NASCAR Bristol: Denny Hamlin fängt Matt DiBenedetto ab

Mario Fritzsche

500 Runden im "Thunder Valley" der NASCAR, dem mit 30 Grad Banking versehenen Short-Track Bristol Motor Speedway, sind Samstagnacht unter Flutlicht beinahe mit einem Überraschungssieger zu Ende gegangen. Doch als im Bass Pro Shops NRA Night Race die Karierte Flagge fiel, war es doch ein alter Bekannter, der sich über den Sieg freuen durfte.

Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) fuhr von der Pole-Position gestartet nach zwischenzeitlichem Rückschlag im Rennen noch in die Victory Lane. Die Führung holte sich der Fahrer des Gibbs-Toyota mit der Startnummer 11 passenderweise 11 Runden vor Schluss zurück. Der Fahrer, den er dabei überholte, verpasste seinen Premierensieg knapp: Matt DiBenedetto (Leavine-Toyota), der in dieser Woche erfahren hat, dass er 2020 nicht mehr für Leavine Family Racing fahren wird.

Fotos: Bass Pro Shops NRA Night Race in Bristol

Rennergebnis: Bass Pro Shops NRA Night Race in Bristol

"Es tut mir so leid für Matt DiBenedetto und Mike Wheeler", so die ersten Worte von Sieger Denny Hamlin. Der angesprochene Crewchief Mike Wheeler war bis Ende 2018 jahrelang Hamlins Crewchief gewesen. Dann wurde er zum Gibbs-Satellitenteam Leavine Family Racing transferiert. Indes hat Hamlin nun bereits seinen vierten Sieg mit seinem neuen Crewchief Chris Gabehart eingefahren.

DiBenedetto, dessen Nachfolger bei Leavine Family Racing aller Voraussicht nach von Christopher Bell wird und dessen eigene Zukunft offen ist, bemerkt nach 93 Führungsrunden und P2 mit Tränen in den Augen: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich hätte so gerne gewonnen. Ich danke den Jungs für die tolle Arbeit, aber ein bisschen traurig bin natürlich ich schon. Glückwunsch an Denny. Ich will nicht emotional werden, aber es war eine schwierige Woche. Ich bin aber noch nicht fertig hier und trete an, um zu gewinnen."

Fotostrecke: Die Top 10 des Bass Pro Shops NRA Night Race in Bristol:

1. Denny Hamlin, Joe Gibbs Racing, Toyota Camry

1. Denny Hamlin, Joe Gibbs Racing, Toyota Camry Matthew T. Thacker / NKP / LAT Images

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2. Matt DiBenedetto, Leavine Family Racing, Toyota Camry

2. Matt DiBenedetto, Leavine Family Racing, Toyota Camry John Harrelson / LAT Images

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3. Brad Keselowski, Team Penske, Ford Mustang

3. Brad Keselowski, Team Penske, Ford Mustang Matthew T. Thacker / NKP / LAT Images

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4. Kyle Busch, Joe Gibbs Racing, Toyota Camry

4. Kyle Busch, Joe Gibbs Racing, Toyota Camry Nigel Kinrade / LAT Images

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5. Chase Elliott, Hendrick Motorsports, Chevrolet Camaro

5. Chase Elliott, Hendrick Motorsports, Chevrolet Camaro Nigel Kinrade / LAT Images

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6. Kyle Larson, Chip Ganassi Racing, Chevrolet Camaro

6. Kyle Larson, Chip Ganassi Racing, Chevrolet Camaro John Harrelson / LAT Images

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7. Clint Bowyer, Stewart-Haas Racing, Ford Mustang

7. Clint Bowyer, Stewart-Haas Racing, Ford Mustang John Harrelson / LAT Images

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8. Daniel Suarez, Stewart-Haas Racing, Ford Mustang

8. Daniel Suarez, Stewart-Haas Racing, Ford Mustang John Harrelson / LAT Images

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9. Kurt Busch, Chip Ganassi Racing, Chevrolet Camaro

