Nachrichten-Rückblick am Abend: Die wichtigsten News vom 6. Dezember 2018

Nervosität in der CDU vor Abstimmung über Merkel-Nachfolge. Deutsche Bank geht nach Geldwäsche-Razzia in die Offensive. Weitere Proteste in Frankreich – 146 Festnahmen bei Schüler-Demo. Und: Deutscher Film “Werk ohne Autor” für Golden Globe nominiert.

Kampfabstimmung zwischen AKK und Merz?

In den Hamburger Messehallen treffen die CDU-Delegierten morgen eine wichtige Entscheidung. (Bild: Christian Charisius/dpa)

Unmittelbar vor der Abstimmung über die Nachfolge von CDU-Chefin Angela Merkel herrscht in der Partei große Nervosität. Auf dem am Freitag beginnenden Parteitag in Hamburg wird ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz erwartet. Es gab Befürchtungen, dass eine Kampfabstimmung die Spaltung in der Partei noch vertiefen könnte. Führende CDU-Vertreter gaben in den vergangenen Tagen Wahlempfehlungen für ihre Favoriten ab, allen voran Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der sich für Merz aussprach.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich generell nicht zu den Kandidaten für ihre Nachfolge in der Parteispitze äußern wollte, zeigte sich vor der Abstimmung gelassen. Auf die 1001 Delegierten des am Freitag beginnenden, zweitägigen Parteitages “kommt natürlich eine wichtige Aufgabe zu, damit auch die Weichen für die zukünftige Führungsmannschaft zu stellen”, sagte Merkel am Donnerstag bei einem Rundgang durch die Parteitagshalle in Hamburg. “Das ist Demokratie pur, wenn Auswahl besteht. Und den Rest werden die Delegierten entscheiden.”

Deutsche Bank wehrt sich gegen Vorwürfe

Dunkle Wolken hängen zur Zeit auch sinnbildlich über der Zentrale der Deutschen Bank. (Bild: Arne Dedert/dpa)

Nach der Razzia wegen Geldwäsche-Verdachts gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank geht der Finanzkonzern in die Offensive. “Bislang sind wir uns keines Fehlverhaltens unsererseits bewusst, wir warten die Schlussfolgerungen der Staatsanwälte ab”, sagte Finanzvorstand James von Moltke dem Sender CNBC in Frankfurt. Der amtierende Vorstand habe massiv in die Verbesserung interner Kontrollsysteme und die Überprüfung von Kunden investiert. Die in den Fall verwickelte ehemalige Tochter auf den Britischen Jungferninseln hatte die Deutsche Bank im März dieses Jahres verkauft.

Von Moltke betonte, es habe sich um eine “sehr kleines Geschäft mit sehr wenigen Kunden” gehandelt. Der Finanzchef bekräftigte, die Bank kooperiere umfassend mit den Behörden. Am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten Staatsanwälte und Steuerfahnder unter anderem die Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt begründete die Aktion mit dem Verdacht, dass Mitarbeiter des Geldhauses Kunden halfen, sogenannte Off-Shore-Gesellschaften in Steueroasen zu gründen, um Steuern zu hinterziehen und Gelder zu waschen.

Festnahmen nach “Gelbwesten”-Protesten

“Schließt euch uns an” – die Proteste der “Gelbwesten” in Frankreich wollen nicht abebben. (Bild: Bob Edme/AP/dpa)

Die Proteste gegen die französische Regierung weiten sich aus. Bei Demonstrationen gegen Reformen im Bildungsbereich wurden in der Nähe von Paris 146 Menschen festgenommen. Dabei handelte es sich vor allem um Schüler, die in der Nähe einer Schule in Mantes-la-Jolie protestiert hatten, wie die Polizei erklärte. Die Schüler hätten in dem Ort randaliert. Seit Mitte November protestieren die “Gelben Westen” in Frankreich gegen höhere Steuern – es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen. Der Protest hat sich inzwischen ausgedehnt, in der kommenden Woche wollen auch die Landwirte demonstrieren. Schüler und Studenten blockieren seit Montag Bildungseinrichtungen.

Wenn der Bildungsminister nicht bald eine starke Antwort gebe, werde es Todesfälle geben, sagte der Präsident der Nationalen Schülerunion, Louis Boyard, dem Sender BFMTV. Er fürchte bei den Protesten Gewalt – und rief gleichzeitig zur Ruhe auf. Nach Angaben des Senders waren im Großraum Paris rund hundert Bildungseinrichtungen von den Aktionen betroffen. Auch an Hochschulen gab es Proteste, die Lage war teilweise angespannt. Einige Bereiche der Pariser Universität Sorbonne blieben am Donnerstag geschlossen, wie die Hochschule mitteilte. Medienberichten zufolge hatten zuvor mehrere Menschen versucht, Teile der Universität zu besetzen.

Deutsche Hoffnung bei den Golden Globes

Florian Henckel von Donnersmarck darf sich Hoffnungen auf eine weitere Auszeichnung machen. (Bild: Annette Riedl/dpa)

“Werk ohne Autor” geht für Deutschland in das Rennen um den Golden Globe. Das Künstlerporträt von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck wurde in der Sparte “Bester nicht-englischsprachiger Film” nominiert. Dort tritt unter anderem auch der mexikanische Film “Roma” an. Im vergangenen Januar hatte das NSU-Drama “Aus dem Nichts” von Fatih Akin den Golden Globe als bester Auslandsfilm gewonnen.

Henckel von Donnersmarck hatte mit dem Stasi-Drama “Das Leben der Anderen” bereits 2007 Chancen auf einen Golden Globe, bei der Preisverleihung ging er damals allerdings leer aus. Er holte aber im selben Jahr den Auslands-Oscar. “Werk ohne Autor” mit den Schauspielern Tom Schilling und Sebastian Koch ist auch der diesjährige deutsche Kandidat bei den Oscars in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film. Die Trophäen werden am 6. Januar in Beverly Hills verliehen.

mit Material der dpa