„Nazi-Grausamkeiten an Kindern“: Türkische regierungsnahe Zeitung macht Deutschland schockierende Vorwürfe

John Stanley Hunter

Die regierungsnahe türkische Zeitung „Star“ erhebt auf ihrem Titelblatt schwere Vorwürfe gegen Deutschland. Jedes Jahr würden 10.000 türkische Kinder in Deutschland konvertiert und „zum Hans gemacht“ werden, heißt es unter der Überschrift „Nazi-Grausamkeiten an den Kindern“.

Die Zeitung ist in der Vergangenheit immer wieder durch Artikel aufgefallen, mit denen gegen Deutschland Stimmung gemacht wird. Zuletzt betitelte sie den in der Türkei inhaftierten „Welt“-Journalisten Deniz Yücel auf ihrer Titelseite mit „Kein Journalist — PKK-Auftragsmörder“.

Star

Das Blatt scheint sich bei den Zahlen nicht sicher zu sein: Während in der Überschrift noch die Rede von 10.000 Kindern pro Jahr ist, wird weiter unten im Artikel dann von 4.000 Kindern gesprochen. Seit 1965 sollen insgesamt 100.000 türkische Kinder durch das deutsche Jugendamt von ihren Eltern getrennt — beziehungsweise beschlagnahmt — worden sein, und anschließen von christlichen Familien „anti-türkisch“ und „türkeifeindlich“ erzogen worden sein.

Dabei sollen ihnen die Sprache, Religion, Rasse und Kultur ausgetrieben worden sein, so die Vorwürfe. Die Zeitung bietet jedoch keine haltbaren Beweise.

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Der Politikwissenschaftler und Journalist Ismail Küpeli bewertete die Vorwürfe als unhaltbar. Es sei unklar, ob der Journalist, auf dessen angebliche Recherchen „Star“ sich bezieht, überhaupt existiert, sagte er dem Business Insider.

Küpeli ordnet diese Art von Artikel nicht unbedingt in den aktuellen Wahlkampf um das am 16. April anstehende Referendum ein, sondern vielmehr in die allgemeine Stimmungsmache regierungsnaher türkischer Medien gegen Deutschland.

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