9. Kurt Busch, Chip Ganassi Racing, Chevrolet Camaro Matthew T. Thacker / NKP / LAT Images

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10. Ryan Blaney, Team Penske, Ford Mustang

10. Ryan Blaney, Team Penske, Ford Mustang Matthew T. Thacker / NKP / LAT Images

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Flugzeugunglück: Ursache klar, Earnhardt-Familie erholt sich zu Hause

Die bestimmende Nachricht am Bristol-Wochenende war das glimpflich ausgegangene Flugzeugunglück von Dale Earnhardt Jr. und dessen Familie am Donnerstag. Als Ursache hat man inzwischen anhand von Videoaufnahmen ein defektes Fahrwerk auf der rechten Seite der Cessna ausgemacht. "Junior", seine Frau Amy und die einjährige Tochter Isla erholen sich zu Hause in North Carolina von dem Unfall.

Seiner Funktion als TV-Kommentator für NBC wird Earnhardt Jr. frühestens in zwei Wochen in Darlington wieder nachkommen. Abgesehen davon ist er dort nach aktuellem Stand der Dinge für eine aktive Teilnahme am Rennen der zweiten NASCAR-Liga vorgesehen. Für sein eigenes Team JR Motorsports soll "Junior" beim Darlington-Rennen der Xfinity-Serie den Chevrolet Camaro mit der Startnummer 8 fahren.

Stage 1: Larson nach packenden Duellen mit Hamlin und Elliott vorn

Beim Cup-Rennen in Bristol erwischte derweil Polesetter Denny Hamlin den besten Start. Nach 15 Runden aber nahm ihm Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet) die Führung ab, weil Hamlin in Richtung Mauer driftete. Keine zehn Runden später holte sich Hamlin, dessen Auto als erstes auf der Außenbahn funktionierte, die Spitzenposition zurück. Kurz darauf war wiederum Larson am Zug, dann abermals Hamlin. Je nach Position der Überrundeten auf der Strecke wechselte die Führung in der Anfangsphase mehrfach zwischen Hamlin und Larson hin und her.

In Runde 80 gab es die erste von insgesamt acht Gelbphasen. Grund war eine Kollision, die direkt vor der Nase des Spitzenreiters passierte. Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet) fuhr dem abrupt langsamer gewordenen Austin Dillon (Childress-Chevrolet) ins Heck. Spitzenreiter Hamlin kam mit einer leichten Berührung vergleichsweise glimpflich davon.

So ging es knapp 40 Runden vor Ende des ersten Rennsegments (Stage 1) geschlossen unter Gelb an die Box. Weil an Hamlins Auto länger gearbeitet wurde, kam Larson als Erster aus der Boxengasse zurück auf die Strecke. Beim Restart verteidigte Larson die Führung. Erster Verfolger des Ganassi-Piloten war nun Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet).

Bei der Überrundung von Daniel Hemric (Childress-Chevrolet) fand Elliott zwei Runden vor Stage-Ende für wenige Meter einen Weg vorbei an Larson. Seite an Seite gingen sie in die letzte Runde dieses Segments. Letztlich behauptete sich Larson knapp und holte sich seinen vierten Stage-Sieg der Saison. Als Dritter hinter Elliott sah Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota) die erste Stage-Flagge des Abends.

Stage 2: Freud und Leid für Stewart/Haas - Kurt Busch vorn

An der Box aber wurde Chase Elliott am schnellsten abgefertigt. So führte der Hendrick-Pilot den Restart an, der den Rennbetrieb im zweiten Segment eröffnete. Am besten in die Gänge aber kam Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford). Er fuhr sich von der vierten direkt auf die zweite Position nach vorn und nahm die Verfolgung von Elliott auf.

