlichen Kämpfer" einzustufen. Damit hätte der Verdächtige den gleichen Status wie die Terrorverdächtigen, die in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba inhaftiert sind.

Die Ermittler konzentrieren sich auf die Suche nach einem Motiv für die Tat. Dabei verdichten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Die Bundespolizei FBI räumte ein, den älteren Bruder Tamerlan Zarnajew bereits 2011 im Visier gehabt zu haben. Damals habe eine nicht näher genannte ausländische Regierung darum gebeten, den jungen Mann wegen mutmaßlicher radikalislamischer Ansichten zu überprüfen. Bei der Befragung von Zarnajew hätten die Ermittler aber keinen Verdacht geschöpft.

Die Mutter der mutmaßlichen Bombenattentäter hatte am Freitag in einem Telefoninterview mit dem Nachrichtensender CNN gesagt, dass Tamerlan "für drei, fünf Jahre" vom FBI beobachtet worden sei. "Sie haben ihn auf Schritt und Tritt verfolgt", sagte Zubeidat Zarnajewa, die darauf beharrte, dass ihre Söhne die Tat nicht hätten begehen können. Die Mutter sagte auch, dass ihr älterer Sohn vor fünf Jahren in "religiöse Politik" verwickelt worden sei. In ihrem Haus habe aber "niemand" über Terrorismus geredet.

In US-Medien wird darüber spekuliert, dass sich Tamerlan Zarnajew während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Russland im vergangenen Jahr radikalisiert und seinen jüngeren Bruder beeinflusst haben könnte. Die Familie war offenbar in den 90er Jahren vor den Kriegen in Tschetschenien zwischen russischen Truppen und islamistischen Unabhängigkeitskämpfern aus der Kaukasus-Republik geflüchtet. Nach einem Aufenthalt in Zentralasien kamen sie vor etwa zehn Jahren in die USA. Dschoschar wurde Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr US-Staatsbürger, Tamerlan hatte eine Aufenthaltsgenehmigung.

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