Michael Jordan: Was sich NASCAR von ihm als Teambesitzer verspricht

Jim Utter
·Lesedauer: 6 Min.

Das von Basketball-Superstar Michael Jordan gegründete NASCAR-Team hat noch nicht einmal einen offiziellen Namen. Der Einfluss auf die gesamte Branche aber ist schon jetzt weitreichend spürbar. Und bei NASCAR glaubt man, dass das erst der Beginn riesiger Möglichkeiten ist.

Im September verkündete Jordan, seines Zeichens sechsmaliger NBA-Champion als Spieler für die Chicago Bulls und inzwischen der Besitzer des NBA-Teams Charlotte Hornets, dass er in Kooperation mit NASCAR-Routinier Denny Hamlin für die Saison 2021 der NASCAR Cup Series sein eigenes Rennteam an den Start bringt. Als Fahrer steht Darrell "Bubba" Wallace unter Vertrag. Jordan und Hamlin sind seit vielen Jahren enge Freunde.

Wallace, der einzige afroamerikanische Vollzeitfahrer in einer der drei NASCAR-Ligen (Cup, Xfinity, Truck), gehörte im Sommer zu denjenigen, die NASCAR am lautstärksten vertraten, als es um Reaktion auf die USA-weiten Proteste gegen Rassendiskriminierung ging. Aktuell bringt Wallace seine letzte Saison im Team von NASCAR-Legende Richard Petty zu Ende, bevor er 2021 zum neuen Team von Jordan/Hamlin kommt. Für Jordan ging es bei der Gründung des Rennstalls vor allem um das Timing.

Darrell "Bubba" Wallace wechselt vom Petty-Team zum Team von Jordan/Hamlin

Darrell "Bubba" Wallace wechselt vom Petty-Team zum Team von Jordan/Hamlin<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Darrell "Bubba" Wallace wechselt vom Petty-Team zum Team von Jordan/HamlinMotorsport Images

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"Die Diversifizierung unserer Fangemeinde hat für uns höchste Priorität", so Gregory, die überzeugt ist: "Einen einflussreichen Teambesitzer und Sportler wie Michael Jordan in unserem Sport zu haben, wird uns in diversen Zuschauergruppen viel mehr Sichtbarkeit verschaffen."

"Dank unserer intensiven Erforschung des Fahrermarkts wissen wir, dass Siege auf der Rennstrecke eine größere Fan-Bindung abseits der Strecke zur Folge haben. Umso wichtiger ist es daher, dass dieses neue Rennteam konkurrenzfähig ist, Runden anführt und Rennen gewinnt", so die NASCAR-Marketingchefin.

Und Gregory weiß, dass genau das "ein erklärtes Ziel von Michael Jordan und seinem Team ist", denn: "Sie treten an, um zu gewinnen. Das ist kein halbherziges Projekt. Sie wollen konkurrenzfähig sein, und zwar von Beginn an. Ich glaube, die Absicht ist vorhanden und ich glaube, auch die Ressourcen werden absolut vorhanden sein. Sie werden nichts unversucht lassen, um in der NASCAR Cup Series im kommenden Jahr ernsthafter Mitspieler und nicht nur Teilnehmer zu sein."

Der Jordan-Effekt ist jetzt schon spürbar

NASCAR hat allein schon durch die Bekanntgabe der Gründung des Teams von Jordan/Hamlin messbare Erfolge erzielt, ohne dass das Auto überhaupt einen Meter gefahren wäre. Es gab fast 3.000 Nachrichtenmeldungen, die von der Gründung des Teams berichteten. Zum Vergleich: Die Bekanntgabe des Rennkalenders für die Saison 2021 der NASCAR Cup Series - in der Branche eine lang erwartete und wichtige Sache - generierte rund 1.600 Nachrichtenmeldungen.

Denny Hamlin ist Mitbesitzer, "Bubba" Wallace ist Fahrer in Michael Jordans Team

Denny Hamlin ist Mitbesitzer, "Bubba" Wallace ist Fahrer in Michael Jordans Team<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Denny Hamlin ist Mitbesitzer, "Bubba" Wallace ist Fahrer in Michael Jordans TeamMotorsport Images

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Daten zeigen, dass Twitter-spezifische Erwähnungen der Ankündigung des Jordan-Teams fast 131.000 Tweets ausmachten. Diese haben 1,3 Milliarden Reaktionen hervorgerufen, wobei nur zu zwei Prozent davon negative waren. Der Einfluss von Michael Jordan ist real und geht weit über NASCARs Bemühungen zu mehr Diversität hinaus. Denn Jordan selbst und seine Marken besitzen eine weltweite Reichweite.

