Neue Anhörung in Prozess gegen US-Pastor in der Türkei

US-Pastor Brunson in den Hausarrest entlassen

In der Türkei ist am Mittwoch der Prozess gegen den wegen Terrorvorwürfen angeklagten US-Pastor Andrew Brunson fortgesetzt worden. Sein Anwalt Cem Halavurt sagte bei der Ankunft am Gericht in Aliaga in der westlichen Provinz Izmir, er werde "wie jedes Mal" die Freilassung seines Mandanten verlangen und rechne damit, dass dem stattgegeben werde.

Bei der letzten Anhörung im Mai hatte das Gericht entschieden, Brunson wegen angeblicher Fluchtgefahr im Gefängnis zu belassen. Der Geistliche sitzt seit Oktober 2016 unter dem Vorwurf der Unterstützung von Terrororganisationen in Haft. Er wird beschuldigt, die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sowie die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen unterstützt zu haben.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sieht Gülen als Drahtzieher des gescheiterten Militärputschs von Juli 2016 an. Dem Pastor drohen für den Fall seiner Verurteilung bis zu 35 Jahre Haft.

Der US-Geschäftsträger in Ankara, Philip Kosnett, sagte, die "baldigste Klärung" des Falls wäre im Interesse aller. Er fügte hinzu, dass Erdogan und US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat über Brunson gesprochen hätten.

Beide Staatschefs hätten sich für Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen stark gemacht. Trump hatte sich für den Pastor eingesetzt und das Verfahren gegen ihn mehrfach kritisiert. Erdogan hatte angeboten, Brunson freizulassen, wenn Washington Gülen ausliefere. Die USA lehnen das ab.

Brunson, der seit zwei Jahrzehnten in der Türkei lebt und in der westtürkischen Küstenstadt Izmir vor seiner Inhaftierung mit seiner Frau eine kleine christliche Gemeinde leitete, wird auch politische und militärische Spionage vorgeworfen. Er weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

Der Prozess hatte Mitte April begonnen. Er trug zur Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und der Türkei bei. Diese sind unter anderem bereits durch die Unterstützung Washingtons für die kurdische Miliz in Syrien belastet.