Prozess: Mutter in Köln-Deutz fast getötet – Täter bietet 25.000 Euro an

Das Motiv von Theo S. für den Überfall ist bei dem Kölner Prozess noch unklar.

Welches Motiv hatte Theo S., als er am 31. August 2018 eine Frau, die bei Ebay ein Babybett angeboten hatte, in deren Wohnung in Deutz überfiel? Wollte er Beute machen? Oder waren der Grund psychische Probleme? Darum ging es am Montag im Landgericht, wo der Prozess gegen den 59-jährigen Frührentner fortgesetzt wurde. Besonders schwerer versuchter Raub und gefährliche Körperverletzung werden ihm zur Last gelegt. Er hat ein Geständnis abgelegt.

An jenem Augusttag klingelte er um 10 Uhr bei Maria S. (41, alle Namen geändert). Er hatte mit ihr vereinbart, das Bettchen persönlich abzuholen. Einmal hereingelassen, ging er sofort zum Angriff über. Er wollte Maria S. knebeln und fesseln, doch sie wehrte sich. Dann stach er mit einem Messer zu. Aus einem Fenster schrie sie um Hilfe. Davon alarmiert, eilten ein Nachbar und zwei Bauarbeiter herbei. Der Polizei erklärte Theo S., er habe den Überfall wegen eines finanziellen Engpasses geplant.

Gab es ein anders Motiv?

Doch am Montag kreiste die Befragung immer wieder darum, ob es ein anderes Motiv geben könne. Dabei ging es so eingehend um Sexualität, dass die Öffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen war. Bei der Schilderung seines Werdegangs erwähnte Theo S. eine Szene aus der Kindheit, die ihn verstört habe: Seine Mutter habe vor seinen Augen Sex mit einem fremden Mann gehabt. Später habe sie in Annoncen Escort-Dienste angeboten. Zwei Mal war Theo S., Vater von drei Kindern, verheiratet, heute hat er eine Lebensgefährtin. Wegen einiger Erkrankungen wie Bluthochdruck, Darmkrebs und Diabetes und der Einnahme von Medikamenten sei seine Sexualität eingeschränkt, sagte er. Alle drei Monate habe er Testosteronspritzen bekommen und gelegentlich Potenzmittel genommen.

„Er ist ein liebevoller, fürsorglicher Mensch“, sagte seine 60-jährige Freundin. „Es ist alles im grünen Bereich“, erwiderte sie auf die Frage nach dem Sexualleben, bevor sie einräumte, der Geschlechtsakt im engeren Sinn sei mit Theo S. nicht möglich. „Aber es gibt Alternativen.“ Von seinem Problem mit der – inzwischen verstorbenen – Mutter wisse sie. Damit habe wohl zu tun, dass er auf Anzeigen hin fremde Frauen angerufen habe. „Als er mir das erzählt hat, habe ich ihn ein bisschen rund gemacht.“ Darauf habe er ihr erklärt, er habe nur „die Stimmen hören“ wollen. Einen Grund für einen Raub habe er nicht gehabt; zusammen hätten sie ihr gutes Auskommen.

Schmerzensgeld erhöht

Über seinen Anwalt hatte Theo S. dem Opfer 15.000 Euro Schmerzensgeld angeboten. Am Montag erhöhte der Verteidiger es auf 25.000 Euro – Geld, das aus der Auflösung der Lebensversicherung von Theo S.’ Freundin stammt. Die Zahlung sei als Täter-Opfer-Ausgleich zu verstehen. Obwohl sie die Knüpfung an diese Bedingung für moralisch fragwürdig hält, ließ sich Maria S.' Anwältin darauf ein, wenn auch widerstrebend. Ihre Mandantin brauche das Geld; sie könne wegen des brutalen Überfalls nicht mehr arbeiten und wolle aus der Tat-Wohnung ausziehen.

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