Twerking-Tanz bei Navy-Veranstaltung sorgt für Ärger

Stefica Budimir-Bekan
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Eine Tanzgruppe twerkt bei einer wichtigen Marine-Veranstaltung und bringt ganz Australien in Aufruhr. In den sozialen Medien hagelt es Kritik und sogar der australische Premierminister schaltet sich ein.

Die twerkenden Tänzerinnen sorgten mit ihrer Performance für jede Menge Aufruhr (Bild: Screenshot ABC)
Die twerkenden Tänzerinnen sorgten mit ihrer Performance für jede Menge Aufruhr (Bild: Screenshot ABC)

Eigentlich sollte es bei der Veranstaltung im australischen Woolloomooloo darum gehen, das Marineschiff "HMAS Supply" würdevoll einzuweihen. Doch wenn man die Medien und die Internet-User fragt, war dieser Auftritt alles andere als würdevoll. Gemeint ist die Performance von sieben Tänzerinnen, die vor dem milliardenschweren Marineschiff in kurzen Shorts lasziv ihre Hüften schwingen und ganz à la Miley Cyrus für das Publikum twerken. Es wird mit Begriffen wie "unangemessen" und "erniedrigend" um sich geworfen. Denn: Unter den Zuschauern befinden sich auch hochrangige und namhafte Militärs der Royal Australien Navy. 

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

Die Royal Australian Navy hat die HMAS Supply heute in Sydney eingeweiht und oh, diesen Tanz organisiert, um das zu feiern. 

Ein ABC-Video der Performance verbreitet sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien und erntet einen Shitstorm. Solch ein Tanz bei einer offiziellen militärischen Veranstaltung, unvorstellbar! Senatorin Jacqui Lambie, eine Army-Veteranin, bezeichnete die Entscheidung der Navy, die Tänzerinnen zu engagieren, als "völligen Schocker". Sie dachte, sie würde die Halbzeit-Show des Super Bowl ansehen. "Gut für diese Ladys, dass sie aufgetreten sind, aber halbnackt vor einem Kriegsschiff zu tanzen, ist vermutlich unangemessen", sagte sie. Viele andere Kommentatoren fanden, dass die Twerking-Choreografie der tanzenden Damen "Frauen erniedrigt". 

Erniedrigungen müssen nun aber auch die Mitglieder der Tanzgruppe "101 Doll Squadron" über sich ergehen lassen. Laut der Leiterin der Tanztruppe, Maya Sheridan, werden die Tänzerinnen seither angefeindet, mussten sogar ihre Facebook-Seite deaktivieren. Die jungen Frauen gaben an, sich nicht mehr "sicher" und "ausgenutzt" zu fühlen. Und das zu Recht. Denn: Das ABC-Video ist nachträglich verfälscht und völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden! 

"Wir fühlen uns verletzt und sind enttäuscht"

"Hier wurde nur ein kleiner Teil herausgeschnitten", erklärte Sheridan. "Der Tanz wurde vor der offiziellen Zeremonie gezeigt, bevor die offiziellen Würdenträger eingetroffen sind. Es sollte in keinster Weise respektlos wirken und wir fühlen uns verletzt und sind enttäuscht, dass es so dargestellt worden ist." Und auch andere Medien greifen das Thema auf, zeigen gewagte Szenen des Tanzes ohne richtigen Kontext.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

Nicht cool, Daily Telegraph!

Im offiziellen Statement der Gruppe heißt es: "Wir fanden es sehr gruselig und finden, dass es das Bedürfnis der ABC-Verantwortlichen zeigt, Frauen sexualisieren zu müssen." Weiter heißt es: "Wir sind sehr enttäuscht, dass ABC den Videoausschnitt irreführend bearbeitet und Gäste und Würdenträger hineingeschnitten hat, die gar nicht teilgenommen haben." 

Damit gemeint sind Australiens Generalgouverneur David Hurley und der Chef der australischen Navy, die in dem ABC-Video gezeigt werden und scheinbar die Performance der Tanzgruppe verfolgen. Wie das Verteidigungsministerium später allerdings erklärte, waren die beiden zum Zeitpunkt des Auftritts gar nicht anwesend.

ABC veröffentlicht Entschuldigung

Und auch ABC muss seinen Fehler eingestehen und entschuldigt sich: "Unser Reporterteam hatte zunächst geglaubt, die beiden seien anwesend gewesen, weil sie in den Filmaufnahmen des Events zu sehen waren und die Regierung gesagt hat, sie seien dort gewesen." Weiter heißt es: "Das Video hätte nicht auf diese Weise bearbeitet werden dürfen und ABC entschuldigt sich beim Generalgouverneur, dem Chef der Navy und den Zuschauern für diesen Fehler." Schließlich meldet sich sogar Australiens Premierminister Scott Morrison zu Wort: "Es ist sehr enttäuschend, dass die Australier in dieser Sache so irregeführt worden sind."