„Neues Elend in der Stadt“: Hilfe für Obdachlose in Köln ausgeweitet

Die Stadt bietet an der Vorgebirgstraße Beratung und medizinische Betreuung.

Die Stadt erweitert ihre Hilfe für Menschen aus Osteuropa, die in Köln gestrandet sind und kein Dach über dem Kopf haben. Nachdem im vorigen Herbst in einem Gebäude an der Vorgebirgstraße, das der humanitären Winterhilfe dient, für diese Gruppe von Menschen 90 Schlafplätze geschaffen worden sind, wurden die Übernachtungsmöglichkeit am 8. April um zusätzliche Angebote ergänzt.

Neben der zentralen Beratungs- und Anlaufstelle, wo werktäglich Ansprechpartner etwa von Agisra, dem Rom e.V. und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) je zwei Stunden zur Verfügung stehen, bietet die „Clearingstelle Migration und Gesundheit“ einmal wöchentlich eine Beratung an. Hinzu kommt eine wöchentliche medizinische Sprechstunde. Auch tagsüber ist nun der Aufenthalt möglich; geboten werden warme Speisen und Getränke. Zudem gibt es Gelegenheit, zu duschen und Wäsche waschen zu lassen, und eine Kleiderkammer, für die der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), der das Projekt betreut, Spenden entgegen nimmt.

Die „Reife“ einer Gesellschaft zeige sich daran, wie stark sie sich um die Schwächeren kümmere, sagte Sozialdezernent Harald Rau, als jetzt der Ausbau des Angebots für die hilfsbedürftigen Menschen, die vor allem aus Rumänien, Polen und Bulgarien stammen, vorgestellt wurde. Dabei sprach er auch an, dass die humanitäre Unterstützung, mit der die Stadt vom Rat beauftragt sei, von „ordnungsrechtlichen Maßnahmen“ flankiert werde, das heißt, Menschen ohne Aufenthaltsberechtigung „zur Ausreise zu bewegen„ und „unangemessenes Verhalten“ in der Öffentlichkeit einzudämmen.

Leuchtturmprojekt löst Interesse aus

Nicht bestätigt habe sich, dass das Kölner Angebot eine „Sogwirkung“ entfalten und obdachlose EU-Ausländer verstärkt nach Köln ziehen könnte. „Die Gesamtkalkulation ist aufgegangen“, so Rau. Dirk Schumacher vom Amt für Soziales, Arbeit und Senioren sprach von einem „kleinen Leuchtturmprojekt“, das offensichtlich auch für andere Kommunen interessant sei, wie Anfragen aus Frankfurt, Münster und Rostock zeigten.

Einen „zweiten großen Schritt“ nannte Markus Peters, Vorstandsvorsitzender des SKM, die Ergänzung des Übernachtungs- um das Tagesangebot. Es gelte, Menschen aufzufangen, die „keinen Zugang zum sozialen Hilfesystem haben und denen es einfach schlecht geht“. Köln sei dem „neuen Elend in der Stadt“ - eine der Folgen der EU-Osterweiterung - rechtzeitig begegnet und habe „sein menschliches Gesicht gezeigt“.

Bis zu 170 Schlafplätze

Der Umbau des Hauses habe eine „Atmosphäre geschaffen, die Sicherheit ausstrahlt“, sagte Rainer Best, der beim SKM die Notunterbringung koordiniert, zum bisherigen Betrieb. Insgesamt standen in der Zeit der humanitären Winterhilfe, die am 31. März endete, in der Vorgebirgstraße Schlafplätze für bis zu 170 Männer und Frauen zur Verfügung. „In der Spitze“ habe man 160 Übernachtungsgäste gezählt, sagte Best.

Probleme mit der Nachbarschaft gebe es nicht, im Gegenteil: Manche brächten Kleider vorbei oder spendeten...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta