Neuer Corona-Impfstoff: Virologe Streeck "vorsichtig optimistisch"

teleschau
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Gefühlt gehört Virologe Hendrik Streeck bei "Markus Lanz" zur Stammbesetzung. Auch am Dienstag saß er wieder in der Runde und verriet, was er vom möglicherweise rettenden Corona-Impfstoff aus dem Hause Biontech sowie dem "Lockdown Light" hält.

Inmitten der zweiten Corona-Welle und einem drohenden Szenario überfüllter Intensivstationen sorgte die Nachricht, dass der neu entwickelte Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und deren Partner Pfizer zu 90 Prozent schützen soll, für einen Hoffnungsschimmer. Kann die Welt im Kampf gegen Corona aufatmen? Virologe Hendrik Streeck gab sich bei "Markus Lanz" am Dienstag positiv - aber auch vorerst zurückhaltend: "Die Ergebnisse können einen vorsichtig optimistisch stimmen." Denn die Auswertung der Daten sei noch nicht abgeschlossen, "und wir wissen noch nicht, ob der Impfstoff vor der Infektion oder der Erkrankung schützt".

Unter dem Strich hielt Streeck fest: "Es ist erstmal irre schnell gegangen." Auf Nachfrage, was es denn mit der neuen Technik der mRNA-Impfstoffe auf sich habe, gab der Virologe den Erklärbär - und beschrieb die Funktionsweise für jedermann verständlich: "Der Zelle wird quasi ein Kochrezept gegeben: Produzier' diese Proteine mal nach." Diese Anweisung würde die Zelle dann "ganz brav" befolgen. Aus ökonomischer Sicht gebe es sowohl Vor- als auch Nachteile: Dieser Impfstoff ließe sich verhältnismäßig günstig und obendrein schnell herstellen, andererseits sei eine Kühlkette vonnöten. Insbesondere für ärmere Länder der dritten Welt könne es zum Problem werden, den Impfstoff in großer Menge bei -70 Grad zu lagern.

Um die Frage, ob er sich mit der Biontech-Entwicklung sofort impfen lassen würde, drückte sich Hendrik Streeck allerdings etwas herum. Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller ist da laut eigener Aussage "weniger ängstlich". Der SPD-Politiker würde sich, falls möglich, umgehend impfen lassen. Erstmal seien in Berlin aber andere dran: "Wir planen im Moment mit denen, die besonders gefährdet sind: Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen oder Berufsgruppen aus der Medizin." Auf der Prioritätenliste stünden außerdem Polizisten und Feuerwehrleute ganz oben.

"Es funktioniert nur, wenn wir alle in einem Boot haben"

Aber noch ist es ja nicht so weit, noch ist "Lockdown Light" - und auch Müller sprach die bekannten Probleme an. Richte man den Blick auf Kultur und Gastronomie, "kann man den ganzen Tag heulen", so der Hauptstadt-Bürgermeister. An der Notwendigkeit der Maßnahmen zweifelte der SPD-Mann allerdings nicht. Auch Hendrik Streeck betonte deren Alternativlosigkeit: "Der Lockdown war jetzt gut und richtig, er war das einzige Mittel, das wir in der Situation hatten."

Und in naher Zukunft? Der Virologe würde begrüßen, wenn mehr über Langzeitstrategien nachgedacht werden würde. "Wie man auch im nächsten Jahr damit umgehen kann", das sei die Frage. Aktuell würden sich die Menschen wieder zurücknehmen, und das sei vorerst auch weiterhin nötig: "Es funktioniert, nur wenn wir alle an Bord haben", machte der Virologe klar.