Nato warnt vor "hohem Preis" bei überstürztem Abzug aus Afghanistan

·Lesedauer: 1 Min.
Nato-Generalsekretär Stoltenberg
Nato-Generalsekretär Stoltenberg

Angesichts von Plänen zur Verringerung der US-Truppen in Afghanistan hat die Nato vor einem überstürzten Abzug gewarnt. "Der Preis eines zu frühen oder unkoordinierten Abzugs könnte sehr hoch sein", erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS könnte dann in Afghanistan "das Terror-Kalifat wieder aufbauen, das sie in Syrien und im Irak verloren hat", und das Land könnte zu einer "Plattform für internationale Terroristen" werden.

Nach Medienberichten will die scheidende Regierung von US-Präsident Donald Trump die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan bis Mitte Januar um weitere 2000 auf dann nur noch 2500 verringern. Im Oktober hatte Trump sogar angekündigt, er wolle alle verbliebenen US-Soldaten bis Weihnachten abziehen. Dies hatte für erhebliche Unruhe im Bündnis gesorgt, da die Einheiten der anderen Nato-Länder in Afghanistan auf die logistische Unterstützung der USA angewiesen sind. Auch die Bundeswehr ist in Afghanistan im Einsatz.

In einem mit den radikalislamischen Taliban geschlossenen Abkommen hatten sich die USA verpflichtet, ihre Streitkräfte bis Mai 2021 schrittweise abzuziehen. Im Gegenzug sagten die Taliban Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul zu.

Die Nato unterstütze den Friedensprozess, erklärte Stoltenberg. Er sprach aber mit Blick auf einen möglichen Abzug von einer "schwierigen Entscheidung". Er sei dazu "in engem Kontakt mit den USA wie auch mit allen anderen Alliierten".

"Auch bei weiteren Reduzierungen durch die USA wird die Nato ihre Mission zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte fortsetzen", betonte Stoltenberg. Er verwies darauf, dass derzeit "mehr als die Hälfte" der rund 12.000 Soldaten in der Nato-Mission "Resolute Support" nicht aus den USA kämen.

mt/cp