In Runde 165 war es soweit: Harvick nahm Elliott die Führung ab und der verlor direkt noch eine weitere Position an Martin Truex Jr. Derweil musste der Polesetter und anfängliche Spitzenreiter Denny Hamlin außerplanmäßig unter Grün die Box aufsuchen, weil es Vibrationen gab. Aus dem gleichen Grund hatte in Stage 1 schon Joey Logano (Penske-Ford) unter Grün stoppen müssen. Hamlins Pech aber: Nur eine Runde nach seinem Boxenstopp sorgte Aric Almirola (Stewart/Haas-Ford) mit Mauerkontakt nach Kollision mit J.J. Yeley (Ware-Ford) für Gelb.

Truex Jr. übernahm an der Box die Führung von Harvick. Beim Restart blieb der Gibbs-Pilot vorn. Dahinter duellierten sich Kyle Larson und Ryan Blaney (Penske-Ford) um die zweite Position vor Harvick. Ein erneuter Mauerkontakt von Almirola rief eine weitere Gelbphase auf den Plan. Truex Jr. entschied auch den folgenden Restart für sich. Dahinter setzte sich Kurt Busch (Ganassi-Chevrolet) in Szene und klopfte beim Zweitplatzierten Blaney an, bevor er vorbei kam.

Ein Dreher von Clint Bowyer (Stewart/Haas-Ford) nach Kontakt mit Quin Houff (Premium-Chevrolet) sorgte kurz vor Ende von Stage 2 nochmals für eine Gelbphase. Und diese wurde vom Großteil der Spitzengruppe zum vorgezogenen Routinestopp genutzt. Kurt Busch aber blieb draußen.

Wenig später hatte Vorjahressieger Kurt Busch den Stage-2-Sieg in der Tasche. Zweiter und Dritter in diesem Segment wurden zwei Piloten, die im Kampf um den Playoff-Einzug jeden (Bonus-)Punkt dringend brauchen: Daniel Suarez (Stewart/Haas-Ford) und Ryan Newman (Roush-Ford). Für Stewart/Haas gab es aber nicht nur gute Nachrichten, denn am Auto von Kevin Harvick trat nach zuvor 28 Führungsrunden ein Getriebeschaden auf - Feierabend.

Stage 3: Drei Reifenschäden hintereinander sorgen für Wirbel

Während Kurt Busch als Stage-2-Sieger unter Gelb an die Box kam, blieben 14 Piloten, die ihren Boxenstopp vorgezogen hatten, nun auf der Strecke. Angeführt wurde diese Gruppe von Kyle Busch (Gibbs-Toyota), der somit beim Restart zu Beginn von Stage 3 ganz vorn lag. Damit verbuchte der achtmalige Bristol-Sieger seine ersten Führungsrunden des Abends. Es blieb allerdings vorerst bei elf Führungsrunden, denn dann übernahm Brad Keselowski (Penske-Ford) das Kommando.

Knapp 100 Runden später holte sich Kyle Busch die Führung zurück und es entwickelte sich ein packendes Duell zwischen ihm und Keselowski. Wie schon in Stage 1 zwischen Denny Hamlin und Kyle Larson, so wechselte nun auch zwischen diesen beiden die Führung mehrfach hin und her. Kyle Busch setzte sich für den Moment durch, als ab 150 Runden vor Schluss gleich drei Reifenschäden binnen weniger Umläufe für Wirbel sorgten.

Erst erwischte es Martin Truex Jr. mit Reifenschaden vorn rechts. Sekunden später krachte Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet) in die Mauer: Reifenschaden hinten links, der auch Joey Logano und Bowmans Hendrick-Teamkollege William Byron in Bedrängnis brachte. Das war allerdings nur der Anfang.

Denn unmittelbar nachdem das Rennen für wenige Sekunden wieder freigegeben wurde, erlitt Ryan Blaney einen Reifenschaden vorn rechts. Dabei wurden Ricky Stenhouse (Roush-Ford), die Front-Row-Teamkollegen David Ragan und Michael McDowell sowie einmal mehr Jimmie Johnson ins Verderben gerissen. Auslöser für Blaneys Reifenschaden war eine leichte Berührung mit Daniel Hemric gewesen.

