"Als wenn neue Pandemie starten würde": Lauterbach sehr besorgt über Corona-Mutationen

teleschau
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Die Kanzlerin schwört auf acht bis zehn harte Wochen ein, und auch bei "maybrit illner" war die Sorge vor den kommenden Wochen in der Coronakrise groß. Karl Lauterbach wies besonders auf eine besorgniserregende Entwicklung hin.

Trotz harten Lockdowns sinken die Corona-Zahlen in Deutschland nicht auf das erhoffte Level. Vom anvisierten Ziel, den landesweiten Inzidenzwert unter 50 zu drücken, ist man weit entfernt - und Besserung scheint zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Zuletzt schwörte Bundeskanzlerin Angela Merkel die deutschen "auf acht bis zehn sehr harte Wochen" ein. Auch in der Ausgabe des ZDF-Talks "maybrit illner" war die Stimmung am Donnerstagabend gedrückt. Gast Karl Lauterbach wies dabei auf eine besorgniserregende Entwicklung hin, die den Kampf gegen die Pandemie erheblich erschweren dürfte: gefährliche und hochansteckende Mutationen des Coronavirus.

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"Eine Mutation, die so viele wichtige Punkte ändert - damit hatte niemand gerechnet. Das ist fast so, als wenn da eine neue Pandemie starten würde", erklärte der SPD-Politiker. Sollte sich die Mutation schnell ausbreiten, würden aufgrund der höheren Infektiosität deutlich höhere Todeszahlen drohen. Außerdem sei für die Erreichung von Herdenimmunität dann eine viel höhere Zahl von Geimpften oder Menschen mit überstandener Infektion nötig. Nun bestünden zwei große Herausforderungen, wie der Epidemiologe betonte: Einerseits sei das der Kampf gegen die Ausbreitung der Mutationen, und andererseits müsse die Geschwindigkeit der jetzigen Welle reduziert werden.

Kompletter Lockdown wäre "im Moment das Beste"

Um letzteres zu erreichen, plädierte Lauterbach für einen kompletten Lockdown: "Ehrlich gesagt wäre das im Moment das Beste. Ich glaube nicht, dass wir die Situation sonst früh genug in den Griff bekommen. Wenn wir in einem Teil-Lockdown bleiben, dann dauert das zu lange, bis wir auf diese Ziel-Inzidenz runter sind." Nur das Allernötigste zu erlauben und auf Betriebsschließungen und angeordnetes Home-Office zu setzen, berge eine große Chance, wieder Kontrolle über die Ausbreitung der Pandemie zu erlangen, denn: "Etwas, was exponentiell wächst - wenn es keine Kontakte mehr gibt - dann geht es auch exponentiell runter."

Sachsens Ministerpräsident MIchael Kretschmer, ebenfalls Gast im Polittalk, intervenierte in diesem Punkt jedoch, bezweifelte die Umsetzbarkeit und sprach von einem Gedankenexperiment. "In der Praxis ist dann auch die deutsche Volkswirtschaft oder die europäische und viele, viele Unternehmen tot", so die Befürchtung des Landeschefs. Eva Hummers, Mitglied der Ständigen Impfkommission und zugeschaltet zur Diskussion, merkte zum Vorschlag Lauterbachs kritisch an: "Wer soll dann die Menschen in den Krankenhäusern und Pflegeheimen versorgen? In der Radikalität geht das gar nicht."

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