NASCAR Fort Worth: Kyle Busch beendet Durststrecke, stiehlt Playoff-Show

Mario Fritzsche
·Lesedauer: 8 Min.

Ein NASCAR-Rennen an einem Mittwoch hat es im Coronajahr 2020 schon dreimal gegeben. Dabei handelte es sich aber in allen drei Fällen (Darlington 2, Charlotte 2 und Martinsville 1) um genau so geplante Renntermine. Ein Rennen, das sonntags losging, aber erst mittwochs zu Ende ging, ist etwas Neues. Genau das trifft auf das Autotrader EchoPark Automotive 500 auf dem Texas Motor Speedway in Fort Worth zu.

Nach sage und schreibe drei wetterbedingten Vertagungen spielte das Texas-Wetter am Mittwoch endlich mit. Mit lediglich zwei Stunden Verspätung gegenüber der angekündigten Zeit wurde das drittletzte Saisonrennen mit dem Stand der Unterbrechung vom Sonntag fortgesetzt. Mehr noch: Es wurde sogar die 334. Runde absolviert und somit mit drei Tagen Verspätung doch noch die volle Renndistanz über die Bühne gebracht.

FOTOS: Autotrader EchoPark Automotive 500 in Fort Worth

Den Sieg holte sich im Zuge einer riskanten Spritstrategie Kyle Busch (Gibbs-Toyota). Für den NASCAR-Champion von 2019 hat damit eine 33 Rennen dauernde sieglose Phase ein Ende gefunden. Mit seinem ersten Saisonsieg 2020 hat Kyle Busch nun doch noch sichergestellt, dass er in jeder einzelnen seiner vollen Cup-Saisons (seit 2005) mindestens ein Rennen gewonnen hat.

ERGEBNIS: Autotrader EchoPark Automotive 500 in Fort Worth

Aus den Playoffs ist Kyle Busch schon vor Wochen ausgeschieden. In eben diesen befindet sich Gibbs-Teamkollege Martin Truex Jr. noch. Er aber scheiterte am Mittwoch um weniger als eine halbe Sekunde am Sieg und damit am Finaleinzug. Um das Finale doch noch zu erreichen, muss Truex Jr. am Sonntag in Martinsville gewinnen. Denn aufgrund der 20 Punkte Abzug vom Sonntag hat er anderweitig keine (realistische) Chance mehr.

Aktuell ist Kansas-Sieger Joey Logano (Penske-Ford) weiterhin der einzige Fahrer, der sicher im vierköpfigen Finale (8. November in Phoenix) steht.

Playoff-Stand nach 8 von 10 Rennen:

1. Joey Logano (Penske-Ford): für "Championship 4" qualifiziert

1. Joey Logano (Penske-Ford): für "Championship 4" qualifiziert<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
1. Joey Logano (Penske-Ford): für "Championship 4" qualifiziertJohn Harrelson / Motorsport Images

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3 Rennsiege (1 in den Playoffs) - 6 Stage-Siege - Platz 5 bei Ende der Regular-Season

2. Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford): 42 Punkte im Plus

2. Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford): 42 Punkte im Plus<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
2. Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford): 42 Punkte im PlusJohn Harrelson / Motorsport Images

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9 Rennsiege (2 in den Playoffs) - 7 Stage-Siege - Platz 1 bei Ende der Regular-Season

3. Denny Hamlin (Gibbs-Toyota): 27 Punkte im Plus

3. Denny Hamlin (Gibbs-Toyota): 27 Punkte im Plus<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
3. Denny Hamlin (Gibbs-Toyota): 27 Punkte im PlusJohn Harrelson / Motorsport Images

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7 Rennsiege (1 in den Playoffs) - 10 Stage-Siege - Platz 2 bei Ende der Regular-Season

4. Brad Keselowski (Penske-Ford): 25 Punkte im Plus

4. Brad Keselowski (Penske-Ford): 25 Punkte im Plus<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
4. Brad Keselowski (Penske-Ford): 25 Punkte im PlusJohn Harrelson / Motorsport Images

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4 Rennsiege (1 in den Playoffs) - 7 Stage-Siege - Platz 3 bei Ende der Regular-Season

5. Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet): 25 Punkte im Minus

5. Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet): 25 Punkte im Minus<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
5. Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet): 25 Punkte im MinusJohn Harrelson / Motorsport Images

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1 Rennsieg - 4 Stage-Siege - Platz 12 bei Ende der Regular-Season

6. Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet): 25 Punkte im Minus

6. Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet): 25 Punkte im Minus<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
6. Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet): 25 Punkte im MinusJohn Harrelson / Motorsport Images

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3 Rennsiege (1 in den Playoffs) - 9 Stage-Siege - Platz 7 bei Ende der Regular-Season

7. Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota): 36 Punkte im Minus (20 Punkte Abzug)

7. Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota): 36 Punkte im Minus (20 Punkte Abzug)<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
7. Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota): 36 Punkte im Minus (20 Punkte Abzug)John Harrelson / Motorsport Images

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1 Rennsieg - 5 Stage-Siege - Platz 4 bei Ende der Regular-Season

8. Kurt Busch (Ganassi-Chevrolet): 81 Punkte im Minus

8. Kurt Busch (Ganassi-Chevrolet): 81 Punkte im Minus<span class="copyright">John Harrelson / Motorsport Images</span>
8. Kurt Busch (Ganassi-Chevrolet): 81 Punkte im MinusJohn Harrelson / Motorsport Images

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1 Rennsieg (1 in den Playoffs) - 1 Stage-Sieg - Platz 11 bei Ende der Regular-Season

Rennfortsetzung mit drei Tagen Verspätung

Mit dem Stand nach 52 Runden - Clint Bowyer (Stewart/Haas-Ford) in Führung vor Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet) - wurde am Mittwoch in Fort Worth kurz nach 16:00 Uhr Ortszeit (22:00 Uhr MEZ) wieder Renntempo aufgenommen. Der erste Crash des Tages (nicht des Rennens) ließ aber nicht lange auf sich warten.

Sieben Runden nach der erneuten Grünen Flagge verlor Matt Kenseth seinen Ganassi-Chevrolet in Turn 4 aus der Kontrolle und erwischte dabei unglücklich den Petty-Chevrolet von Darrell "Bubba" Wallace - frühes Aus für beide nach drei Tagen Herumlungern in ihren im Infield geparkten Wohnmobilen ...

Stage-Siege für Clint Bowyer und Kyle Busch

Nach beinhartem Duell gegen den am Sonntag vom Feldende gestarteten Martin Truex Jr. rettete sich Clint Bowyer als Erster zur ersten Stage-Flagge. Mit insgesamt 105 Rennrunden auf der Uhr ging der Stage-1-Sieg also an Bowyer, gefolgt von Truex Jr. und dessen Gibbs-Teamkollege Erik Jones.

Playoff-Teilnehmer aber landeten abgesehen von Truex Jr. nur zwei weitere in den Top 10 dieses ersten Rennsegments: Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) und der schon sicher im Finale stehende Penske-Pilot Joey Logano.

Martin Truex Jr.: P2 in allen drei Segmenten und doch satter Punkterückstand

Martin Truex Jr.: P2 in allen drei Segmenten und doch satter Punkterückstand<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Martin Truex Jr.: P2 in allen drei Segmenten und doch satter PunkterückstandMotorsport Images

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In Stage 2 verbuchte zunächst Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet) einige Führungsrunden. Mit einem missglückten Boxenstopp aber gingen dem nach wie vor im Titelkampf vertretenen Nachfolger von Jimmie Johnson zahlreiche Positionen verloren. Anschließend führte Truex Jr. lange, zögerte aber seinen Green-Flag-Stop eine Runde zu lange hinaus und hatte daher mit Aussetzern zu kämpfen.

So ging der Stage-2-Sieg überraschend an Kyle Busch. Für den nicht mehr im Titelkampf 2020 befindlichen Vorjahreschampion war es erst der dritte Stage-Sieg der Saison. Truex Jr. kam trotz Aussetzern wieder als Zweiter über die Linie, Bowman trotz missglücktem Boxenstopp als Dritter. In Reihen der Titelkandidaten errangen zudem noch Brad Keselowski (Penske-Ford) und Kevin Harvick Bonuspunkte.

