NABU kürt Aigner zum "Dinosaurier des Jahres 2012"

Verband: "Rückwärtsgewandte Klientelpolitik"

Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) ist von der Umweltschutzorganisation NABU zum "Dinosaurier des Jahres 2012" gekürt worden. "Die Bundesministerin erhält den Negativpreis für ihre rückwärtsgewandte Klientelpolitik, die den Prinzipien einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Politikgestaltung widerspricht", teilte der NABU mit. Kritikwürdig seien ihr Festhalten an einer umweltschädlichen Agrarpolitik, aber auch fehlendes Engagement für ein besseres Tierschutzgesetz, ein umweltfreundlicheres Jagdrecht sowie eine nachhaltigere Fischereipolitik.

"Frau Aigner muss sich endlich für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik einsetzen. Es reicht nicht aus, dass die Landwirte nur Nahrungsmittel erzeugen, sie müssen dabei auf die Wasserqualität und den Klimaschutz achten und die Artenvielfalt erhalten. Steuergelder müssen an konkrete Leistungen im Natur- und Umweltschutz geknüpft werden", forderte NABU-Präsident Oliver Tschimpke.

Bei der Ministerin fänden im Wesentlichen nur die Verbände der Bauernlobby und der Agrarindustrie Gehör, kritisierte Tschimpke weiter. Jedes Jahr flössen europaweit rund 57 Milliarden Euro an Subventionen "gießkannenartig" in die Landwirtschaft und damit immer noch auch in Betriebe, die durch großflächigen Maisanbau, Pestizideinsatz und Massentierhaltung der Umwelt massiv schadeten.

Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz kritisierte die Verleihung des Negativpreises an Aigner und warf dem NABU vor, wichtige politische Initiativen der Ministerin zu unterschlagen. "Der NABU setzt auf billige PR-Gags und verschließt die Augen vor der Wirklichkeit", erklärte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Deutschland unterstütze in den laufenden Verhandlungen klar die Ziele der EU-Kommission zur Neuausrichtungen der EU-Agrarpolitik und den von der Kommission eingeschlagenen Kurs in der Fischereipolitik sowie zum weltweiten Schutz der Meeresressourcen.

Den "Dinosaurier" verleiht der NABU seit 1993. Er geht dem Verband zufolge an solche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, "die sich sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben". Im vergangenen Jahr ging er an die Chefs der Kreuzfahrtreedereien AIDA und TUI Cruises, womit der NABU gegen die Umweltbelastung durch deren Schiffe protestieren wollte. Zu den Preisträgern gehörten auch schon Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sowie Vertreter von Industrie- und Landwirtschaftsverbänden.

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