Neue Familie von Planetensuchern will bewohnbare Welt bei kühlen Sternen finden

Auf der Suche nach bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems haben Wissenschaftler ein ehrgeiziges Projekt gestartet: Vier Teleskope sollen ab Januar am Paranal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile bei ultrakühlen Sternen nach solchen Planeten suchen, wie die ESO am Mittwoch in Garching mitteilte. Mit ersten Test- und Kalibrierungsaufnahmen begann nun die Phase der Inbetriebnahme dieser sogenannten "Speculoos"-Südsternwarte (SSO).

Als Herzstück des neuen Exoplaneten-Jagdprojekts besteht das SSO aus vier Teleskopen, die mit Ein-Meter-Hauptspiegeln ausgestattet sind. Die Teleskope wurden nach den vier großen Jupitermonden Io, Europa, Ganymed und Callisto benannt.

Ihr Standort auf dem Paranalgelände in der chilenischen Atacamawüste gilt als perfekt geeignet für astronomische Beobachtungen: Der Berg Cerro Paranal, auf dem die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) ihr Flaggschiff betreibt, bietet einen dunklen Himmel und ein stabiles, trockenes Klima.

Mit "Speculoos" wollen die Astronomen nach potenziell bewohnbaren Planeten in Erdgröße suchen, die ultrakühle Sterne oder sogenannte Braune Zwergsterne umkreisen. Deren Planetensysteme sind noch weitgehend unerforscht: Bislang wurden laut ESO nur wenige Exoplaneten gefunden, die solche Sterne umkreisen.

Auch wenn diese leuchtschwachen Sterne schwer zu beobachten sind, gibt es sie den Angaben zufolge doch im Überfluss - sie machen etwa 15 Prozent der Sterne im nahen Universum aus. "Speculoos" soll nun tausend solcher Sterne auf der Suche nach erdgroßen bewohnbaren Planeten erforschen, darunter die nächstgelegenen, hellsten und kleinsten dieser Sternart.

"'Speculoos' ermöglicht es uns, erdähnliche Planeten zu entdecken, die regelmäßig einige unserer kleinsten und kühlsten Nachbarsterne bedecken", erklärte Michael Gillon von der Universität im belgischen Lüttich als Forschungsleiter des Projekts. "Das ist eine einzigartige Gelegenheit, die Geheimnisse dieser nahen Welten zu ergründen."

Das "Speculoos"-Projekt soll in absehbarer Zeit auch die Sternwarte "Speculoos"-Nord und "Saint-Ex" umfassen, die sich derzeit auf Teneriffa beziehungsweise im mexikanischen San Pedro Martir gebaut werden.

Die "Speculoos"-Südsternwarte ist ein Projekt der Universität Lüttich, des Cavendish Laboratory in Cambridge (Großbritannien) und der King Abdulaziz University (Saudi-Arabien). Beteiligt sind auch Wissenschaftler der Universitäten Bern, Birmingham und Warwick. Die ESO unterstützt und betreibt das SSO an ihrem Paranal-Oberservatorium.