Tausende Nawalny-Anhänger bei Anti-Putin-Protesten in Russland - Viele Festnahmen

Anna SMOLCHENKO
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In Moskau und zahlreichen weiteren russischen Städten sind tausende Menschen dem Aufruf des inhaftierten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny zum Protest gegen Staatschef Wladimir Putin gefolgt. Rund 10.000 Menschen nahmen an einer nicht genehmigten Demonstration im Zentrum der russischen Hauptstadt teil, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Sie trieb die Demonstranten gewaltsam auseinander und nahm zahlreiche Protest-Teilnehmer fest, darunter auch Nawalnys Ehefrau Julia.

In Moskau versammelten sich die Demonstranten am Puschkin-Platz, bevor sie weiter in Richtung Kreml ziehen wollten. Viele der Menschen hielten Banner mit Aufschriften wie "Freiheit für Nawalny", "Russland wird frei sein" oder "Putin ist ein Mörder" in die Höhe. Die Polizei versuchte, die Demonstranten mit Schlagstöcken auseinanderzutreiben.

Bereits vor dem offiziellen Beginn der Demonstration nahm die Polizei rund 20 Menschen fest, wie AFP-Reporter beobachteten. Dutzende weitere Festnahmen erfolgten während des Protests. Nawalnys Frau Julia Nawalnaja meldete ihre Festnahme über ihren Kanal im Online-Dienst Instagram. Aus einem Gefangenentransporter der Polizei heraus veröffentlichte sie ein Bild von sich, das sie mit der Botschaft versah: "Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität. Das Licht im Polizeitransporter ist sehr schlecht."

Die Zahl der Festnahmen landesweit gab die Bürgerrechtsorganisation OWD mit mehr als tausend an.

Nawalny hatte zu den Protesten gegen Putin aufgerufen, nachdem er am Sonntag vergangener Woche unmittelbar nach seiner Rückkehr von Deutschland nach Russland festgenommen worden war. In Berlin war der 44-Jährige nach einem Giftanschlag im August behandelt worden. Am Montag verhängte ein russisches Gericht in einem Eilverfahren 30 Tage Haft gegen ihn wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen. Nawalny macht für den Mordanschlag den Kreml verantwortlich.

Der 44-Jährige sitzt nun im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Matrosskaja Tischina, in dem bereits mehrere Oppositionelle zu Tode kamen. Nawalnys enger Verbündeter Leonid Wolkow sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", es sei in Russland schon vorgekommen, dass Oppositionelle zwei Mal hintereinander vergiftet worden seien. Die russische Zivilbevölkerung rief er deshalb zum Protest auf. "Der einzige Schutz" für Nawalny seien "maximale Sichtbarkeit und Unterstützung in der Bevölkerung".

Landesweit folgten am Sonntag zahlreiche Menschen Nawalnys Aufruf zum Protest. Die ersten Kundgebungen fanden im Fernen Osten Russlands und in Sibirien statt, wo nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation OWD etwa 200 Menschen festgenommen wurden.

Etwa 2000 Menschen demonstrierten im Zentrum von St. Petersburg. Auch dort gab es zahlreiche Festnahmen. Im nordrussischen Jaktustk trotzten Demonstranten extrem winterlichen Temperaturen von minus 50 Grad und gingen für Nawalnys Freilassung auf die Straße.

In der Pazifikküstenmetropole Wladiwostok skandierten die Demonstranten Parolen wie "Freiheit für Nawalny" und "Putin ist ein Dieb". Russland befinde sich "wegen Putins Regime in einem Zustand vollständiger Rechtslosigkeit", sagte die junge Demonstrantin Maria Kiritschenko.

Nawalny und seine Anhänger werfen dem Kreml unter anderem Korruption vor. Diese Woche hatte Nawalnys Team eine Recherche über einen Luxus-Palast veröffentlicht, der angeblich Putin gehören und durch Bestechungsgelder finanziert worden sein soll. Das Video wurde seit Dienstag fast 68 Millionen Mal angesehen. Der Kreml hat die in dem Video erhobenen Vorwürfe bestritten.

Sowohl der Giftanschlag als auch die Verhaftung Nawalnys nach seiner Rückkehr nach Moskau hatten international Empörung ausgelöst. Die EU und die USA forderten die sofortige Freilassung des Kreml-Kritikers. Nach der Inhaftierung Nawalnys wurden auch die Stimmen nach einer Einstellung des deutsch-russischen Pipeline-Projekts Nord Stream 2 lauter. Das EU-Parlament forderte am Donnerstag einen Baustopp an der Pipeline sowie Sanktionen gegen Beteiligte am Vorgehen gegen Nawalny und andere russische Oppositionelle.

isd/lan