Neu in Köln: Von Ulan-Bator auf den Uni-Campus

Jeder zehnte Kölner Student kommt aus dem Ausland. Manche von sehr weit weg.

Es ist drei Jahre her, dass Tsegi Batsukh (26) die lange Reise von der mongolischen Kapitale Ulan-Bator nach Köln gemacht hat. Mehr als 8200 Kilometer mit dem Flugzeug quer über Asien und Europa, mit ein bisschen deutscher Sprache im Gepäck, die sie in der Heimat gelernt hatte, und vielen Erwartungen. In Köln studiert sie Internationale Kommunikation und Bildung, ein Fach dass es in Deutschland nur in Köln gibt. „Man muss aus der Komfortzone heraus“, sagt sie. „Aber ich war auch ziemlich aufgeregt.“

250 internationale Studenten wurden am Donnerstag im Kölner Rathaus von Bürgermeister Hans-Werner Bartsch, Ansgar Büschgen, Prorektor der Universität Köln für wissenschaftliches Personal und Nachwuchs, und Klaus Wilsberg vom Kölner Studierendenwerk begrüßt. Die Hochschulgruppen waren im Atrium des Rathauses mit Ständen vertreten, an die sich die Neulinge wenden konnten. Denn Tipps und wichtige Adressen erleichtern den Start ins Studium ungemein, weiß auch Batsukh, die sich in der Zentralasiatischen Hochschulgruppe engagiert.

Zwischen Campus und Job

Über die Probleme der internationalen Studenten – besonders zu Beginn des Studiums – schreibt sie derzeit ihre Masterarbeit. Der Spagat zwischen Campus, Nebenjob und anderen Aufgaben will gelernt sein. Aufgefallen ist ihr, „dass es sehr schwer ist, Kontakte zu deutschen Studenten zu knüpfen“. Bei Gruppen- oder Hausarbeiten stünden die internationalen Studenten oft allein da. Viele verzweifelten daran, fühlten sich einsam oder pflegten Kontakte nur zu anderen internationalen Studenten. „Die deutsche Kultur ist wie einen Kokosnuss“, sagt Batsukh. Schwer zu öffnen, aber wenn sie offen ist, dann lohnt es sich.

Zu den schlimmsten Momenten im Jahr gehören für Batsukh die Behördengänge. Denn Studenten, die aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland kommen, machen es die Behörden nicht leicht. Die Eltern müssen nachweisen, dass sie das Studium auch finanzieren können. Kippt die wirtschaftliche Situation im Heimatland oder geht die elterliche Firma pleite, dann bekommen die internationalen Studenten schnell Probleme. Denn das Ausländeramt kontrolliert in regelmäßigen Abständen Papiere und finanzielles Polster der Studenten – und verlängert im besten Fall das studentische Visum. „Es ist schlimm zum Ausländeramt zu gehen“, sagt Batsukh. „Unsere ganze Existenz hängt vom Willen der Prüfer ab.“

Hinzu kommt, dass Nicht-EU-Studenten in der Regel kein Bafög erhalten und nur 20 Stunden pro Woche oder 120 Tage im Jahr arbeiten dürfen. Der ständige Kampf ums Geld beschäftige viele internationale Studenten während des gesamten Studiums. „Manche brechen ab, manche werden depressiv“, sagt Batsukh. Die meisten könnten ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit bewältigen. „Wenn man oft arbeiten muss, ist der Kopf nicht frei.“ Werde das Land NRW Studiengebühren für Nicht-EU-Studenten einführen, bedeute dies „das Aus für die Vielfalt an der Uni“, sagt sie. Es könnten dann nur noch Studenten kommen, die reiche Eltern haben oder ein Stipendium wie sie selbst.

Eine Herkulesaufgabe ist es für die internationalen Studenten auch, ein Zimmer in Köln zu finden – zu einem annehmbaren Preis. Köln gilt mehreren Studien zufolge als eine der teuersten Studentenstädte überhaupt, besonders im Bereich der Mieten. Nicht selten zahlen angehende Akademiker 500 Euro für ein Zimmer. Viele pendeln besonders am Anfang des Studiums oder schlafen bei Freunden auf der Coach. Das Kölner Studierendenwerk bietet gut 5000 Zimmer an, erhält aber meist doppelt so viele Anfragen, wie es freie Zimmer gibt. Klaus Wilsberg, Sprecher des Kölner Studierendenwerks, kennt verzweifelten Anfragen von internationalen Studenten, die in Köln angekommen sind, den angespannten Wohnungsmarkt völlig unterschätzt haben – und auf der Straße stehen.

Batsukh hatte Glück und fand direkt ein privates Zimmer, eine Freundin, die ihren Namen nicht nennen will, musste aber zwei Jahre lang bei einer Freundin wohnen. Auch Jamila Poladova (21) sagt: „Die Wohnungssuche war für mich das größte Problem.“ Ein Jahr lang lebte sie bei einer Gastfamilie, die ihnen von Freunden vermittelt worden war. Nun hat die VWL-Studentin aus Aserbaidschan ein Zimmer im Wohnheim gefunden. Um es finanzieren zu können, hat sie im Nebenjob im Einzelhandel gearbeitet, war im Backstage-Bereich der Lanxess-Arena beschäftigt und gibt Mathe-Nachhilfe.

Auf der Suche nach einem Zimmer

Auch an das deutsche Studium musste sich Poladova erst einmal gewöhnen. In Aserbaidschan gibt es beispielsweise Anwesenheitspflicht an den Hochschulen, das Studium ist verschulter. „Hier in Deutschland muss ich selbst sehen, wie ich für meine Prüfungen lernen kann.“

Für Hanyi Zhu (22) war die Sprache die größte Herausforderung. Die Chinesin aus der Stadt Guzhu studiert Mathematik und ist seit drei Jahren in Köln. Daran, dass die Wahl auf Deutschland fiel, ist übrigens ihr Vater schuld. „Er liebt Deutschland, die Pünktlichkeit und den Fleiß“, sagt sie über ihren Vater, der eine Maschinenbaufirma führt. Obwohl Hanyi Zhu seitdem sie 15 Jahre alt ist in Deutschland lebt – zunächst in einem Internet in Chemnitz und nun in Köln – will sie später wieder in die Heimat zurück. Die Eltern seien alt, um sie möchte sie sich kümmern. Zudem sei die deutsche Kultur ihr doch fremder als die chinesische. Speziell im Freizeitbereich habe Deutschland weniger zu bieten....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta