„Ich hoffe mal, dass wir heute Nacht nicht sterben"

US-Diplomat hinterließ Spiele-Community Stunden vor seinem Tod beunruhigende Nachricht

Der Diplomat Sean Smith kam bei den blutigen Anschlägen auf das US-Konsulat in Bengasi ums Leben. Die ersten, die von der drohenden Gefahr für ihn erfuhren, waren aber nicht seine Familienmitglieder - sondern Online Gamer. Smith spielte noch Stunden vor seinem Tod in einer Online-Spieler-Gemeinschaft. Und schrieb einem Community-Mitglied kurz vor dem Anschlag eine Nachricht voll böser Vorahnung.

Online-Gamer Sean Smith starb bei den Anschlägen auf das US-Konsulat in Bengasi (Bild: Reuters)Bei den blutigen Anschlägen auf das US-amerikanische Konsulat in Bengasi wurden am Dienstag vier Amerikaner getötet. Einer von ihnen war Sean Smith, Öffentlichkeitsreferent im diplomatischen Dienst, Ehemann, Vater zweier Kinder - und begeisterter Online-Zocker. Unter dem Namen „Vile Rat“ (auf Deutsch: "gemeine Ratte") war der 34-Jährige laut dem US-Sender „Fox News“ einer der Top-Spieler bei „Eve Online“. Die Online-Community hat mehr als 400.000 Mitglieder, die in Rollenspielen gegeneinander antreten, virtuelle Raumschiffe lenken, mit virtuellen Waren handeln und ein virtuelles Parlament wählen.

Stunden vor seinem Tod schickte Smith eine Nachricht an Alex Gianturco, Anführer des „Goonswarm“, seiner Online-Mannschaft: „Ich hoffe mal, dass wir heute Nacht nicht sterben." Denn er hatte kurz zuvor eine eigentlich harmlose Szene beobachtet, die ihn jedoch mit einer Vorahnung erfüllt hatte: "Wir haben einen unserer 'Polizisten' draußen gesehen, wie er Fotos von unserem Gelände machte.“ Kurze Zeit später war Sean Smith tot.

Alex Gianturco kommentierte den Tod seines Mitspielers auf Eve Online: „Mein Volk, ich habe traurige Nachrichten. Es hat sich bestätigt, dass Vile Rat in Bengasi gefallen ist. Seine Familie wurde informiert und die Nachricht wird sich bald in den Medien verbreiten. Es ist unnötig zu sagen, dass wir geschockt sind und keine Worte für das Geschehene haben. Unser Mitleid gilt seiner Familie und seinen Kindern. Ich kannte Vile Rat seit 2006, er war einer der ältesten der alten Garde unseres Stammes und einer der besten und effektivsten Diplomaten in diesem Spiel.“

Lesen Sie auch: US-Konsulat in Berlin vorübergehend geräumt


Auch in anderen Foren, in denen Smith als Moderator tätig war, machte die Nachricht von seinem Tod die Runde. Hunderte bekundeten ihr Beileid: „Deine Frau und deine Kinder sollen wissen, dass du von tausenden Videospiel-Nerds vermisst wird“, schrieb ein Spieler. Ein anderer User postete: „Vile Rat war ein leuchtendes Vorbild dafür, wie man das Leben auskostet, in vielerlei Hinsicht ein großartiger Mann, der von vielen vermisst werden wird. Vor nicht einmal zwölf Stunden haben wir uns noch unterhalten. Er hat sich über die mangelnde Sicherheit an solchen Orten und das schlechte Internet lustig gemacht. Das Ganze erscheint surreal.“

Sehen Sie auch:

Wut auf die USA in der muslimischen Welt



Anmerkung der Redaktion
: Aufgrund zahlreicher Kommentare, die die Grenzen eines höflichen und toleranten Dialogs überschreiten, sahen wir uns leider gezwungen, die Kommentarfunktion bei diesem Artikel abzustellen. Wir bitten all jene User um Verzeihung, die mit sachlichen Kommentaren zur Diskussion beigetragen haben.

Quizaction