An der Spitze lag inzwischen Erik Jones, der sich in den wenigen Sekunden Grün zwischen den zwei Gelbphasen an Teamkollege Kyle Busch vorbei in Führung gesetzt hatte. Als es weiterging, schoben sich auch Matt DiBenedetto und Chase Elliott an Busch vorbei.

DiBenedetto verpasst ersten Sieg knapp

Und DiBenedetto kam so richtig in Fahrt. Gut 100 Runden vor Schluss nahm er Jones die Führung ab. Der rutschte bei dieser Gelegenheit in die Mauer. Eine Berührung mit DiBenedetto gab es nicht, dafür aber eine leichte mit Elliott, der Jones nicht ausweichen konnte. Jones musste unter Grün die Box aufsuchen. Elliott hingegen jagte DiBenedetto.

Doch 50 Runden vor Schluss fand sich Elliott nur noch an dritter Stelle wieder. Von hinten nämlich kam Denny Hamlin mit Riesenschritten. Und so war es nun der Polesetter, der Jagd auf DiBenedetto machte. Der Spitzenreiter wurde insbesondere bei der (mit Berührung passierten) Überrundung von Ryan Newman etwas aufgehalten.

Matt DiBenedetto fährt 2020 nicht mehr den Leavine-Toyota, jetzt bestes Ergebnis

Matt DiBenedetto fährt 2020 nicht mehr den Leavine-Toyota, jetzt bestes Ergebnis LAT

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18 Runden vor Schluss hatte Hamlin mit seinem Gibbs-Toyota das Heck von DiBenedettos Leavine-Toyota erreicht. 14 Runden vor Schluss gab es den ersten Angriff. Doch die Überrundungen waren wie so oft in diesem 500-Runden-Rennen Zünglein an der Waage. DiBenedetto blieb zunächst vorn. 11 Runden vor Schluss aber wurde der Toyota mit der Startnummer 11 dann doch wieder auf P1 notiert. DiBenedetto versuchte noch einmal zu kontern, schaffte es aber nicht mehr.

Statt des ersten Sieges für Matt DiBenedetto gab es den 35. Sieg für Denny Hamlin und seinen bereits vierten in der laufenden Saison 2019. P2 ist für den 2020 aktuell arbeitlosen DiBenedetto dennoch das bisher beste Ergebnis seiner Karriere. Brad Keselowski, Kyle Busch und Chase Elliott rundeten die Top 5 ab.

Playoff-Einzug: Für Bowyer und Johnson wird es eng

In puncto Playoff-Einzug hätte es im Falle eines Sieges von Matt DiBenedetto gehörige Verschiebungen gegeben. So aber wären derzeit Ryan Newman und Daniel Suarez knapp in den Playoffs drin. Newman belegte im Rennen P11. Suarez punktete nach P2 in Stage 2 schließlich auch am Ende mit P8 solide.

Im Gegenzug wären nach aktuellem Stand der Dinge allen voran Clint Bowyer und Jimmie Johnson nicht im 16-köpfigen Feld der Titelkandidaten dabei. Bowyer belegte trotz seines Stage-2-Drehers noch P7, rangiet aktuell aber zwei Punkte hinter Suarez. Johnson kam nach seinen zwei unverschuldeten Crashs nur auf P19 mit vier Runden Rückstand ins Ziel. Ihm fehlen schon 26 Punkte auf Suarez und damit den aktuell letzten Playoff-Platz.

Das kommende Wochenende ist im Kalender der Monster Energy NASCAR Cup Series 2019 das letzte rennfreie. Weiter geht es in zwei Wochen in Darlington, wo das Southern 500 das vorletzte Rennen der Regular-Season darstellt. Eine Woche später gibt es in Indianapolis die letzte Chance auf einen Einzug in die Playoffs, bevor diese am 15. September in Las Vegas beginnen.

Mit Bildmaterial von LAT.