Nena und die andere Meinung - Als junge Grüne ihre Umverteilungfantasien verbreitet, zucke ich zurück

Nena Brockhaus beschäftigt sich dieses Mal mit der Grünen Jugend.<span class="copyright">privat/dpa</span>
Nena Brockhaus beschäftigt sich dieses Mal mit der Grünen Jugend.privat/dpa

Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland die Fünf-Tage-Woche weiterhin brauchen. Ich würde aktuell sogar noch weiter gehen und eine 41-Stunden-Woche fordern. Das Geld für die Extrastunde sollte steuerfrei sein. Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Katharina Stolla, sieht das komplett anders. Im ZDF haben wir gegeneinander debattiert. Schenken Sie mir einen Augenblick für beide Meinungen!

Vier-Tage-Woche, Work-Life-Balance, Sabbatical nach zwei Berufsjahren und Home-Office in Vollzeit sind die Lebenslügen unserer Zeit! Wie ich darauf komme? Die Menschen belügen sich mit jenen Konzepten selbst und gaukeln anderen vor, dass Erfolg auch mit wenig Einsatz möglich ist.

Die Wahrheit ist: Es gibt auf der Welt genug andere Menschen, die hart an ihrem Erfolg arbeiten. Die klüger, besser und erfolgreicher werden und die Work-Life-Balance-Fraktion einfach abhängen. Wenn man wirklich etwas reißen will, sollte man lieber auf Arnold Schwarzenegger und seine mitreißende Rede an der Stanford-Universität hören: „You can't climb the ladder of success with your hands in your pockets!“ (frei übersetzt: Erfolg ist nicht möglich mit den Händen in den Hosentaschen)

Arnold Schwarzenegger erzählt dabei eine Geschichte von Muhammad Ali, der einmal gefragt wurde, wie viele Liegestütze er denn im Training mache. Die Antwort war typisch für einen erfolgreichen Champion. Muhammad Ali antwortete: „Keine Ahnung. Ich fange erst an zu zählen, wenn es anfängt, weh zu tun. Denn ab diesem Zeitpunkt wird es erst interessant.“

Es führt kein Weg an harter Arbeit vorbei

Wenn man erfolgreich sein will, führt kein Weg an harter Arbeit vorbei. Man bekommt nichts geschenkt und kein Erfolg der Welt fällt vom Himmel. Erst wenn man wirklich jeden Stein umgedreht hat, dann weiß man, dass man alles für den Erfolg getan hat. Deswegen bin ich dafür: Lasst uns endlich wieder in die Extrameile verlieben, Leistung und Erfolg feiern. Hart für etwas zu arbeiten, ist ein großartiges Gefühl.

Wir Menschen können nicht verlangen, von der Gesellschaft von der Geburt bis zum Tod die Verantwortung für unser eigenes Leben abgenommen zu bekommen. Einst stand der soziale Aufstieg im Fokus. Der Ausnahmebanker Alfred Herrhausen bekam von seinem Vater den Rat: „Wie ich dich einschätze, bist du mindestens durchschnittlich intelligent, und wenn du jeden Tag eine Stunde mehr arbeitest als die anderen, dann müsste es klappen.“

Heutzutage gilt hingegen zu oft: Wer arbeitet, ist oft der Dumme. Sich anzustrengen, ist reaktionär. Der Extrameter, die Überstunde oder das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen gelten zu oft als kaum zumutbare Härte. Eine auf staatliche Umverteilung geeichte Gesellschaft reagiert mit Empörung, Unverständnis und Schelte gegenüber jenen, die mehr Arbeit und Leistungssteigerung einfordern.

Wieso brennt ihr nicht für euren Job?

Ich würde die Menschen, die nur vier Tage pro Woche arbeiten wollen, nicht als faul bezeichnen. Aber ich frage mich schon seit Längerem: Wieso brennt ihr nicht für euren Job? Was können wir tun? Wie können wir helfen? Wie können wir die Arbeitszufriedenheit steigern, ohne die Stunden zu verringern? Aber kommen wir von der individuellen Ebene einmal auf die wirtschaftliche Ebene.

Ich bin mir sicher: Der europäische Binnenmarkt funktioniert nicht mit einer Vier-Tage-Woche und vom Homeoffice aus. Kein Wunder, dass Griechenland nun die Sechs-Tage-Woche auf freiwilliger Basis einführt. Wir bräuchten auch in Deutschland eher die 41-Stunden-Woche als die Vier-Tage-Woche.  Denn bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit der Deutschen gibt es bereits heute Luft nach oben.

Laut des EU-eigenen Statistik-Portals „Eurostat“ lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit hierzulande im Jahr 2022 bei nur noch 34,7 Stunden. Zehn Jahre zuvor haben wir Deutschen im Schnitt noch knapp eine Stunde länger gearbeitet (35,5 Stunden).

Meine Debatte mit der Jung-Grünen

All das habe ich kürzlich in der ZDF-Sendung „13 Fragen“ gesagt. Und von der Gegenseite herben Gegenwind erhalten. Besonders von der bundespolitischen Sprecherin der Grünen, Katharina Stolla. Dass zwischen uns eine hitzige Debatte zu nennen, ist nicht übertrieben.

