Neue Evakuierungen in Syrien nach Anschlag auf Buskonvoi

Zivilisten aus Fua und Kafraja warten auf ihre Weiterfahrt

Vier Tage nach dem verheerenden Anschlag auf einen Buskonvoi mit Geflüchteten ist die Evakuierung mehrerer belagerter Städte in Syrien fortgesetzt worden. Dutzende Busse aus den von den Regierungstruppen kontrollierten Städten Fua und Kafraja erreichten am Mittwoch einen Kontrollpunkt nahe Aleppo, wie ein AFP-Reporter berichtete. Im Stadtgebiet von Aleppo wurden dem Staatsfernsehen zufolge bei einer Explosion mindestens sechs Menschen getötet.

Die Evakuierungen aus mehreren belagerten Städten fanden unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem sich am Samstag am Kontrollpunkt Raschidin ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und 126 Menschen mit in den Tod gerissen hatte, darunter fast 70 Kinder. Zu dem Anschlag bekannte sich bislang niemand.

Am Mittwoch erreichte ein Konvoi von rund 60 Bussen mit 3000 Menschen aus Fua und Kafraja den Kontrollpunkt Raschidin. Fua und Kafraja in der Provinz Idlib werden seit mehr als zwei Jahren von den Rebellen belagert. Elf weitere Busse brachten zudem nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast 300 Menschen aus Sabadani und zwei anderen Ortschaften heraus, die von den Rebellen gehalten und von Regierungstruppen belagert werden.

Die Evakuierungen sind Teil einer langwierig zwischen Regierung und Rebellen ausgehandelten Vereinbarung, die unter Vermittlung ihrer Verbündeten Iran und Katar zustande kam. Katar unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Rebellen, der Iran die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad. Insgesamt sollen dem Abkommen zufolge 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Den Vereinten Nationen zufolge leiden 600.000 Menschen in Syrien unter Belagerungen, meist durch Regierungstruppen, aber auch durch Rebellen und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien wurden bereits mehr als 320.000 Menschen getötet, mehr als die Hälfte der Bevölkerung wurde in die Flucht getrieben.

In der nordsyrischen Stadt Aleppo wurden am Mittwoch nach Angaben des Staatsfernsehens bei der Explosion einer Bombe mindestens sechs Menschen getötet und 32 weitere verletzt. Die Detonation ereignete sich demnach im Stadtviertel Salaheddin. Zunächst war unklar, ob es sich um einen Anschlag handelte oder ob ein Blindgänger explodierte.

Salaheddin war eines der zwischen Rebellen und Regierungstruppen geteilten Viertel, bevor die syrische Armee mit massiver Unterstützung des russischen Militärs Aleppo im Dezember 2016 vollständig zurückeroberte.

Frankreich kündigte unterdessen an, "Beweise" für den vermuteten syrischen Giftgasangriff auf den Ort Chan Scheichun vorzulegen. Außenminister Jean-Marc Ayrault sagte am Mittwoch in Paris, in einigen Tagen werde die Regierung Informationen dazu veröffentlichen. "Sie zeigen, dass das Regime absichtlich Chemiewaffen eingesetzt hat", betonte Ayrault. Syriens Machthaber Assad streitet dies ab.

US-Verteidigungsminister James Mattis sprach sich bei einem Besuch in Riad derweil für ein "starkes" Saudi-Arabien aus. "Ein starkes Saudi-Arabien ist in unserem Interesse", sagte Mattis. Saudi-Arabien, Erzfeind des Iran, ist seit Jahren ein enger Verbündeter Washingtons im Anti-Terror-Kampf und gehört zugleich zu den wichtigsten Unterstützern der Rebellion gegen die syrische Führung unter Assad.

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