Neuer Brandbrief zur "Causa Hühnerstall": Tom Buhrow stellt sich Redakteursversammlung

Jürgen Winzer

Im Hühnerstall wird wieder aufs Gaspedal gedrückt: In einem offenen Brief kritisieren WDR-Redakteure und Freie Fernsehautoren WDR-Chef Tom Buhrow für dessen Umgang mit der "Causa Umweltsau". Heute stellt sich der Intendant einer Redakteursversammlung.

Mit der Ruhe "zwischen den Jahren" war es nach dem "Umweltsau"-Video und den tsunamiartigen Empörungswellen und schwindelerregenden Eskalationsstufen der Kritik, die es erzeugte, schnell vorbei. Im neuen Jahr wird - sinnbildlich - im Hühnerstall weiter forsch aufs Gas gedrückt: In einem offenen Brandbrief kritisieren WDR-Redakteure und Freie Fernsehautoren den Intendanten des Westdeutschen Rundfunk, Tom Buhrow (61). In dem Brandbrief, den über 40 Personen unterzeichneten, wird Buhrow Naivität und Ungeschicklichkeit im Umgang mit der "Causa Umweltsau" vorgeworfen. Die Empfehlung: "Er sollte die Konsequenzen tragen."

Vor dem Hintergrund dieser Schelte von Medienschaffenden dürfte die Redakteursversammlung des WDR am heutigen Dienstag besonders spannend werden: Tom Buhrow wird daran teilnehmen.

"Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt", heißt es in der Stellungnahme. "Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und der nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen."

Auch die Autoren Max Bierhals ("Neo Magazin Royale") und Morten Kühne (Chefautor "Heute Show") unterzeichneten diese Solidaritätsbekundung mit den Machern des satirisch gemeinten, vom Kinderchor vorgetragenen "Umweltsau"-Liedes. Sie wollen mit ihrer Petition auch erreichen, dass das Video des "Umweltsau"-Liedes wieder online gestellt wird. Der Song war ursprünglich bereits am 9. November in einer verkürzten Version in der Show "Satire Deluxe" von WDR 5 ausgestrahlt worden. Quote und Reichweite sind begrenzt - die satirische Fahrt im Hühnerstall fand da, was die Außenwirkung (und Empörung) angeht, noch in Schrittgeschwindigkeit statt.

Zum Highspeed-Highway in die Medien-Hölle wurde die Angelegenheit erst, als das dazugehörige Kinderchor-Video via Social Media online gestellt wurde. Dann entwickelte sich der Satire-Zug zum Amok fahrenden Runaway Train, der ungebremst und ohne Führung durch die nächsten Stationen bretterte: Shitstorm, Demonstrationen vor dem WDR-Gebäude, Buhrows Entschuldigung, Löschung des Videos. Empörung der WDR-Redakteursvertretung ("Wir sind fassungslos, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert."), offener Brief von Fernsehautoren.

Nächste Haltestelle: Redakteursversammlung. Hier soll über das Video gesprochen werden. Mit Tom Buhrow. Und über ihn.