Mutter von Columbine-Attentäter betete für seinen Tod

13 Jahre lang sprachen die Eltern des Columbine-Attentäters Dylan Klebold kaum über den Amoklauf ihres Sohns. Nun haben sie sich einem Schriftsteller anvertraut. Dabei machte die Mutter ein bestürzendes Geständnis.

Dylan Klebold, einer der beiden Columbine-Attentäter (Bild: AFP)Am 20. April 1999 ermordeten zwei Schüler der Columbine High School in Littleton zwölf Mitschüler und einen Lehrer, weitere 24 Menschen wurden verwundet. Anschließend töteten die Attentäter Dylan Klebold und Eric David Harris, zwei zuvor unauffällige Außenseiter, sich selbst. In den Monaten nach dem Amoklauf suchten die Hinterbliebenen der Opfer verzweifelt nach einer Erklärung für die Tragödie. Dabei beschuldigten sie auch die Eltern der Täter und warfen ihnen vor, ihre Söhne zur Gewaltbereitschaft erzogen zu haben. Klebolds Eltern mieden auch deshalb die Öffentlichkeit. Nun haben sie mit Autor Andrew Solomon über den schlimmsten Tag ihres Lebens gesprochen. In seinem Buch „Far From The Tree“ schreibt Solomon über Kinder, die Verbrechen begangen haben.

Als Dylans Mutter Sue Klebold am 20. April 1999 erfuhr, dass ihr Sohn einer der Schützen war, habe sie gehofft, dass er sich umbringen würde. „Ich hatte eine plötzliche Vorahnung, was er vorhaben könnte“, sagte sie. „Und während alle anderen Mütter in Littleton gebetet haben, dass ihr Kind in Sicherheit ist, musste ich beten, dass meines stirbt, bevor es andere verletzt.“ Sue Klebold fürchtete, dass ihr Sohn nach seinem Amoklauf zum Tode verurteilt werde. „Ich hätte es nicht ausgehalten, ihn zweimal zu verlieren.“

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Dylan Klebolds Eltern leben noch immer in Littleton. Sie bewohnen dasselbe Haus, von dem aus sich ihr Sohn damals auf den Weg zur Schule machte, um zu morden.

Solomon war überrascht über die Offenheit, mit der ihm die beiden begegneten. „Wir können offen und ehrlich über diese Dinge sprechen, weil unser Sohn tot ist“, erklärte Tom Klebold. „Wir können nicht mehr darauf hoffen, dass er etwas anderes, besseres tut. Man kann eine Geschichte besser erzählen, wenn man ihr Ende kennt.“

Solomon fragte die Eltern, was sie ihrem Sohn sagen würden, wenn sie heute mit ihm sprechen könnten. „Ich würde ihn um Verzeihung bitten“, antwortete Sue Klebold. „Dafür, dass ich als seine Mutter nie darüber Bescheid wusste, was in seinem Kopf vorging, ihm nicht helfen konnte. Und dafür, dass ich nicht der Mensch war, dem er sich anvertrauen konnte.“




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