Nervenkitzel nach wahren Ereignissen: Ron Howard verfilmte Rettungsdrama in der Tham-Luang-Höhle

Die Taucher besprechen mit den mutigen Kids die Vorgehensweise beim gefährlichen Weg zurück aus einer überfluteten Höhle in die Freiheit. (Bild: Amazon Prime Video)
Die Taucher besprechen mit den mutigen Kids die Vorgehensweise beim gefährlichen Weg zurück aus einer überfluteten Höhle in die Freiheit. (Bild: Amazon Prime Video)

Es war ein News-Ereignis, das 2018 weltweit die Schlagzeilen und Sondersendungen beherrschte: Die dramatischen Rettungsaktionen für eine Gruppe thailändischer Jugendliche, die in einem überfluteten Höhlensystem gefangen waren, hielten die Welt in Atem. Oscar-Preisträger Ron Howard liefert nun den wuchtigen Action-Film dazu.

Eigentlich sollte es ein unbeschwertes Trainingscamp werden, zu dem sich zwölf thailändische Jungs und ihr Coach versammelt hatten. Ein bisschen kicken. Und dann noch etwas Nervenkitzel im feuchten Dunkel beim Besuch in der touristisch eigentlich gut erschlossenen Tham-Luang-Höhle. Es kam alles ganz anders - furchtbar anders. Der mit viel Hollywood-Bombast inszenierte Actionfilm "Dreizehn Leben" aus dem berühmten "James-Bond"-Studio MGM hätte sich sicher auch auf einer weltweiten Kinoauswertung gut gemacht. Nun zeigt ihn der Streaming-Anbieter Amazon Prime ab Freitag, 5. August, als exklusive Premiere.

Oscar-Regisseur Ron Howard (2002 doppelt für Regie und den besten Film bei "Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" ausgezeichnet) konnte mit "Herr der Ringe"-Star Viggo Mortensen und Colin Farrell ("The Batman") A-Klasse-Schauspieler zusammentrommeln, um seine Sicht auf das weltweit beachtete Rettungsunternehmen zu präsentieren. Es ist eine sehr amerikanische (Taucher-)Brille, durch die man blickt.

Oscar-Preisträger Ron Howard verfilmt mit "Dreizehn Leben" die dramatische Rettungsaktion einer Gruppe junger Fußballer und ihres Trainers, die in der thailändischen Höhle Tham-Luang von Wasserfluten überrascht und eingeschlossen wurden. (Bild: Amazon Prime Video)
Oscar-Preisträger Ron Howard verfilmt mit "Dreizehn Leben" die dramatische Rettungsaktion einer Gruppe junger Fußballer und ihres Trainers, die in der thailändischen Höhle Tham-Luang von Wasserfluten überrascht und eingeschlossen wurden. (Bild: Amazon Prime Video)

Wettlauf der Filmemacher

Der Nervenkitzel eines Wettrennens gegen die Uhr spiegelt sich auf kuriose Weise in den Produktionsbedingungen des Films. Immerhin behauptet sich Amazon Prime mit dieser aufwendigen Erstausstrahlung in Konkurrenz zu dem aktuell in den US-Kinos anlaufenden Drama "Cave Rescue". Ende September soll bei Netflix eine Mini-Serie mit dem Titel "Thai Cave Rescue" das gleiche Thema aufgreifen.

Fast ein wenig in den Hintergrund rückt da die Tatsache, dass die Rettungsaktionen im thailändischen Dschungel einst nicht nur alle Nachrichten-Sondersendungen dominierten, sondern dass es auch schon eine bewegende Dokumentation "The Rescue" auf Disney+ gab. Und schon unmittelbar nach dem medialen Großereignis einen in Thailand entstandenen Film namens "The Cave", der allerdings international zunächst wenig Beachtung erhielt. Nun also die ganz große Pauke, auf die Ron Howard haut. Dass er sich auf die Re-Inszenierung von weltbewegenden authentischen Ereignissen versteht, hatte er ja schon 1995 - ebenfalls mit einem Star-Ensemble - im Weltraumfilm "Apollo 13" bewiesen.

Eigentlich hatten sich die jungen Fußballer auf ein unbeschwertes Ferienabenteuer gefreut. (Bild: Amazon Prime Video)
Eigentlich hatten sich die jungen Fußballer auf ein unbeschwertes Ferienabenteuer gefreut. (Bild: Amazon Prime Video)

Wenn auch Elite-Marinetaucher nichts ausrichten können

Doch zurück zu den jungen Fußballern im Film, die zunächst als aufgekratzte, unbedarfte Hobby-Höhlen-Erkunder vorgestellt werden. Doch dann wendet sich das Blatt drastisch: Unbemerkt von den Kindern und Teenagern im Alter von elf bis 16 Jahren setzen nämlich in der Außenwelt starke Regenfälle ein. Und die verzweigten unterirdischen Kavernen füllen sich so schnell mit Wasser, dass plötzlich alle Rückzugswege verschlossen sind. Immer tiefer flüchtet sich die Gruppe ins Berg-Innere - hinein in eine tödliche Falle.

Die besorgten Eltern sehen nur noch gurgelndes Wasser - und bedrohliches Dunkel. Rasch fährt rund um die Höhle eine gigantische Rettungsmaschinerie auf, angeführt von thailändischen Elitesoldaten, die umgehend die ersten Versuche starten, durch das gefährliche Wassersystem zu den eingeschlossenen Jungs zu tauchen. Doch die Marine-Schwimmer kennen das offene Meer, mit den Tücken von unterirdischer Beklemmung kommen sie nicht gut klar.

Klaustrophobische Enge - tief im Inneren eines Berges

Es ist letztlich die Stunde der Ausländer: Die erfahrenen Höhlentaucher John Volanthen (Colin Farrell) und Rick Stanton (Viggo Mortensen) rechnen sich bessere Chancen aus. Dass sie vor Ort mit offenen Armen empfangen werden, kann man jedoch nicht sagen. Doch dann gelingt ihnen das Unerwartete: Sie tauchen tief in den Berg und stellen den ersten Kontakt zur Gruppe der Dreizehn her, die sich in eine zumindest noch trockene Ecke der vielen Höhlen flüchten können. Was die Taucher nicht beantworten können, ist die bange Kinder-Frage: "Können wir jetzt rausgehen?".

Die Kids und ihren Coach durch die klaustrophobischen Unterwasserwege zurück und damit in Sicherheit zu bringen, erscheint wie eine unlösbare Aufgabe. Es besteht kaum Hoffnung auf eine Überlebenschance. Selbst trainierte Experten wie John brauchen für den Tauchgang mehr als sechs Stunden - unter hoher Lebensgefahr. Wie soll das zusammen mit den Teenagern gelingen? Und dann wird auch noch der Sauerstoff knapp. Die Uhr tickt.

"Dreizehn Leben" ist ein Film, der es schafft, sein Publikum zu fesseln. Dieser Film ist unfassbar spannend - auch wenn der Ausgang des Geschehens natürlich bekannt sein dürfte. In technischer Hinsicht, etwa was die grandiose Arbeit von Kameramann Sayombhu Mukdeeprom angeht, kann man dem Film ohnehin nichts vorwerfen. Dennoch wirkt die Regiearbeit von Ron Howard bisweilen fast noch hektischer und fahriger als das einstige reale Geschehen. Und vor lauter Action verpasst er es, den eigentlich Betroffenen - in und um die Höhle - menschlich nahezukommen.

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