Neuer Skandal um Verseuchung durch Blei in den USA

Protest gegen Blei-Verseuchung in Flint im März

In den USA sorgt erneut ein Skandal um Blei-Verseuchung für Schlagzeilen: In der Nähe von Los Angeles sind hunderte Familien und vor allem ihre Kinder durch die Blei-Kontamination aus einer einstigen Fabrik für das Recycling von Batterien betroffen. Ein Bericht der Gesundheitsbehörden der Region deckte am Dienstag auf, dass von 500 untersuchten Häusern im Umfeld der früheren Fabrik 492 auf Böden mit einem überhöhten Bleiwert stehen.

Der Boden von 45 Häusern oder rund neun Prozent der untersuchten Gebäude wies demnach einen Blei-Verseuchungsgrad auf, der dem von als gefährlich eingestuften Giftabfällen entspricht. Nun soll der Boden von insgesamt 10.000 Grundstücken in dem Industriegebiet von Vernon bei Los Angeles getestet werden, nachdem sich zahlreiche Anwohner bei den Behörden beschwert hatten.

Besonders gefährlich ist Blei für die Entwicklung des Gehirns von Kindern. Die Untersuchung zeigte dem Bericht zufolge, dass etwa 3,6 Prozent der Kinder unter sechs Jahren, die in einem Umkreis von weniger als 1,6 Kilometern zu der einstigen Fabrik leben, einen Bleiwert von 4,5 Mikrogramm oder mehr pro Liter Blut aufwiesen. Dies ist ein so hoher Wert, dass die kalifornischen Gesundheitsbehörden eingreifen müssten.

Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, will zur Reinigung der Böden dieses Jahr 176,6 Millionen Dollar bereitstellen. Die Fabrik zum Recycling von Batterien hatte nach Zahlungsunfähigkeit im vergangenen Jahr geschlossen.

Landesweit sorgt derzeit bereits ein Skandal um bleiverseuchtes Wasser in der Stadt Flint im Bundesstaat Michigan für Aufruhr. Wegen der Verseuchung des Trinkwassers in der 100.000-Einwohner-Stadt hatte Präsident Barack Obama im Januar den Notstand in Michigan ausgerufen. Im März berichtete eine Zeitung, es gehe nicht nur um Flint, sondern landesweit seien rund sechs Millionen US-Bürger betroffen. In etwa 2000 Wasserverteilungssystemen seien Bleiwerte über dem Grenzwert gemessen worden.

In Flint geht die Bleikontamination auf Sparmaßnahmen zurück. Die Stadtverwaltung hatte im April 2014 damit begonnen, Wasser aus dem mit Chemikalien verseuchten Flint-Fluss zur Trinkwasseraufbereitung zu nutzen. Experten vermuten, dass die Chemikalien aus dem Fluss die Wasserrohre derart zersetzten, dass das in ihnen enthaltene Blei in großen Mengen in die Trinkwasseranlagen gelangen konnte. Zuvor war Trinkwasser aus Detroit bezogen worden.

Der Mensch nimmt Blei, das in der Umwelt überall vorhanden ist, ständig in geringen Mengen durch Nahrung und Luft auf. Das Schwermetall wird in Knochen, Muskeln und im Gehirn abgelagert, dort über Jahre gespeichert und nur langsam wieder freigesetzt, so dass die Konzentration im Blut noch Jahre nach einer Bleibelastung erhöht sein kann.

Gefährlich ist Blei vor allem für das Nervensystem während der Entwicklung. Die Gefahr ist daher für Ungeborene und Kleinkinder besonders groß. Ungeborene können es schon im Mutterleib aufnehmen, Babys mit der Muttermilch.