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Israel meldet Fund von Hamas-Tunnel unter UNRWA-Hauptquartier im Gazastreifen

Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen Tunnel der Hamas unter dem Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) in der Stadt Gaza entdeckt. (JACK GUEZ)
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen Tunnel der Hamas unter dem Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) in der Stadt Gaza entdeckt. (JACK GUEZ)

Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen Tunnel der Hamas unter dem Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) in der Stadt Gaza entdeckt. Die rund 700 Meter lange Anlage sei "ein wichtiger Trumpf für die militärischen Aufklärungsdienste der Hamas" gewesen, hieß es am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung von Armee und dem israelischen Geheimdienst Schin Bet. Unterdessen warnte die Hamas Israel für den Fall eines Angriffs auf die Grenzstadt Rafah vor Auswirkungen auf Verhandlungen über die Freilassung von Geiseln.

Der Eingang des Hamas-Tunnels befindet sich laut israelischem Militär und Geheimdienst nahe einer von der UNRWA betriebenen Schule in der Stadt Gaza. Ein AFP-Fotograf filmte im Beisein der israelischen Armee unter anderem einen Raum mit Kabeln und Metallschränken, die offenbar Elektronik enthielten. Die "elektrische Infrastruktur" des Tunnels war den israelischen Angaben zufolge mit dem UNRWA-Sitz verbunden und wurde mutmaßlich von dort mit Strom versorgt.

UNRWA-Chef Philippe Lazzarini erklärte angesichts der israelischen Berichte, das Hauptquartier in der Stadt Gaza sei seit dem 12. Oktober nicht genutzt worden. Er gab an, von dem Tunnel nichts gewusst zu haben und forderte eine unabhängige Untersuchung.

Israels Außenminister Katz nannte Lazzarinis Aussagen im Onlinedienst X (vormals Twitter) "absurd" und sprach von einem "Affront gegen den gesunden Menschenverstand". Er forderte den Rücktritt des UNRWA-Chefs.

Ähnlich scharf äußerte sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft. Sollten sich die israelischen Berichte bestätigen, habe "das Ausmaß der Komplizenschaft und Kumpanei der UNRWA mit der Hamas eine neue Qualität", erklärte deren Präsident Volker Beck. Er forderte einen "geordneten Ausstieg" aus der Finanzierung des Hilfswerks.

Bereits Ende Januar waren gegen das UNRWA schwere Vorwürfe bekannt geworden: Zwölf Mitarbeiter stehen im Verdacht, in den beispiellosen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober verstrickt gewesen zu sein. Als Reaktion auf die Vorwürfe kündigten zahlreiche Staaten, darunter Deutschland und die USA, einen Stopp ihrer Zahlungen an das Hilfswerk an.

Beim Überfall der von der EU und der USA als Terrororganisation eingestuften Hamas auf Israel waren israelischen Angaben zufolge rund 1160 Menschen getötet und 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. Israel kündigte daraufhin die Vernichtung der Hamas an und startete einen massiven Militäreinsatz im Gazastreifen. Nach jüngsten Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dort seitdem mehr als 28.100 Menschen getötet.

Die israelischen Angriffe konzentrierten sich am Wochenende nach übereinstimmenden Berichten des israelischen Militärs und von Augenzeugen auf die Städte Chan Junis und Rafah im Süden des Gazastreifens. Das Gesundheitsministerium der Hamas meldete am Sonntag 112 Tote und dutzende Luftschläge.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hielt trotz internationaler Warnungen an den Plänen für eine Militäroffensive in der Stadt Rafah fest. Der Sieg sei "in Reichweite", sagte Netanjahu in Interview mit dem US-Sender ABC News. "Wir werden die verbleibenden Hamas-Terrorbataillone und die letzte Bastion Rafah einnehmen."

Für die Evakuierung der mehr als eine Million Menschen in der Stadt kündigte Netanjahu Korridore an. "Wir werden der Zivilbevölkerung einen sicheren Weg aus der Stadt ermöglichen", sagte er. Es gebe in den vom israelischen Militär geräumten Gebieten nördlich von Rafah "reichlich Platz", Israel erarbeite einen "detaillierten Plan".

In Rafah sind seit Beginn der der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen mehr als eine Million Flüchtlinge aus anderen Teilen des Palästinensergebietes gestrandet.

Ein Hamas-Vertreter erklärte indes gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, jeder Angriff auf Rafah würde die Verhandlungen über einen möglichen Austausch weiterer israelischer Geiseln gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen "torpedieren".

Im vergangenen November waren während einer einwöchigen Feuerpause 105 Geiseln gegen 240 palästinensische Häftlinge ausgetauscht worden. Nach israelischen Angaben befinden sich noch 132 Geiseln im Gazastreifen, 29 sind demnach mittlerweile gestorben.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnten mit Blick auf einen möglichen Angriff auf Rafah vor einer "humanitären Katastrophe". Die rund 1,3 Millionen Menschen könnten sich "nicht in Luft auflösen", schrieb Baerbock auf X. Kritik an den Plänen Israels kam auch aus den USA, Saudi-Arabien und Katar.

se/bfi