Nach RTL-Recherche: Gravierende Mängel bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen aufgedeckt

Plastik-Sprengstoffe gelangten durch den Sicherheitscheck am Flughafen. (Bild: RTL)

Wer heutzutage ein Flugzeug besteigen möchte, muss sich langwierigen Sicherheitskontrollen unterziehen. Gepäck und Kleidung werden aufwendig nach gefährlichen Gegenständen und Flüssigkeiten untersucht. Doch wie erfolgreich der Sicherheitscheck wirklich ist, untersuchte nun ein Reporter-Team des Fernsehsenders RTL – mit erschreckenden Ergebnissen.

Seit den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 wurden die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen weltweit überdacht und angepasst. Auch die Kontrollen an deutschen Flughäfen wurden in den vergangenen Jahren massiv verstärkt – doch die aktuellen Rechercheergebnisse der RTL-Sendung „Extra“ (montags, 22.15 Uhr) zeigten nun, dass hier noch immer schwerwiegende Sicherheitslücken vorherrschen: Plastiksprengstoffe können ungehindert durch die Kontrolle an Bord der Maschine gelangen. Die Sicherheit der Fluggäste vor einem Anschlag sei auf diese Weise nicht mehr gewährleistet.

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Für die Recherche testeten RTL-Reporter mit versteckter Kamera die Sicherheitskontrollen an mehreren deutschen Flughäfen. Unter anderem in Berlin-Tegel, Stuttgart und Düsseldorf versuchten die Journalisten, Sprengstoff-Imitate durch den Sicherheits-Scan zu schmuggeln – und waren damit erfolgreich. Vorher wurde die Plastik-Sprengstoff-Attrappe auf dem Testgelände der Firma „Dynamit Nobel“ eigens für das RTL-Magazin angefertigt, um sie möglichst originalgetreu aussehen zu lassen.

In den Schuhen befindet sich ein Sprengstoff-Imitat – es blieb unentdeckt. (Bild: RTL)

„Wir haben den vermeintlichen Plastik-Sprengstoff beispielsweise gut getarnt als Fersenheber im Schuh eingebaut”, berichtet RTL-Reporter Burkhard Kreß. Doch genau da liege das Problem, so Kreß: „Da die Sicherheitssysteme nach wie vor primär auf das Aufspüren von Metall ausgerichtet sind, konnte ich aber tatsächlich unbehelligt passieren.“

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Derzeit seien die Kontrolleure beim Sicherheitscheck noch immer darauf geschult, nach bereits fertig montierten Bomben zu fahnden. Einzelne Bestandteile, die von verschiedenen Personen an Bord des Flugzeuges gebracht und dort erst zu einer lebensgefährlichen Bombe zusammengesetzt werden, würden auf diese Weise unentdeckt bleiben, so der Reiseexperte des Senders, Ralf Benkö.

Auch der in Schokoladenautos getarnte Sprengstoff wurde nicht bemerkt. (Bild: RTL)

Polizeigewerkschaftler Arnd Krummen fordert in dem RTL-Magazin sogar eine Auswertung der Testergebnisse durch die Bundespolizei, damit die Fluggast-Kontrollen zukünftig wieder die Sicherheit der Passagiere gewährleisten können. Unklar ist bisher, wie die verantwortlichen Flughafenbetreiber nun mit den Rechenergebnissen des RTL-Wochenmagazins umgehen.

Sprengstoffexperte Michael Rupalla mahnt: „[…] Wir müssen mehr kontrollieren, wir müssen uns mit diesem Gedankengut ein bisschen mehr beschäftigen. Die [Terroristen] sind uns voraus. Wir müssen den Sicherheitsleuten erklären, wie es funktioniert. Und da ist meine Meinung, wenn ich mit Sicherheitsleuten rede, dass sie alle sagen, wir machen das zu oberflächlich.“

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