Neue Ackerbaustrategie soll zu mehr Vielfalt auf den Feldern führen

Rapsernte in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer 2018

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will die deutsche Landwirtschaft mit einer neuen Ackerbaustrategie für die kommenden 15 Jahre wappnen. Ein wichtiger Baustein sei dabei die Erweiterung der Fruchtfolgen, erklärte Klöckner am Donnerstag in Berlin. Damit solle der Klimaveränderung begegnet und die Gefahr von Fruchtbarkeitsverlusten verhindert werden.

Die Böden stünden "unter Leistungsdruck", warnte Klöckner. "Im Jahr 1900 hat ein Landwirt zehn Menschen ernährt. Heute ernährt er 155 Menschen."

Diese hohe Produktivitätssteigerung bringe zugleich "Zielkonflikte" bei Umwelt- und Naturschutz, Ökonomie und gesellschaftlicher Akzeptanz mit sich. Diese wollen sie mit ihrer Ackerbaustrategie auflösen. Denn "nur ein gesunder Boden liefert unsere Nahrungs- und Futtermittel und sichert das Einkommen der Landwirte", erklärte Klöckner.

Die Ministerin strebt dabei an, dass auf den Äckern künftig mehr unterschiedliche Kulturen wachsen. Bis 2030 solle das Spektrum jedes Betriebs auf mindestens fünf verschiedene Kulturpflanzen erhöht werden. Derzeit wachsen nach Angaben von Klöckners Ministerium auf rund 70 Prozent der deutschen Ackerfläche lediglich die vier Kulturen Winterweizen, Mais, Wintergerste und Winterraps. Dies fördere aber Resistenzbildungen von Unkräutern oder Ertragsverluste.

Außerdem will Klöckner auch auf die Digitalisierung der Landwirtschaft setzen und "Pflanzenzüchtungen, die robust sind gegen den Klimawandel". Teil der Ackerbaustrategie sind deshalb auch neue Züchtungsmethoden und ein "modernisiertes Zulassungsrecht" in der EU.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, begrüßte Klöckners Strategie: Diese sei "dank der Vielfalt der Maßnahmen ein guter Weg, um den Ackerbau moderner, effizienter und nachhaltiger zu gestalten".

Die SPD-Bundestagsfraktion äußerte hingegen deutliche Kritik. Klöckners Plan trage "nicht dazu bei, dass wir mehr Tierwohl in den Ställen bekommen, es sorgt nicht für mehr Klima-, Umwelt- und Naturschutz, es sorgt nicht für Sicherheit und klare zukunftsfeste Regelungen für unsere Landwirtinnen und Landwirte und es sorgt auch nicht für mehr Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher", erklärte der agrarpolitische Sprecher Rainer Spiering.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beklagte, ohne einen gesetzlichen Rahmen und entsprechende Fördersysteme für bäuerliche Landwirtschaft werde die notwendige Agrarwende weiter verzögert. Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt erklärte zudem, die Herausforderungen durch weiter zunehmende Extremwetterereignisse würden sich "nicht mit technologischen Einzelmaßnahmen wie neuen Gentechnik-Sorten" lösen lassen. "Wir wollen keinen erneuten Versuch, uns Gentechnik aufzutischen."

Ähnlich äußerte sich der Agrar-Experten der Grünen-Fraktion Harald Ebner und Friedrich Ostendorff. Mit der Forderung nach Deregulierung in Sachen Gentechnik verstoße die Ministerin gegen den Koalitionsvertrag und stelle sich gegen die Interessen von Ökosystem, Verbrauchern, aber auch Bäuerinnen und Bauern, "die in Deutschland und Europa sehr gut mit dem Erfolgsmodell gentechnikfreier Landwirtschaft fahren", erklärten sie.

Statt auf Nachhaltigkeit setze die Ackerbaustrategie zudem auf Export, "mit der absurden Rechtfertigung, damit einen Beitrag zur Welternährung zu leisten", kritisierten die Grünen-Politiker. "Doch am deutschen Billig-Schweinefleisch wird die Welt ganz sicher nicht genesen."