Nach “Deutschland-Studie”: Ruhrgebiet-Städte wollen ZDF boykottieren

  • Das ZDF veröffentlichte 2018 eine Studie zur Lebensqualität in Deutschland
  • Das Ruhrgebiet schnitt von allen Städten und Kreisen des Landes am schlechtesten ab 
  • Nun wollen die Ruhrgebiet-Städte nicht mehr an weiteren Umfragen des Senders teilnehmen

401 Städte und Kreise gibt es in Deutschland. 2018 wurden sie alle für die “Deutschland-Studie” des ZDF nach der Lebensqualität vor Ort verglichen und eingestuft. Auf den letzten Plätzen: Oberhausen, Duis­burg, Herne, Gelsenkirchen – allesamt gelegen im Ruhrgebiet. Keine Stadt der Region schaffte es höher als auf Rang 350.

Absage für zwei neue ZDF-Formate

Nach großer Empörung und monatelangen Diskussionen hat man sich im Ruhrgebiet nun dazu entschieden, nicht an weiteren Studien des öffentlich-rechtlichen Senders teilzunehmen. Wie die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung” berichtet, haben die Oberbürgermeister und Landräte der Region dem ZDF eine Absage für Umfragen für zwei neue Ranglisten, den “Familienatlas” und den “Seniorenatlas”, erteilt.

“Die teils heftigen Debatten der zurückliegenden Monate nach Veröffentlichung der ‘Deutschland-Studie’ haben uns nicht nur keine neuen Erkenntnisse geliefert; sie haben uns hier in der Region auch nicht weiter gebracht”, zitiert die Zeitung ein Boykottschreiben der Stadtoberhäupter. “Wir sind nicht der Überzeugung, dass wir uns an einer Studie beteiligen sollten, deren negatives Ergebnis … absehbar und teilweise systematisch begründet ist.”

Hagen gilt als die grünste Stadt Nordrhein-Westfalens. Hier zu sehen: das örtliche Freilichtmuseum. (Bild: ddp Images/imageBROKER/Stefan Ziese)

So sei unter anderem nicht vermittelbar, dass Hagen, die waldreichste Großstadt in Nordrhein-Westfalen, im Bereich “Freizeit und Natur” nur Platz 321 belegt. Für die Stadt- und Kreisspitzen sei außerdem nicht zu erkennen, welchen “sinnvollen Bezug die einfließenden Indikatoren Wahlbeteiligung und Ganztagsbetreuungsquote für Kinder” haben sollen.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD), dessen Stadt im Ranking 2018 am schlechtesten abgeschnitten hatte, teilt das Unverständnis und fragt sich etwa, welchen Einfluss die hohe Langzeitarbeitslosigkeit vor Ort auf die Lebensqualität haben solle. “Wir haben uns das angeschaut: Da haben wir gar keine andere Chance, als schon wieder auf den letzten Plätzen zu landen”, sagt er gegenüber der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”.

Falsche Abbildung der Lebensbedingungen?

Die Statistiker des Umfrage-Instituts Prognos hatten für die “Deutschland-Studie” 53 Indikatoren zu Arbeit und Wohnen, Gesundheit, Sicherheit, Freizeit und Natur verglichen. “Ihre Studie vermag bedauerlicherweise nicht abzubilden, was die Menschen in unseren Städten und Kreisen vor Ort aus den oben skizzierten Rahmenbedingungen machen und wie sie ihr Lebensumfeld und dessen Qualität positiv – und oftmals ehrenamtlich – gestalten”, bemängeln die Oberbürgermeister und Landräte des Ruhrgebiets laut der Zeitung in ihrem Schreiben an die ZDF-Chefredaktion. Gerne beteilige man sich jedoch an einem Format, das sich darauf konzentriere, “wie die Menschen in der Metropole Ruhr die Lebensqualität ihrer Heimat selbst einschätzen”.

Oliver Wittke von der CDU Ruhr wirft den Politikern derweil “Realitätsverlust” vor. “Die Veränderung zum Besseren beginnt mit der Akzeptanz der Realität. Und genau das verweigern die Oberbürgermeister”, erklärt der ehemalige Gelsenkirchener Oberbürgermeister gegenüber der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” mit Verweis auf weitere Studien, die ähnliche Defizite im Ruhrgebiet belegen. “Dass Gelsenkirchen nach wie vor die höchste Arbeitslosigkeit der Republik aufweist, kann man auch durch eine Nichtteilnahme an Untersuchungen nicht kaschieren.”

Ganz vorne im “Deutschland-Studie”-Ranking des ZDF landeten 2018 übrigens München, Heidelberg und Starnberg. Bis auf Potsdam waren in den Top Ten ausschließlich Städte und Kreise in Süddeutschland zu finden.

 

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