Netzbetreiber gegen Gabriels neues Erdkabelkonzept für Stromtrassen

Das Vorhaben von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), einige der neuen Windstromtrassen nach Süddeutschland möglichst vollständig unterirdisch zu verlegen, stößt bei den Netzbetreibern auf Widerstand. "Aufgrund veränderter Rahmenbedingen müssten wir die Suche ganz von vorne beginnen", sagte der Chef des Unternehmens Tennet, Urban Keussen, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Freitag. "Das würde zu keiner Beschleunigung, sondern zu einem Zeitverzug führen, den wir uns nicht leisten können", fügte er hinzu. Anders sähe es aus, wenn nur Teile der Trasse statt als Freileitungen als Erdkabel verlegt würden.

Tennet habe in das laufende Planungsverfahren zwei Jahre Zeit mit intensivem Bürgerdialog investiert, sagte Keussen. "Wenn wir die Kriterien grundlegend verändern, muss das alles neu aufgerollt werden", warnte er. Zudem kämen hohe Zusatzkosten auf die Stromverbraucher zu. Allein das Projekt Suedlink sei eine Milliardeninvestition. "Sollten Erdkabel den Vorrang bei Gleichstromverbindungen bekommen, dann reden wir allein bei diesem einen Projekt über mehrere Milliarden Euro, die dann zusätzlich anfallen", sagte Keussen der Zeitung.

Wenn im Jahr 2022 die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet sind, soll Suedlink Windstrom von der Küste in den Süden bringen. Geplant sind zwei Stromtrassen, eine zwischen Wilster in Schleswig-Holstein und Grafenrheinfeld in Bayern sowie zwischen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Großgartach in Baden-Württemberg.

Gebaut wird bereits jetzt eine Trasse von Lauchstädt in Sachsen-Anhalt ebenfalls nach Grafenrheinfeld in Bayern. Gegen die Stromtrassen regt sich vor allem in Bayern und Hessen großer Widerstand. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und zahlreiche Bürgerinitiativen versuchen Suedlink in der geplanten Form zu verhindern.

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