Mutter entdeckt Hilferuf in Festtagsdekoration

Was Julie Keith in einer Box mit Halloween-Dekoration fand, bescherte ihr eine Gänsehaut der unerwarteten Art: In der Verpackung des Grusel-Artikels der US-Supermarktkette „Kmart“ entdeckte die junge Mutter aus Oregon einen Zettel mit dem verzweifelten Hilferuf eines chinesischen Fabrikarbeiters. Nun ermittelt der US-Zoll.

Halloween-Grusel mal anders: In Festtagsdeko steckte ein Hilferuf (Screenshot "The Oregonian")Es begann im Oktober, als Julie Keith ihr Heim für Halloween dekorieren wollte. Als sie eine Schachtel mit Deko-Grabsteinen aus dem Supermarkt öffnete, entdeckte sie, verborgen in der Verpackung, eine hangeschriebene Notiz. „Sir: Falls Sie zufälligerweise dieses Produkt gekauft haben, schicken Sie bitte diesen Brief an die UN-Menschenrechtsorganisation“, zitiert die US-Tageszeitung „The Oregonian“ aus dem Brief. „Tausende Menschen, die von der chinesischen kommunistischen Partei verfolgt werden, werden Ihnen auf ewig danken und sich für immer an Sie erinnern.“

Weiter heißt es, die Deko-Grabsteine stammten aus einem Arbeitslager im chinesischen Shenyang, in dem die Beschäftigten täglich zu 15 Stunden Arbeit gezwungen würden – ohne Wochenenden oder Urlaub.  Bei Verweigerung drohten ihnen „Folter, Schläge und Beschimpfungen“, berichtet der anonyme Verfasser der Nachricht. Umgerechnet 1,61 Dollar Hungerlohn erhielten die Arbeiter laut dem Schreiben monatlich.

Julie Keith war geschockt. Sollte der Brief tatsächlich echt sein? Wäre es dann nicht ihre Pflicht, die Welt auf die grausamen Produktionsbedingungen aufmerksam zu machen? Die 42-Jährige veröffentlichte ein Foto des Briefs auf ihrem Facebook-Profil. Im Lauf der Monate wurde aus der Bestürzung im Freundeskreis Keiths ein viraler Aufschrei - der nun, zum Jahresende,  auch die Aufmerksamkeit der US-Medien und der Behörden erlangt hat.

Die Frage der Echtheit des versteckten Hilferufs ist dabei noch immer nicht zweifelsfrei geklärt. Die China-Beauftragte der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“, Sophie Richardson, konnte die  Authentizität des Schreibens bislang nicht bestätigen. „Die Beschreibungen in dem Brief decken sich allerdings mit dem, was wir über die Bedingungen in chinesischen Straflagern wissen“, berichtet Richardson der US-Zeitung „The Oregonian“. Wenn es also stimme, dass jemand auf diese Weise um Hilfe ruft, dann sei es unsere Pflicht, zu reagieren, so Richardson weiter.

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Die „Sears Holdings Corporation“, zu der auch die „Kmart“-Gruppe gehört, verkündete in einem Statement, man werde dem Fall nachgehen.  „Wir haben weltweite Standards für die Produktion unserer Produkte“, zitiert „The Oregonian“ aus der Stellungnahme des Konzerns. „Dazu gehört auch das Verbot von Zwangsarbeit. Zuwiderhandlungen führen zu einem Abbruch der Geschäftsbeziehungen.“ Auch der US-Zoll hat die Ermittlungen aufgenommen.

Für Julie Keith steht dennoch fest: „Ich werde versuchen, möglichst auf Waren 'made in China' zu verzichten. Diese Geschichte hat mich achtsamer gemacht. Ich hoffe, ich kann so etwas bewegen.“


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