Jordan ist natürlich untrennbar mit dem Sportartikelhersteller Nike verbunden. Hamlin trägt das "Jumpman"-Logo von Air Jordan seit Jahren auf seinem Rennoverall, auf seinen Rennfahrerhandschuhen und auf seinen Rennfahrerschuhen. Und als Hamlin Anfang des Jahres sein eigens E-Sport-Team ins Leben rief, war Jordan dem Vernehmen nach persönlich an der Gestaltung eines der Autodesigns für dieses virtuelle Rennteam beteiligt.

Die NASCAR-Lizenzierung der Videospielreihe NASCAR Heat ist ein riesiges Geschäft, das Rennautos virtuell in die Hände der Welt legt. Man stelle sich nur einmal vor, wie beliebt das von Michael Jordan mitentworfene Design auf dem Massenmarkt für Videokonsolen in den gesamten Vereinigten Staaten wäre.

"Ich finde, der Einstieg von Michael Jordan ist ein Beweis für die Stärke von NASCAR und die Möglichkeiten, die für uns als Sport vor uns liegen", sagt Gregory dazu und merkt an: "Ich glaube nicht, dass ein erbitterter Wettkämpfer wie Michael Jordan echte Zeit und echte Ressourcen einsetzen würde, wenn er nicht daran glauben würde, auf dieser Plattform erfolgreich sein zu können."

Jordans Einstieg "ein riesiges Kompliment" für NASCAR

"Die Tatsache", so Gregory weiter, "dass NASCAR als Branche ihm gezeigt hat, dass es eine Möglichkeit gibt, auf der Rennstrecke zu kämpfen und abseits der Rennstrecke etwas zu bewegen, ist meiner Meinung nach eine riesige Chance für uns. Michael Jordans Ruhm und Stellenwert als Sportlegende sind allgemein bekannt. Es ist ein riesiges Kompliment für uns, dass jemand von seinem Kaliber und mit seiner Reichweite und Vermarktungsmöglichkeit seine Zeit und Energie in die Plattform NASCAR investieren möchte."

Gregory ist überzeugt davon, dass der durch die Bekanntgabe des Teams von Jordan und Hamlin ausgelöste Enthusiasmus sogar noch zunehmen wird, sobald das Team mehr und mehr Gestalt annimmt und mit den Vorbereitungen auf den Wettbewerb beginnt.

"Wenn sich einer der weltweit berühmtesten Sportler zu NASCAR bekennt, ist das etwas, worauf die Leute aufmerksam werden. Ich glaube, sie sind interessiert daran zu sehen, wie sich das Team schlagen wird und welchen Beitrag Michael leisten wird. Das ist möglicherweise etwas, was die Leute nie zuvor gesehen haben", sagt sie.

Michael Jordan: Bekennender NASCAR-Fan und auch häufig Gast bei MotoGP-Rennen

Michael Jordan: Bekennender NASCAR-Fan und auch häufig Gast bei MotoGP-Rennen<span class="copyright">Ducati Corse</span>
Michael Jordan: Bekennender NASCAR-Fan und auch häufig Gast bei MotoGP-RennenDucati Corse

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Was also kommt als Nächstes? Details zum Aufbau des Teams, dem Personal und dem Standort stehen noch aus. Laut Gregory plant NASCAR zusammen mit dem Team für das Jahr 2021 eine Vielzahl von Programmen, insbesondere im Hinblick auf das Thema Diversität.

"Wir haben gewissermaßen ein offenes Feld vor uns. Welche immense Wirkung die Gründung des Teams und Michael Jordan als Teambesitzer haben, konnten wir zu einem gewissen Grad bereits anhand der Reaktionen auf die Bekanntgabe erkennen. Meiner Meinung nach wird es aber auch wichtig sein, wie sich das Team auf der Strecke schlägt. Wir kennen den Kampfgeist und die Investitionen, die dahinter stehen und wir glauben, dass sie sehr gut abschneiden werden", so Gregory.

"Alles in allem wird das schlicht und ergreifend eine weitere Dimension von Möglichkeiten für unseren Sport eröffnen - sei es für andere Teambesitzer, Fahrer oder Crewmitglieder. Es entstehen einfach neue Möglichkeiten für Fans und Mitbewerber gleichermaßen", ist die NASCAR-Marketingchefin vom Einfluss des Teams von Michael Jordan und Denny Hamlin mit Fahrer "Bubba" Wallace schon jetzt überzeugt.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.