Auf die Frage, ob es der richtige Zeitpunkt sei, um über die Vier-Tage-Woche zu sprechen, antwortete Stolla: „Ich erinnere mich noch, als der Mindestlohn eingeführt wurde, da habe ich auch von allen Seiten gehört: 'Wir können uns das nicht leisten. Der Friseurladen muss jetzt schließen.' Ich glaube, wir sind hier alle gut frisiert. Das ist nicht so ausgegangen. Die Frage, die sich stellt, ist: 'Was braucht es dann, wenn wir die Vier-Tage-Woche einführen? Was muss an Unterstützung kommen und was muss sich ändern?' Ich kann das auch ehrlich gesagt nicht mehr hören: Es ist immer ein schlechter Zeitpunkt.“

Angesprochen auf den Fachkräftemangel, sagt Stolla: „Ich finde die Debatte rund um den Fachkräftemangel ganz interessant. Weil ich habe das Gefühl, manchmal wird die auch von politischen und gesellschaftlichen Akteuren geführt, die alles andere tun, als sich ernsthaft dafür einzusetzen, dass man das Fachkräftemangelproblem lösen würde. Wenn ich höre, dass wir uns das jetzt nicht leisten können, weil wir es nicht schaffen, Geflüchtete gut in den Arbeitsmarkt zu integrieren, dann frage ich mich, warum der eine oder andere fordert, das Arbeitsverbot für Flüchtlinge aufrechtzuerhalten. So wie die Debatte geführt wird, ist sie manchmal scheinheilig.“

Für die junge Grüne ist Umverteilung der Weg

Besonders großes Potenzial sieht die Bundessprecherin der Grünen bei den Frauen: „Es gibt ganz große Potenziale im Bereich der Frauenerwerbstätigkeit. Ganz, ganz viele Frauen arbeiten in Deutschland in Teilzeit. Wie schaffen wir es, Frauen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren? Wie schaffen wir es, dafür zu sorgen, dass sie mehr am Arbeitsleben teilhaben können? (…) Vielleicht, wenn alles auf dem Tisch liegt und wir alles ausreizen, haben wir dann vielleicht immer noch nicht genügend Fachkräfte, um alles so aufrechtzuerhalten, wie wir es haben. Aber dann müssen wir uns doch fragen: Wie schaffen wir es trotzdem, eine lebenswertere Arbeitswelt zu schaffen und auch eine Arbeitszeitreduktion?“

Die Lösung für alles, wenn es nach Katharina Stolla geht: gerechtere Vermögensverteilung. Stichwort: Umverteilung. Wie könnte es auch anders sein bei einer Jung-Grünen? Stolla stellt klar: „Es besteht die Möglichkeit, kleinere Betriebe zu unterstützen, indem man die Kosten auffängt. Das sehen wir an verschiedenen Modellbeispielen in anderen Ländern und ich frage mich schon, ob nicht die Wahrheit ist … Wenn wir uns anschauen, warum die Preise so stark gestiegen sind, dann liegt es vor allem daran, dass große Unternehmen massive Profite gemacht haben und damit zum Beispiel die Lebensmittel zum Treiber der Inflation wurden. (…) Und wenn man sagt, große Übergewinne, große Profite kannst du besteuern und damit kannst du zu einer Umverteilung beitragen, die im Endeffekt dazu führt, dass wir sagen: Ja, wir leisten es uns, weniger zu arbeiten, aber wir nehmen nicht in Kauf, dass damit die Preise steigen. Weil es politische Maßnahmen gibt, die das verhindern.“

Bei ihren Umverteilungsfantasien geraten wir richtig aneinander

Ich fühle mich bei den Umverteilungsfantasien Stollas sichtlich unwohl auf dem ZDF-Spielfeld und gehe einen Schritt zurück. Als ich dann Griechenland mit der Einführung der freiwilligen Sechs-Tage-Woche anbringe, gerate ich mit Katharina Stolla so richtig aneinander.

Sie verdreht leicht die Augen und wirkt  verärgert, als sie mir entgegnet: „Was man gleichzeitig in Deutschland sieht, ist, dass immer mehr Menschen in Teilzeit gehen. Und ich finde, daran sieht man ja, dass es ein großes Bedürfnis gibt zu sagen: Natürlich möchte ich arbeiten. Natürlich schätze ich auch den großen Wert der Arbeit. Aber zum einen, ich pack das nicht oder zum anderen, das ist einfach nicht vereinbar mit einem Familienleben, in dem ich zum Beispiel 40 Stunden arbeite und mich gleichzeitig noch um Familie und Haushalt kümmere. Ich möchte nicht, dass es eine Frage des Geldbeutels ist, ob ich mich dafür entscheiden kann, für meine Familie und Kinder da zu sein.“

Die Grüne Katharina Stolla sieht die Verantwortung für das private Familienleben selbstverständlich wie immer: beim Staat. Mit Freiheitsverfechtern wie mir kann sie wenig anfangen. Das wird auch abseits der Debatte sehr deutlich.

Alles in allem war es mit der bundespolitischen Sprecherin der grünen Jugend dennoch ein respektvoller Meinungsaustausch

Doch mich interessiert am meisten, was sie denken, liebe Leser! Sind sie diese Woche Team Stolla, oder Team Brockhaus? Team Vier-Tage-Woche, oder Team Fünf-Tage Woche?  Seien Sie sich gewiss, ich lese immer all Ihre Kommentare. Jeden Einzelnen. Jede Woche. In diesem Sinne:  Wenn Sie mögen, lesen wir uns nächste Woche Samstag wieder.  Ihre Nena Brockhaus