Neue Variante des Coronavirus in Großbritannien entdeckt: Was die Mutation bedeutet

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

In Großbritannien breitet sich eine neue Variante des Coronavirus aus, die sowohl die britischen Behörden als auch die Weltgesundheitsorganisation auf den Plan ruft. Was die neue Mutation für die Pandemie bedeuten könnte, wird derzeit untersucht.

Corona virus close up
Mehrere Tausend Mutationen hat das Coronavirus bereits durchgemacht, die meisten davon ohne große Auswirkung. Ob dies auch für die neuen Mutationen gilt, wird nun untersucht (Symbolbild: Getty Images)

Vor allem in Südengland steigen die Zahlen der Corona-Infizierten gerade wieder rapide an. Wissenschaftler versuchen nun herauszufinden, ob dieser Anstieg mit der neuen Variante des Virus zu tun hat, die in Großbritannien entdeckt wurde. Das zumindest ist der Verdacht von Gesundheitsminister Matt Hancock, der die WHO bereits informiert hat.

Eine neue Mutation an entscheidender Stelle

Vor etwa zwei Monaten wurde die Virusvariante britischen Medien zufolge von dem Covid-19 Genomics UK Konsortium entdeckt, das ihm den Namen “VUI – 202012/01” gab. Es weist eine Reihe von Mutationen auf, was zunächst nicht ungewöhnlich ist. Wie das Konsortium in einer Erklärung mitteilte, weise der als Coronavirus bekannte Stamm SARS-CoV-2 regelmäßig Mutationen auf, während er sich immer weiter überträgt. Mehrere Tausend habe es seit der Entdeckung des Virus im Jahr 2019 gegeben, die meistens keine große Auswirkung auf das Virus oder seine Fähigkeit, seinen Wirt erkranken zu lassen.

Kommentar: Hauen wir dem Virus auf die Finger

Die Mutationen der neuen Varianten befinden sich jedoch am sogenannten Spike-Protein, das entscheidend für die Übertragbarkeit des Virus ist. Eine Mutation betrifft insbesondere die Stelle im Protein, mit der es an die menschlichen Zellen andockt.

Konkrete Gefahr gänzlich unbekannt

Was dies konkret bedeutet, ist jedoch noch nicht bekannt. “Bislang wissen wir sehr wenig über diese Variante”, mahnt der Physiker Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel im Gespräch mit der dpa. Ob sich die neue Variante tatsächlich schneller ausbreitet, wie in Großbritannien vermutet wird, könne man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

In Südengland sind laut britischen Behörden mehr als 1100 Infektionsfälle der neuen Variante in 60 Gemeinden festgestellt worden. Wissenschaftliche Belege für eine schnellere Ausbreitung fehlen jedoch, ebenso wie die Antworten auf die Fragen, ob die Mutationen zu einem schwereren Verlauf der Krankheit Covid-19 führen oder sich negativ auf die Wirkung des Impfstoffs auswirken, der in Großbritannien bereits verabreicht wird.

Forscher behalten Mutationen stets im Blick

All dies wird nun eingehend untersucht, wie das Covid-19 Genomics UK Konsortium mitteilte. Dass sich das Virus weiterentwickelt, sei stets zu erwarten, wie Susan Hopkins, eine medizinische Beraterin der britischen Gesundheitsbehörde, Reuters sagte. “Es ist wichtig, dass wir Veränderungen schnell entdecken, um die möglichen Risiken zu verstehen.” Eine Sache, die bei der neuen Variante auf jeden Fall geschehen ist.

Corona-Kuriositäten: Ellbogenchecks, Klopapier-Hamster und Autokinos

Auch Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs scheint im Gespräch mit ntv nicht besorgt, dass entscheidende Mutationen des Coronavirus der Forschung stets einen Schritt voraus sein würden. “Virologen schauen, ob die Abweichungen des Virus wirklich massiv sind. Bisher sieht es aber nicht so aus. Im Moment hat das Virus auch keinen Mutationsdruck, da es sich in der aktuellen Variante weltweit verbreiten kann.”

Video: Kein Schutz vor Corona: Plastik-Visiere sind nicht effektiv