Neue Tierhaltungskennzeichnung: foodwatch wirft Özdemir Täuschung vor

·Freiberufliche Journalistin

Der Gesetzentwurf von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir für die neue Tierhaltungskennzeichnung wird von foodwatch scharf kritisiert. Die Verbraucherschützer sprechen von Täuschungspolitik.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. (Bild: Mika Savolainen-Pool/Getty Images)
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. (Bild: Mika Savolainen-Pool/Getty Images)

Für mehr Transparenz im Lebensmittelhandel: Viele Verbraucher, die Fleisch- und Tierprodukte kaufen, wünschen sich seit langem bessere Informationen zu den Haltungsbedingungen der genutzten Tiere.

Abhilfe schaffen soll nach dem Willen von Cem Özdemir ein neues Gesetz für Lebensmittel tierischen Ursprungs. Dafür hat der Bundeslandwirtschaftsminister einen Gesetzentwurf vorgelegt, der künftig eine neue Kennzeichnung vorschreiben soll. So sollen Verbraucher glaubhaft erkennen können, dass die Tiere in einer Haltungsform gehalten wurden, die artgerechtes Verhalten in besonderem Maße ermöglicht.

Label soll fünf Haltungsformen kennzeichnen

"Umfragen zeigen, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher bewusster einkaufen möchten. Sie wollen wissen, wie die Tiere gelebt haben, deren Fleisch sie an der Ladentheke kaufen. Mit der Haltungskennzeichnung können die Verbraucherinnen und Verbraucher klar erkennen, wie ein Tier gehalten wurde, und diese Information bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen", sagte Cem Özdemir bei der Vorstellung seines Gesetzentwurfs in Berlin. Das neue Label soll folgende fünf Haltungsformen kennzeichnen: Stall, Stall + Platz, Frischluftstall, Auslauf/Freiland und Bio.

Das neue Label "ändert rein gar nichts"

An dem Gesetzentwurf übt foodwatch nun scharfe Kritik und wirft Özdemir eine massive Täuschung der Öffentlichkeit vor. Das Label des Bundesagrarministers kennzeichne lediglich die verschiedenen Haltungsformen – ob und wie viele Tiere Schmerzen und Schäden erleiden, sei Herrn Özdemir offenbar egal, denn das werde gar nicht erfasst. Ein Label, das lediglich über die Unterschiede in der Haltung informiere, ändere rein gar nichts an millionenfachen Krankheiten und am Leiden von Nutztieren.

Die neue Tierhaltungskennzeichnungspflicht soll zuerst für Schweinefleisch eingeführt werden. (Bild: Getty Images)
Die neue Tierhaltungskennzeichnungspflicht soll zuerst für Schweinefleisch eingeführt werden. (Bild: Getty Images)

"Egal aus welcher Haltungsstufe: Wer im Supermarkt nach Joghurt, Käse oder Fleisch greift, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt in der Hand, das von einem kranken Tier stammt. Massenhaft leiden Milchkühe an schmerzhaften Euterentzündungen, Hühnern brechen die Knochen und Schweine haben Lungenentzündungen, offene Wunden, Abszesse. Daran ändert Cem Özdemir nichts – schlimmer noch: Sein neues Haltungslabel gaukelt den Verbraucher:innen sogar vor, sie könnten durch ihre Kaufentscheidungen das Elend der Nutztiere lindern", erklärt Matthias Wolfschmidt, Tiermediziner und internationaler Strategiedirektor bei der Verbraucherorganisation foodwatch.

Die ersten Label sollen 2023 kommen

Statt konsequent für das grundgesetzlich garantierte Staatsziel Tierschutz einzutreten und wirklichen Tierschutz in allen Tierhaltungsbetrieben sicherzustellen, betreibe "der Minister im Grunde die gleiche Verbraucher:innen-Täuschungspolitik wie seine Amtsvorgänger:innen".

Bundesrat und Bundestag werden noch in diesem Jahr über den Entwurf beraten. Die ersten Label mit verpflichtenden staatlichen Haltungskennzeichnungen mit den fünf verschiedenen Haltungsformen sollen laut Özdemir bereits im Laufe des kommenden Jahres für Schweinefleisch eingeführt werden.

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