Mit dem letztem Liter Sprit: Erster Saisonsieg für Kyle Busch

Im letzten Rennsegment, das komplett unter Grün lief, bestimmte Kyle Busch das Geschehen dann souverän. Zwar verbuchte auch Clint Bowyer zahlreiche Führungsrunden. In seinem Fall aber war absehbar, dass er nicht ohne einen letzten Tankstopp über die Runden kommen würde. 23 Runden vor Schluss kam er an die Box.

So übernahm Kyle Busch wieder die Führung, musste aber kräftig zittern. Mit Gibbs-Teamkollege Martin Truex Jr. direkt hinter sich konnte Busch nicht übermäßig viel Sprit sparen. Letzten Endes rettete er 0,468 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Unmittelbar nach dem Burnout auf der Start/Ziel-Gerade aber war der Tank des grauen #18 Gibbs-Toyota trocken. Die Victory Lane wurde nur unter kräftiger Mithilfe eines Bergungsfahrzeugs erreicht.

Hinter dem Gibbs-Doppelerfolg mit Kyle Busch und Martin Truex Jr. wurde der nächstjährige Gibbs-Pilot Christopher Bell beim drittletzten Einsatz des Rennstalls Leavine Family Racing starker Dritter - und das beim Heimspiel des Teams. 2021 ist das Team von Bob Leavine nicht mehr mit von der Partie.

Derweil hatten die beiden Protagonisten der Regular-Season diesmal wenig zu lachen. Der neunfache Saisonsieger Kevin Harvick erholte sich zwar zügig von seinem am Sonntag eingefangenen Rundenrückstand. Weil er aber mit Vibrationen an seinem Stewart/Haas-Ford kämpfte, geriet er erneut in Rundenrückstand. Am Ende wurde es P16 als erster Überrundeter.

Der siebenfache Saisonsieger Denny Hamlin, der beim ersten Crash des Tages zwischen Matt Kenseth und "Bubba" Wallace großes Glück hatte, ohne allzu großen Schaden an seinem Gibbs-Toyota davongekommen zu sein, kämpfte ebenfalls mit Vibrationen und schaffte es als Neunter gerade so in die Top 10.

Der als Spitzenreiter in die dreimal vertagte Rennfortsetzung gegangene Clint Bowyer kam im planmäßig drittletzten Rennen seiner NASCAR-Karriere auf P17 ins Ziel, nachdem er kurz vor Schluss noch einmal tanken musste. Jimmie Johnson, dessen Vater Gary am Sonntag das Kommando zum ursprünglichen Start gegeben hatte, erlitt in seinem planmäßig drittletzten NASCAR-Rennen auf Top-10-Kurs liegend einen Motorschaden.

Playoff-Stand: Vier Fahrer im Zugzwang

Weil der Rennsieg an einen Fahrer außerhalb des achtköpfigen Playoff-Kreises ging, befinden sich nun vor dem letzten Rennen der "Round of 8" vier Playoff-Teilnehmer im absoluten Zugzwang.

Den beiden Hendrick-Piloten Alex Bowman (P5) und Chase Elliott (P20 mit Rundenrückstand nach Vibrationen) fehlen jeweils 25 Punkte auf den "Cut". Martin Truex Jr. liegt inklusive der 20 Punkte Abzug trotz P2 in allen drei Rennsegmenten nun schon 36 Punkte zurück. Und Kurt Busch weist zehn Tage nach seinem Motorschaden vom Kansas-Rennen trotz P7 im Texas-Rennen sogar satte 81 Punkte Rückstand auf.

Das letzte Rennen der "Round of 8", das die endgültige Entscheidung über weiterhin noch drei gesuchten der insgesamt vier Finalteilnehmer bringt, findet am Sonntag auf dem Halbmeilen-Oval in Martinsville statt. Aufgrund der außergewöhnlichen Verzögerungen am Texas-"Wochenende" geht es somit schon in vier Tagen erneut rund - hoffentlich ausschließlich auf und nicht wieder über der Strecke.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.