Neuer Ärger für Amazon

Schlechte Publicity aufgrund einer TV-Enthüllungsdoku, Stress mit dem Kartellamt - und nun muss sich Amazon auch noch mit einer Warnung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auseinandersetzen: Die Organisation macht in einer aktuellen Pressemeldung auf eine neue Betrugsmasche aufmerksam, die im Marketplace, dem Gebrauchthandel des Onlinekaufhauses, immer beliebter wird.

Das Angebot ist verlockend: Gerade mal ein Drittel des Normalpreises kostet der 3D-Fernseher, der nach Angaben des Verkäufers "wie neu" sein soll. Doch noch bevor der Button "Bestellung abschicken" überhaupt erscheint, ist die Transaktion schon gescheitert. "Bei ihrer Bestellung ist ein kleines Problem aufgetreten", meldet Amazon, mit dem nachgestellten Hinweis, dass die Ware nicht an den gewünschten Ort versandt werden könne - doch auch eine Änderung der Lieferanschrift führt nicht zum gewünschten Ergebnis. Wie praktisch, dass der Anbieter des Schnäppchen-Fernsehers seine E-Mail-Adresse im Namen seines Verkäuferkontos trägt: Vielleicht lässt sich der Kauf ja auch privat regeln ...

Spätestens an dieser Stelle sollten bei Amazonkunden die Alarmglocken schrillen: "Nur für Einkäufe, die ordnungsgemäß über den Marketplace abgewickelt wurden, gilt Amazons umfangreiche A-bis-Z-Garantie", erinnert Georg Tryba, Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sprich: Falls der Kaufinteressent sich per E-Mail mit dem Verkäufer über Zahlung und Lieferung des Fernsehers einigt, nach der Überweisung aber keine Ware erhält, ist sein Geld höchstwahrscheinlich futsch. Denn wer den Marketplace umgeht, hat kein Anrecht auf die Rückerstattung, die Amazon normalerweise gewährt, wenn man an einen Betrüger gerät.

Erkennen lassen sich die potenziellen schwarzen Schafe, vor denen die Verbraucherzentrale warnt, relativ leicht: "Es sind stets neue Verkäufer, ohne bisherige Bewertungen", erklärt Georg Tryba. "Als Händlernamen wählen diese Anbieter in der Regel eine E-Mail-Adresse, gern auch innerhalb eines Logos. Und sie rufen sehr, sehr niedrige Preise für topaktuelle Ware auf. Selbst wenn diese Ware tatsächlich ausgeliefert würde, bestünde der Verdacht, dass sich der Käufer der Hehlerei mitschuldig macht."

Im Dezember 2012 stießen die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale NRW zum ersten Mal auf solche E-Mail-versehenen Billigstangebote und teilten Amazon ihre Befürchtung mit, dass Interessenten dadurch vom sicheren Online-Marktplatz weg in dunkle Seitengassen gelockt werden könnten. "Amazon antwortete lediglich, dass die Konten der von uns benannten Verkäufer gelöscht wurden", resümiert Tryba.

Untätigkeit will der Sprecher der Verbraucherzentrale dem Großkonzern aber gar nicht vorwerfen. "Soweit wir es beurteilen können, reagiert Amazon unverzüglich, sobald Unregelmäßigkeiten entdeckt werden", meint er. Zumal ja der Umstand, dass Amazon selbst die mutmaßlich bedenkliche Transaktion stoppe, ein Bewusstsein für das bestehende Problem durchscheinen ließe. "Womöglich musste Amazon bei ähnlichen Angeboten, die über den Marketplace abgewickelt wurden, schon mehreren betrogenen Käufern ihr Geld zurückerstatten und sortiert nun rigoros aus", vermutet Tryba. Doch da das Unternehmen dem neuen Kaufinteressenten nicht umfassend darlege, warum genau "ein kleines Problem" bei seiner Bestellung aufgetreten sei, sähen die Schnäppchenjäger nicht die Gefahr darin, über die angegebene E-Mail-Adresse im Nutzernamen direkten Kontakt zum mutmaßlich zwielichtigen Verkäufer aufzunehmen.

"Da diese 'Neuen Verkäufer' offenbar einen Dreh gefunden haben, sich immer wieder in das Amazon-Verkäufer-System einzuschleichen, würden wir uns als Verbraucherzentrale wünschen, dass der Kunde von Amazon aussagekräftige Informationen bekommt", bekräftigt Georg Tryba. "Der Online-Einkauf lebt vom Vertrauen, darum sollte Amazon seine Nutzer auf Gefahrenquellen auf ihrem Marktplatz hinweisen." Denn den Ruf, ein sehr sicherer Online-Umschlagplatz zu sein, will Amazon sicherlich nicht auch noch verlieren ...

Quizaction